(41:27, CD, Vinyl, Digital, Sulatron Records/Broken Silence, 2021) Damals, im September 2019, war die Welt noch sowas von in Ordnung. Da passierten eben noch solche Ereignisse, nämlich das Zusammentreffen von zwei Schwergewichten der psychedelisch beeinflussten Soundfindung, in einem Etablissement, hier dem Lissaboner Kultclub Sabotage, der die pandemischen Umstände allerdings leider nicht überleben sollte. „Sabotar“ nun ist das Resultat einer Session, die mit gedoppeltem Schlagzeug und zweier Gitarren zu einem regelrechten - genau - Jam ausartet. Und das mittels der Erfüllung aller sympathischen und hierfür wichtigen Klischees. Zwei Longtracks und ein Middlelongtrack geben ein Vinyl-kompatibles Format ab, das in diesem Zusammenhang…
Autor: Carsten Agthe
(78:23, CD, Digital, Sulatron Records/Broken Silence, 2021) Wieder einmal auf sich allein gestellt hat Sula Bassana ein Album aus dem Boden gestampft beziehungsweise extrahiert, das - wieder einmal - auf den Zauber der Spontanität beruht. An drei Abenden mit allerlei abenteuerlichem Equipment realisiert (von dem sicher das Beeindruckendste eine Weltmeister TO 200/5-Orgel aus der ehemaligen DDR ist) lehrt uns der Multiinstrumentalist einmal mehr das Fliegen, wacht aber ebenso darüber, dass wir nicht zu weit nach oben driften und uns damit hoffnungslos im Nirvana verlieren. Schon ‚Roadburn Haze‘, Ende März (wie auch die Tracks ‚Rolling In Outer Space‘ sowie ‚One Way‘)…
(46:02, CD, Vinyl, Digital, Jansen Records/Soulfood, 2021) What a sound! Kanaan präsentieren sich auf ihrem vierten Album in gerade einmal drei Jahren so, wie der Album-Name schon erwarten lässt. Nämlich: erdverbundener. Und direkter. Beeindruckte das Trio aus Oslo bisher mit einem Sud aus psychedelischem Stoner Rock mit Jazz- und Kraut-Anleihen, so gibt es hier auf "Earthbound" ohne Kompromisse Stoner-Breitseiten direkt auf die Zwölf. Von der noch eher verhaltenen ‚Prelude‘, die sich, einminütig auch nur als solche präsentiert, walzt sich Kanaan, Bulldozer-gleich, so weiter bis hin zum Epilog ‚No Star Left Unturned‘, der sich als wahrhaftige Materialschlacht offenbart. Und somit mehr…
(44:07, CD, Vinyl, Digital, Gondwana Records, 2021) Kurze Zeit nach ihrer Ambient-Suite „Terrain“ folgt gleich das nächste Portico-Quartet-Album auf dem Fuß. „Monument“ ist so etwas, das man als blankes Gegenteil zum Vorgänger bezeichnen könnte. Semi-klassische, minimalistische Ambient-Flächen dort, Electronic Contemporary Jazz mit IDM-Tendenzen hier. Eigentlich hätten die beiden Werke zwei unterschiedliche Seiten eines Albums werden sollen, die Band entschied sich dann aber doch dagegen und dafür, beide Sachen getrennt zu veröffentlichen. Was auch Sinn macht, ist „Momentum“ doch gleichzeitig eines der zugänglicheren Alben der Mannen um Duncan Bellamy und Jack Wyllie. Die Hang (Drum) im Opener ‚Opening‘ kündigt schon einmal…
(45:07, CD, Vinyl, Eigenveröffentlichung (Grimond Studio), 2020) Nur wo ‚Grunge Locomotive“ draufsteht ist auch genau so eine drin. Das heißt aber auch – einmal in Fahrt lässt die sich dann auch nicht mehr so schnell stoppen. Die Band aus dem polnischen Wrocław macht auf ihrem Debüt aus ihren Vorlieben überhaupt keinen Hehl und knallt uns einen gut abgehangenen, tja, Grungerock eben, um die Ohren. Nicht unbedingt neu, nicht unbedingt spektakulär, für den Augenblick dennoch ganz angenehm, haut die „Grunge Locomotive“ so richtig rein. Anklänge von Soundgarden bis Alice In Chains liegen dabei reichlich auf der Hand, wobei Sänger Damian Kikola…
(36:06, CD, Vinyl, Digital (PWYW), Bird’s Robe Records, 2011/2021) Im Zuge der ‚10th anniversary series‘ von Bird’s Robe Records wird nun auch zum ersten Mal die Debüt-EP der australischen Post-Rocker Solkyri einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Der Zufall will es, dass „No House“ auch vor genau zehn Jahren veröffentlich wurde. Seitdem realisierte das Kollektiv aus Sydney drei Fulltime-Alben (das letzte davon, "Mount Pleasant", erst im Frühjahr letzten Jahres) und tourte mit dem Who Is Who des internationalen Postrock das Land (nämlich Australien) hoch und runter, darunter mit Acts wie sleepmakeswaves, 65daysofstatic, The Red Paintings, Trail Of Dead, Maybeshewill oder Mono zu…
(25:52, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2009/2021) Da taucht anlässlich der ‚10th Anniversary Series‘ von Bird’s Robe Records nun auch etwas ganz Außergewöhnliches und (fast) Vergessenes auf. Drei EPs veröffentlichten die Sydney Jazz-Rocker Pirate von 2007 bis 2009, die zweite davon, nach der Band selbst betitelt, erhält nun die Ehre eines längst fälligen Rereleases. Damals das heißeste und verrückteste Ding unter der australischen Sonne tourte der Vierer (zu dem Schlagzeuger Tim Adderley gehörte, der heute bei sleepmakeswaves die Stöcke schwingt) das Land hoch und wieder herunter. Was bei den Dimensionen von Down Under mehr als beachtlich ist. Und konnte sich…
(35:47, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records, 2021) Vier Jahre hat sich Pluto Jonze für sein zweites Album Zeit gelassen. „Eject“, das Debüt, erschien immerhin schon 2013. Ein Jahr später folgte zwar noch die EP „Sucker“, was für einen Künstler, der im australischen Triple J-Radio auf Rotation lief, doch ein wenig karg war. Umso gieriger wartete die Welt nun auf „Awe“, das schon mit den beiden Vorab-Singles ‚Kelsey In Corduroy‘/‚Walk Off The Edge With Me‘ sowie ‚Dot‘/‚Moonmaking‘ die Erwartungen in die Höhe schraubten. Pluto Jonze schlafwandelt dabei elegisch auf den Spuren der Beatles, denen von AIR und vom+ Badly Drawn…
(25:44, Digital, Eigenvertrieb, 2021) Aus der Asche des Electric Acid erheben sich die Wolves Of Saturn, um uns hier auf Erden ihre freakig-spacigen Weltanschauungen um die Ohren zu watschen. Das Trio aus Dresden mietete sich in einen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg ein – nur genau hier ließ es sich wohl so schön von der schnöden Außenwelt abschotten, und präsentiert als erstes Lebenszeichen eine 3-Track-EP mit dem pragmatischen Titel „Bunker Tapes Part 1“. Schon der Bandtiteltrack „Wolves Of Saturn“ kommt als musikgewordenes Statement und präsentiert uns gleich einmal auf zehn Minuten, wo hier, also bei den WOS, die Prioritäten liegen.…
(38:58, Vinyl, Digital, Indie Recordings, 2021) Das Jahr 2020 war für nicht wenige Musiker eine Zäsur – ausgefallene Konzerte, verschobene Touren und auf Eis gelegte Platten zehrten bei sicher nicht wenigen an der Substanz. Dem norwegischen Trio Addiktio ist es sogar eine Hymne wert, eine ironische Laudatio in Math’n Post-Metal. Der instrumentale Titeltrack steht diesem Album voran und macht in seiner überambitioniert harschen Art erst einmal klar, was hier weiterhin zu erwarten ist. Und das zu Erwartende kommt dann auch gleich auf dem Fuß, nämlich mit dem mächtigen ‚Genetic Circus‘, bei dem Addiktio ein Meisterstück an energiegeladener Suspense und beeindruckendem…
(47:19, CD, Vinyl, Digital, V2 Records/The Orchard, 2021) Genau: Menschen, die auf Bildschirme starren. Diesem ach so oft beobachtbaren Problem der schönen neuen Welt wollte das Nonett (!) aus den Niederlanden von vornherein aus dem Weg gehen indem es das neue und bereits sechste (!) Studioalbum in rein analoger Form inszenierte. Also nix Computer, nix Programme und auch nix Bildschirme. Womit „Algorythm“ in all seiner analogen Pracht schon konsequent vintage und damit vor allem abenteuerlich 80’s-like herüberkommt. Mit drei Schlagwerkern (Drums/Percussion), drei Bläsern und dem ‚üblichen unverzichtbaren Beiwerk‘ (Gitarre, Bass, Synths) brillieren Jungle By Night mit einem Sound, der uns…
(53:42, CD, Digital, Alchemy Records, 2021) In diesen harten Zeiten ist wirklich alles anders als sonst. Keine Konzerte, keine Studiotermine. Weswegen man - in Isolation ausharrend - seine Ideen in die weite Welt hinausschickt, idealerweise auch selbst Ideen zugeschickt bekommt. Wobei aus diesem Puzzle schließlich ein Ding entstehen kann, das sich verselbstständigt und damit nach und nach Fahrt aufnimmt. Auch bei ex-Porcupine Tree Colin Edwin (bass) und Jon Durant (guitar) entwickelte sich alles anders als erwartet. „Mutual Isolation“ ist nun schon das vierte Album des Duos, aber das erste, das komplett aus Improvisationen besteht. Zusammen mit den hier involvierten Mitmusikern…
(39:49, CD, Vinyl, Digital, City Slang, 2021) Mit jedem Wechsel ist eine Veränderung verbunden. Diese Veränderung fiel bei Efterklang, die mit City Slang ein neues Label im Rücken haben, zwar nicht allzu gravierend aus, trotzdem ist „Windflowers“ ein Album geworden, dass schon irgendwie zum Pop-Album des Trios um Casper Clausen geriet. Die Songs hierauf kommen mit solch einer Ruhe und Ausgeglichenheit, dass man sich dabei ertappt, den Atem anzuhalten, um auch jede Nuance der „Windflowers“ mitzubekommen. „Let Me Into Your Heart…“ singt Clausen im Opener ‚Alien Arms‘, der ob seiner Transparenz wirkt, wie ein Überbleibsel der „Laughing Stock“-Sessions von Talk…
(45:02, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records, 2009/2021) Ein ganzes Jahr lang, nämlich vom März 2021 bis März 2022 gibt es zur ‚10th anniversary series‘ von Bird’s Robe Records Rereleases von Highlights aus dem Labelkatalog, auf dass nun noch einmal, oder vielleicht jetzt erst recht, das beeindruckende Repertoire des australischen Labels gebührend gewürdigt wird. Mit „First Temple“ gibt es an dieser Stelle das fulminante Debüt, das damals nicht nur in der australischen Heimat der Band einschlug wie die sprichwörtliche Bombe. Weil die Musik vom Closure In Moscow eine Energie und Sprengkraft besitzt, die einen gleich von Anbeginn an vom Hocker…
(55:36, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2009 / 2021) Weiter geht’s auf der Entdeckungsreise der ‚10th anniversary series‘ von Bird’s Robe Records. Mit „Our Lines Are Down“ kommt nun das Debütalbum von Hazards Of Swimming Naked an die Reihe. Einem Kollektiv aus dem australischen Brisbane, das nicht gerade durch eine Fan-freundliche Veröffentlichungspolitik glänzt. „Our Lines Are Down“ erschien 2009, der Nachfolger „Take Great Joy“ ganze neun Jahre später. Nun heißt es ‚….‘Our Lives Are Down“ remains one of the most beloved Australian post rock albums and is a landmark record for the band…‘, was ja schonmal eine Ansage ist. Der…
(22:53, Digital, Eigenvertrieb, 2021) Aus irgendeinem triftigen Grund haben Far From Your Sun es nicht geschafft, an ihrem neuen Album mit dem Arbeitstitel „The Origin Of Suffering“ zu arbeiten (Corona?), weshalb man nun, warum auch immer, mit einer EP kommt, die ausgewählte Songs ihres 2016er Debüts „In The Beginning…was the Emotion“ in der Edit-Version enthält. Das bedeutet, dass die bisherigen 6- bis 7-Minüter ‚Far From Your Sun‘, ‚The Eightfold Path‘, ‚Life‘ sowie ‚Under The Hands Of Time‘ nun auf überschaubare 4 bis 5 Minuten zurechtgestutzt wurden (vor den Longtracks ‚Annabel Lee‘, ‚F.A.D.‘ sowie ‚On The Path (Of The Hanged Men)‘…
(17:47, CD, Digital, Eigenvertrieb, 2021) Da haut Jonathan Stolber mit seiner Debüt-EP, die gerade mal etwas mehr als eine Viertelstunde währt, was das ganze Drumherum anbelangt doch ganz schön auf den Molly. Eine größere Bekanntheit erlangte Stolber mit seinem zweiten Projekt (das andere ist das postrockende Kaliber To Bury A Ghost) durch seine Kollaboration mit Nils Frahm zum Piano Day sowie in einem früheren Leben mit Her Name Is Calla und 65daysofstatic. Auf „The Unshakeable Demon“ nun baute er auf die Hilfe von Steven Durose (Oceansize, Amplifier, Vennart) in the Mix sowie Frank Arkwright (Mogwai) im Mastering (was auch noch…
(50:01, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records/Art As Catharsis, 2021) Es scheint, als würde Simeon Bartholomew mit „Four“ alles auf eine Karte setzen und mit diesem Album alles zusammenbringen, was Seims war, ist und auch sein wird. Wieder einmal spielte der Multiinstrumentalist hierfür fast alles im Alleingang ein (d.h. Bässe, Gitarren, Synths und Vocals), holte sich aber immerhin Unterstützung bei Schlagzeuger Chris Allison (Plini) und, was kostet die Welt, bei einer kompletten String-Section. Heraus kam ein Album, das an Wahnwitz und Ideenreichtum kaum zu übertreffen ist. In den hochtrabenden Arrangements tritt ein wenig die Hybris des Bartholomew zu Tage –…
(29:07, Digital, Eigenproduktion, 2021) Irgendwie scheint es in Mode gekommen zu sein, mit Kleinformaten zu debütieren oder sich damit als Interimsproduktion Luft für das nächste Album zu verschaffen. Bei In Solastalgia, Either Way, dem Projekt des Kanadiers Jean Philippe Hébert, ist es erstere Option. Nun scheint es dieser Hébert auch nicht für nötig zu erachten, mit einem kurzen, knackigen Bandnamen aufzuwarten. In Solastalgia, Either Way kommt ja nicht unbedingt leicht über die Zunge, was hier aber keinen zu interessieren scheint. „Morii“ nun, das Debüt des Projektes aus Montreal, das sich in Live-Momenten als Quintett präsentiert (was anzeigt, welche Größenordnung bzw.…
(67:18, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records/Art As Catharsis, 2015/2021) Zweieinhalb Jahre nach dem mächtigen „The Quietest Place On Earth“ kamen We Lost The Sea mit einer weiteren Mächtigkeit, die im Juli 2015 erschien und nun im Rahmen der groß angelegten ‚10th anniversary series‘ des australischen Labels Bird’s Robe Records erneut aufgelegt wird. Bei der Band aus Sydney saß zu dieser Zeit der Schock über den Freitod ihres Sängers Chris Torpy noch tief, immerhin waren dessen verzweifelte Vocals eines der tragenden Elemente im WLTS-Sound. Die Band trat die Flucht nach vorn an, besetzte seinen "Posten" nicht mehr und agiert seitdem…