Procosmian Fannyfiddlers – Astonishing Tales Of Cod And Plankton

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Procosmian Fannyfiddlers - Astonishing Tales Of Cod And Plankton (LL Records, 20.12.2021) COVER(45:48, Digital, CD, LP, LL Records, 2022)
FFO: Diablo Orchestra, Unexpect, Knifeworld. So, nachdem die Betonköppe und Genre-Polizisten jetzt hoffentlich empört ausgestiegen und wir Irren mal wieder ganz unter uns sind, kann es ja mit dieser bislang bei uns leider untergegangenen, bereits Ende letzten Jahres erschienenen Underground-Perle weitergehen. Die hervorbringende Formation mit dem wahnwitzigen Band- und den vielsagenden Künstlernamen (vgl. Line-up unten) kommt aus Trondheim, Norwegen. Und erneut schlägt ein Stein rasant und gut hörbar im Brett unserer positiven Erwartungshaltung ein. Die einzige andere Kommune, der wir dies hier zugetraut hätten, ist Lyon.

Und auch im Folgenden wird diese Fiddlers kaum ein Spinner von der B(r)ettkante stoßen wollen.
Denn dafür ist der hier gebotene Mix an “Symptomen” einfach zu opulent. In their own words:

… influences of everything from European and American folk music, string-swing and rock operetta, to classical baroque and romanticism, ’60s pop and bombastic progressive rock, with the attitude of punk.
Without strong melody lines, though – preferrably in a minor key – this would be nothing.

Dann wäre ja soweit alles klar. Muss man doch nix mehr zu schreiben, oder?
Muss man doch? Mist.
“It is highly erotic” verrät uns eine Computerstimme, die ungefähr so erotisch ist, wie ein Nabelfussel (die von Anwesenden immer ausgeschlossen) eingangs des bereits elften Studioalbums der bekloppten Norweger zum Folgenden. Bekoppt, denn gründlich verrückt muss man schon sein, um sich so eine Story wie die von ‘Dental Breakdown’ um einen Kampfsport-affinen, psychotischen Zahnarzt – hier nur mal als Kontrastprogramm die sadistische Spielart – einfallen und dann noch zu Musik werden zu lassen.

‘Lady Dung’ nimmt uns tröstend in die leider ein wenig übelriechenden Arme – was aufgrund der fiesen Bohrergeräusche zuvor auch bitter nötig ist. Querflöten- und flächige Mellotron-Sounds bewirken ein Übriges an Heilung – solange man nicht auf die schnoddrigen bis jugendgefährdenden Texte achtet. Eine Aktivität, von der an dieser Stelle aus ästhetischen Gründen sowie aufgrund möglicher Mit-Haftung ausdrücklich jetzt und für die Zukunft abgeraten wird!

Das Folk-rockige ‘Rage For Boredom’ könnte zumindest eingangs auch von einer Celtic Prog Folk-Formation stammen – jedenfalls solange man nicht … you know schon.

‘Frill’ ist zumindest für den Proggie ein Höhepunkt des Albums, vor dem Assoziationskino laufen hier u.a. steinalte Genesis, Van der Graaf Generator und ein wenig Zappa ab. Dafür, diese Bläser-Sätze – so eine Art psychotischer ‘Atom Hearth Mother’ Horns – geschrieben zu haben, kommt man mal sicher in die Mucker-Hölle. Sofern man da nicht eh schon lange residiert wegen … ihr wisst schon.

‘In Search Of Competance’ (sic) gemahnt am ehesten an besagtes Diablo Swing Orchestra – jedenfalls solange man nicht …

Progger geraten natürlich in Wallungen, sobald sie einen Song-Titel wie ‘Still… You Turn Me Off” lesen. Oder zu lesen glauben. Solange sie nicht …

It ain’t over before it’s over. Und bevor auch noch die S. T. Coleridge– und Iron-Maiden-Fans (der Autor ist beides) GRÜNDLICH vor den Kopf getreten wurden. ‘Rimming Of The Ancient Mariner’ macht keine Gefangenen. Und um diesen Effekt zu erleben, muss man nicht mal, youknowschon …

Ein üppig, und natürlich ebenfalls nicht jugendfrei bebildertes 16-seitiges Booklet mit allen Texten und zahlreichen weiteren Beweisstücken für den leicht klinischen Humor der Truppe rundet diese interessante Veröffentlichung reizvoll ab. Kaufen, hören, liebhalten. Aber NICHT unbeaufsichtigt im Wohnzimmer ‘rumliegen lassen!
Bewertung: 12/15 Punkten

PS: In einer gerechten Welt würden die Procosmian Fannyfiddlers auf einer der nächsten Ausgaben des Prog(cosmian)Power Europe-Festivals spielen. Als FSK-18-Slot, versteht sich.

Line-up:
“Hebbe Santos” aka Heidi Larzen – Lead and backing vocals
“Pornographic Johnson” i.e. Øyvind Eriksen – Lead and backing vocals
“Shabe Fack” aka Geir Venom Larzen – guitars, drums, backing vocals
“Eric The Awful” aka Erik Andås – bass guitar
“Bödd Lindfors” aka Mette Jensen – flute, backing vocals
“Black-Metal Ekker” aka Bente Marit Ekker – violin, backing vocals
“Lord Lusk” aka Espen Warankov Godø – keyboarcs, voice
“Cunt Basie” (sic) aka Yngve Hasnes – trombone, backing vocals

Surftipps zu Procosmian Fannyfiddlers:
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Abbildung: Procosmian Fannyfiddlers / LL Records

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Über den Autor

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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