Pink Floyd – Live At Knebworth 1990

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(55:45, CD, LP, Digital, Parlophone/Warner, 1990/2021)
Es war zu erwarten, dass die einzelnen Elemente des teuren „The Later Years“-Boxsets nach und nach auch als Standalone-Veröffentlichungen eintrudeln würden. Nachdem schon relativ kurz nach der Box die überarbeitete „Delicate Sound Of Thunder“ in den Regalen stand, gibt’s nun mit „Live At Knebworth 1990“ das nächste Liveschnittchen der Gilmour-geführten Pink Floyd.

Nun waren Pink Floyd bei besagtem Konzert nur einer von vielen Mega-Acts und spielten deshalb auch nur ein knappes Festivalset-Stündchen – wie Dire Straits, Phil Collins (mit Genesis-Gastauftritt), Paul McCartney, Eric Clapton, Tears For Fears und Status Quo auch. Auf Live-Raritäten oder Experimente muss man hier also verzichten. Neben dem damals noch einigermaßen aktuellen ‚Sorrow‘ gibt’s hier lediglich je zwei Songs von „The Wall“ (‚Run Like Hell‘, ‚Comfortably Numb‘), zwei von „Wish You Were Here“ (‚Shine On…‘ und den Titelsong) sowie unvermeidlicherweise auch zwei von „Dark Side Of The Moon“ – ‚Money‘ und ‚The Great Gig In The Sky‘. Der Grund für die Auswahl des Letzteren dürfte darin zu finden sein, das an diesem Abend mit Clare Torry die Originalsängerin des Stücks mit Floyd auf der Bühne stand. Damit sind wir auch schon bei der Besonderheit dieses Knebworth-Auftritts: die prominenten Gäste.

Pink Floyd waren ja nicht unbedingt dafür bekannt, sich Freunde auf die Bühne einzuladen. Da fallen den Meisten wohl nur Billy Corgan 1996 in der Rock And Roll Hall Of Fame, Frank Zappa 1969 auf einem Festival in Belgien und Douglas Adams 1994 im Earls Court ein, und so ist das Auftauchen gleich dreier Nicht-Bandmitglieder schon ein Grund für Sammler, das vorliegende Album in die Sammlung einzureihen. Neben Frau Torry gibt es hier einen der generell seltenen Liveauftritte von Michael Kamen zu sehen, der seit „The Wall“ für die Streicherarrangements der Band (sowie die von Metallica, Queensryche und Roger Waters) verantwortlich zeichnete. Vielen dürfte Kamen aber vornehmlich als Filmmusikkomponist bekannt sein: so gehen z.B. die Scores zu „Highlander“, den ersten drei „Die Hard“-Streifen, der „Lethal Weapon“-Reihe und diverser Terry-Gilliam-Vehikel wie „Brazil“ auf sein Konto. In Knebworth steuert er die Original-Streicherparts von ‚Run Like Hell‘ und ‚Comfortably Numb‘ von Jon Carins Synthesizer-Burg aus bei. Deutlich glamouröser ist der Auftritt der zur damaligen Zeit dank der Hitsingle ‚Lily Was Here‘ und dem gerade erschienenen Albumdebüt „Saxuality“ schwerst erfolgreichen niederländischen Saxophonistin Candy Dulfer ausgefallen. Die damals gerade 20 Jahre alte Candy darf natürlich ‚Money‘ und ‚Shine On You Crazy Diamond‘ veredeln – und tatsächlich sogar ein wenig improvisieren.

Gilmour, Mason und Wright zeigen sich durchweg gutgelaunt, ebenso wie die üblichen Sidemen Guy Pratt (bs), Tim Renwick (gtr), Jon Carin (keys) und Gary Wallis (perc). Die Backing-Vocal-Riege ist mit Durga McBroom, erstmals Sam Brown zusammen mit letztmals Mutti Vicky Brown (die bereits zu „Dark Side Of The Moon“-Zeiten mit Floyd auf der Bühne stand) und eben Clare Torry exzellent besetzt, auch wenn das die Rachel-Fury-Fetischisten wohl anders sehen werden. Das Artwork von Aubrey „Po“ Powell und Peter Curzon zieht im Vergleich zu den klassischen Floyd-Covers nun nicht unbedingt die Butter vom Brot, sieht aber definitiv um Längen besser und „würdiger“ aus als die Abscheulichkeiten, die uns auf „The Endless River“ und der 2019er Fassung von „Delicate Sound Of Thunder“ präsentiert wurden. Schade ist freilich nur, dass es den Gig nicht auch im visuellem Format alleinstehend zu erwerben gibt. Es ist aber davon auszugehen, dass uns früher oder später auch noch eine BluRay mit Knebworth und dem ebenfalls in der „Later Years“ enthaltenen – und ebenfalls einen gekürzten Set bietenden – „Live In Venice 1989“ erwarten. Sinnig wäre das auf jeden Fall.

Natürlich muss man aber auch den „elephant in the room“ ansprechen. Denn das Album bietet nicht einen Song, der nicht auch auf der großartigen „Delicate Sound Of Thunder“-Neuauflage vertreten ist, die man getrost als das definitive Statement zur „A Momentary Lapse Of Reason“-Tour bezeichnen kann. Für Floyd-Allessammler ist „Live At Knebworth 1990“ natürlich wegen der stargespickten Besetzung Pflicht, ansonsten wird das Album aber vornehmlich Materie-Einsteiger und Nicht-Progger ansprechen – so die sich nicht am Fehlen von ‚Another Brick In The Wall Pt. 2‘ stören.

Bewertung 11/15 Punkten (SG 11, KR 11, KS 11)

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Pink Floyd – Live At Knebworth 1990

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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