
Desert Rock • Stoner Rock • Psychedelic Rock • Garage Rock
(32:26; Vinyl, Digital; Go Down Records; 17.04.2026)
Avon. Ernsthaft? Klingt immer noch wie die Kosmetikberaterin, die mit aufdringlich Parfümduft im Treppenhaus steht. Stattdessen: Wüstensand im Getriebe, fuzzige Gitarren und diese ewige Sehnsucht, irgendwo zwischen Kyuss und Queens Of The Stone Age noch den einen großen Groove zu finden. Immerhin sitzt mit Alfredo Hernández jemand am Schlagzeug, der genau diesen Staub nicht nur kennt, sondern bei beiden Referenzgrößen mit aufgewirbelt hat – nämlich auf "...And The Circus Leaves Town" (1995) und "Queens Of The Stone Age" (1998).
Die restliche Besetzung liest sich wie ein Desert-Rock-Wikipedia-Deep-Dive: Frontmann James Childs mit Verbindungen zu Geoff Barrow (Portishead) und Motörheads „Philthy Animal“ Taylor, dazu Charles Pasarell am Bass, tief im Palm-Desert-Mythos verwurzelt. Viel Name-Dropping, viel Erwartungshaltung – und genau die steht dann auch im Raum wie flirrende Hitze über Asphalt.
Musikalisch: Desert Rock mit Black Sabbath-Schlagseite, einem Schuss Punk-/Garage-Rotz und Grunge-Schwere und. Mehrfach blitzen Erinnerungen an Alice in Chains auf – diese schleppende Dunkelheit, dieses zähe Ziehen im Riff. Klingt eigentlich gut. Nur bleibt es oft genau dabei: beim „eigentlich“.
Der Opener 'Black On Sunshine' baut direkt Atmosphäre auf, mehr Statement als Song, mit psychedelischem Zugriff und Gastbeitrag von Nick Davidge. 'Awkwardness' stapft im mechanischen Groove durch eine Social-Media-Gegenwartsdiagnose, bleibt aber eher Behauptung als Punch. 'Spacebar' greift Überwachung und digitale Verführung auf, verliert sich dabei aber in diffuser Spannung statt echter Zuspitzung.
'Never In A Million Years' lebt klar vom Bassfundament und der leicht cinematischen Schräglage, bleibt aber im Midtempo gefangen. 'Bandits' will der energetische Fixpunkt sein – mit Dringlichkeit, Solo und mantraartigem Gesang –, kommt aber nie ganz aus der kontrollierten Spur heraus.
'Nineteen Bruises' bringt kurz mehr Wüstenluft und Träumerei, 'Super Furry Antidote' wirkt wie ein wieder ausgegrabener Altbestand aus QOTSA-Zeiten.
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'Doorway' setzt auf Nostalgie und lange gereifte Emotion. Und dann 'Strangest Love': hier kippt das Ganze kurz in deutlich druckvollere Gefilde, mit einem rauen, fast schon Monster Magnet-artigen Vibe – dieses leicht psychedelisch verbrannte, groß aufgeblasene Riff-Gefühl, das zwischen Wüstenstaub und Heavy-Rock-Attitüde schwankt, ohne dabei seine rotzige Kante zu verlieren. Einer der Momente, in denen das Album tatsächlich mal so tut, als wolle es größer werden, als es sonst zulässt.
Das punkig-flotte 'Oblivion' lässt das Ganze schließlich bewusst offen auslaufen, eher Verlöschen als Finale.
Unterm Strich bleibt eine Platte, die viel Herkunft, Stil und Idee mitbringt, aber selten wirklich zupackt. Viel Bewegung im Staub, wenig Fixpunkt im Ohr.
Oder anders gesagt: viel Wüste, wenig Oase. Vielleicht beim nächsten Mal einfach die Avon-Beraterin fragen – die kennt sich zumindest mit Produkten aus, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Bewertung: 7/15 Punkten
Tracklist:
- 'Black On Sunshine' (02:39)
- 'Awkwardness' (03:05)
- 'Spacebar' (04:11)
- 'Never In A Million Years' (03:36)
- 'Bandits' (03:04)
- 'Ninteen Bruises' (04:17)
- 'Super Furry Antidote' (02:59)
- 'Doorway' (02:49)
- 'Strangest Love' (03:17)
- 'Oblivion' (02:24)

Besetzung:
• Alfredo Hernández - Drums
• James Childs - Vocals & guitar
• June Kato - Bass
Gastmusiker:
• Nick Davidge - Guitar and backing vocals ('Black On Sunshine'), guitar and vocals ('Strangest Love')
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