Villagers – Fever Dreams

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(45:00, LP, Domino, 2021)
Leicht macht er es seinen Fans nicht. Dafür ist Conor O’Brien hinlänglich bekannt. Doch man liebt ihn vielleicht gerade für seine bisweilen schrägen Einfälle. Für das neue Werk seiner Villagers mit dem Titel „Fever Dreams“, bemüht er jedoch gleich zu Beginn einen wirklich gewöhnungsbedürftigen Effekt. Die ersten Minuten des Albums hören sich an, als ob die Masterband-Maschine erhebliche Gleichlaufschwankungen hätte. Es leiert wie zu schlimmsten Kassettenrekorder-Zeiten. Erst im Refrain von ‚The First Day‘ wird man als Hörer von diesem zweifelhaften Vergnügen erlöst.

Was dann folgt sind eben jene eigenwilligen musikalischen Kleinode zwischen Indie-Folk und Art-Pop, wie nur  Conor O’Brien sie schreibt. Dass er dabei immer wieder einen Hacken schlägt, um den Hörer aus der Wohlfühlzone zu holen, dürfte Kenner kaum überraschen. So packt er in ‚Circles In The Firing Line‘ kurzfristig den Punk aus und verdient sich nebenbei den „Explicit“-Stempel. Daneben gibt es etliche Bläser-Ausflüge in jazzige Gefilde. In der Album-Version der Single ‚So Simpatico‘ jammt man sich fast schon in Miles-Davis Gefilde.

Leider stellt der gute Conor beim psychedelischen Titelsong ‚Fever Dreams‘ den Leier-Generator wieder an, was den  Song des Albums  zu einem erneut anstrengenden Hörerlebnis macht. Künstlerische Freiheit hin oder her, der Impuls die Skip-Taste zu drücken lässt sich kaum unterdrücken.

Immerhin versöhnt uns der beruhigende Bar-Jazz-Rausschmeißer ‚Deep In My Heart‘ wieder mit der Traumwelt der Villagers. Fraglos ist „Fever Dreams“ eine stilistische Weiterentwicklung im Vergleich zu „The Art Of Pretending To Swim“ und setzt mit Titeln wie ‚Song In Seven‘ oder ‚Momentarily‘ wieder ausgesprochen schmeichelnde Momente. Ob man jedoch im Gegensatz dazu die Eigenwilligkeit des Künstlers in Gänze mitgeht, bleibt jedem selber überlassen.

Nicht unerwähnt sollte allerdings die wunderbare Covergestaltung des Albums bleiben. Die LP ist in einem sogenannten Die-Cut Cover erhältlich, in das man je nach Lust und Laune vier unterschiedliche Gemälde zuvorderst einrahmen kann. Dass das Album limitiert in diversen Vinyl-Farben erscheint, ist hingegen fast schon Standard. Sammler und Enthusiasten sollten gegebenenfalls nicht zu lange mit dem Kauf warten.
Bewertung 10/15 Punkten

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Abbildung: Villagers / Domino Music

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Über den Autor

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Villagers – Fever Dreams

von Dietros Diaitológos Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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