
Progressive Alt-Pop • Progressive Rock • Alternative Rock • Art Pop
(50:59; Vinyl, CD, Digital; Long Branch Records; 26.06.2026)
Exploring Birdsong reißen auf ihrem Debüt "Every House We Built" gleich mehrere Wände ein und bauen ihr eigenes Klanghaus praktisch neu auf.
Wer die bisherigen EPs, wie etwa "Dancing In The Face Of Danger", kennt, dürfte sich dabei zunächst verwundert die Ohren reiben. Denn obwohl offiziell weiterhin keine Gitarre zur Stammbesetzung gehört, knarzen, sägen und riffen sich immer wieder Passagen durch die Songs, die verdächtig nach Djent und modernem Prog Metal klingen. Ein Gastmusiker ist allerdings nirgends vermerkt. Entweder hat Jonny Knight endgültig die nächste Evolutionsstufe des Bass- und Synthesizerspiels erreicht – oder Exploring Birdsong beherrschen inzwischen schwarze Magie.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Musikalisch wächst hier zusammen, was auf dem Papier kaum zusammenpassen dürfte. Pianoballaden treffen auf elektronische Texturen, hymnische Refrains auf vertrackte Rhythmen, fragile Ruhe auf metallische Wucht. Über allem schwebt Lynsey Wards Stimme, die mühelos zwischen verletzlicher Intimität und dramatischer Größe pendelt, ohne jemals ins Theatralische abzudriften. Gleichzeitig blitzen immer wieder Klangfarben auf, die an TesseracT, die melancholische Schwere von Katatonia oder sogar die düstere Eleganz von Type O Negative erinnern – ohne dass Exploring Birdsong jemals wie eine Kopie ihrer Einflüsse wirken. In 'Cartography' schimmern zudem deutliche Parallelen zu Silent Skies durch, deren melancholisch-schwebende Atmosphäre erstaunlich nah erreicht wird.
Auch inhaltlich verlässt die Band ihre bisherigen Konzeptwelten und schreibt erstmals konsequent aus persönlichen Erfahrungen. Beziehungen, Verlust, toxische Dynamiken, Trauer und Selbstzweifel bilden das Fundament der zwölf Songs, die sich immer wieder der Metapher des Hauses bedienen: als Schutzraum, Gefängnis oder Ruine. Selbst wenn Mauern einstürzen, bleibt am Ende die Hoffnung, irgendwann wieder neu bauen zu können.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Das Beeindruckendste an "Every House We Built" ist jedoch, wie selbstverständlich Exploring Birdsong zwischen den Welten wandern. Es gibt nicht viele Alben, bei denen man sich vorstellen kann, dass Fans von Kate Bush, iamthemorning, Sleep Token und unter Umständen auch Taylor Swift gleichzeitig glücklich werden. Dieses hier könnte tatsächlich eines davon sein. Progressive Raffinesse und Pop-Appeal stehen sich nicht im Weg, sondern ziehen am selben Strang. Wer ausschließlich technische Fingerakrobatik oder ausschließlich radiotaugliche Hooks sucht, wird womöglich irritiert sein. Wer sich hingegen auf beides einlässt, bekommt eines der spannendsten Debüts der letzten Jahre serviert.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
"Every House We Built" ist kein Album, das Prog neu erfindet. Es erinnert vielmehr daran, dass Progressive Rock nicht zwangsläufig verkopft oder sperrig sein muss. Manchmal genügt es, starke Songs zu schreiben, ihnen Raum zum Atmen zu geben und Emotionen nicht hinter technischen Kunststücken zu verstecken. Exploring Birdsong haben sich damit kein Luftschloss gebaut, sondern ein erstaunlich stabiles Haus – eines, in das man nur allzu gerne einzieht.
Bewertung: 13/15 Punkten
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Bandcamp. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Besetzung:
• Lynsey Ward – Gesang, Piano
• Jonny Knight – Bass, Synthesizer
• Matt Harrison – Schlagzeug, Percussion
Surftipps:
• Bandcamp
• YouTube
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult Promotion zur Verfügung gestellt.

