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    Betreutes Proggen
    Du bist hier:Home»Reviews»NOFX – Single Album

    NOFX – Single Album

    0
    By flohfish on 1. März 2021 Reviews

    NOFX – Single Album (Fat Wreck Chords/Edel, 26.02.21)(36:23, Digital, CD, Vinyl, Fat Wreck Chords/Edel, 26.02.2021)
    NOFX? Ernsthaft jetzt? Was macht denn eine Punk Rock-Band auf einer Webseite für Progressive Rock??? Bin ich hier noch am rechten Ort oder handelt es sich hier etwa doch um BetreuteVisionen.de?

    Keine Sorge, bei BetreutesProggen.de ist alles beim alten geblieben. Unser Metier ist noch immer progressive Musik in all ihren Spielarten und darüber hinaus, wie gehabt, der Blick über den Tellerrand. Und dass sich dieser nicht nur auf Fusion, Deathcore, Blues und Black Metal beschränken muss, sollte doch eigentlich klar sein.

    Ein erstes, nicht weiter beachtetes Waffenstillstandsangebot, um den alten Konflikt zwischen Punk und Prog zu beenden, hatten bereits Bad Religion mit ihrem '83er "Into The Unknown"-Album bereitet. Spätestens aber seit den letztjährigen Veröffentlichungen von Bands wie Ebonivory ("The Long Dream I") und King Mothership ("The Ritual"), sollte auch dem letzten klar sein, dass das alte Kriegsbeil zwischen Prog und Punk schon lange begraben ist und die beiden Genres immer öfter gemeinsame Wege gehen. Und selbst NOFX, neben Bad Religion wahrscheinlich die Institution in Sachen 90er Jahre Westcoast Punk, haben mit ihrer 1999er EP "The Decline" gezeigt, dass auch sie es verstehen, 18-Minüter zu schreiben und progressive Strukturen in ihre Musik zu integrieren. Grund genug also, sich vor dem Gespenst des Punk Rock nicht weiter zu fürchten und einfach mal zu schauen, was NOFX nach fast 40 Jahren ihres Bestehens heute noch in der Lage sind auf Tonträger zu bannen.

    Mit Progressive Rock hat "Single Album" zwar rein gar nichts zu tun, doch wer Punk Rock-Bands für einförmig und langweilig hält, der ist bei NOFX falsch gewickelt. Denn das Quartett aus Kalifornien vereinigt auf seinem mittlerweile 14. vollwertigen Studio-Album eine Vielzahl unterschiedlicher Stile. Wie schon auf den Vorgängeralben spielen neben dem Skate Punk vor allem Reggae und Ska eine große Rolle. Herausragend und eher ungewöhnlich ist dagegen der Auftakt des Albums (“The Big Drag”), bei welchem sich NOFX in knapp sechs Minuten dem Post Hardcore widmen. Zwar fehlt auf "Single Album" die für die Band so charakteristische Trompete von El Hefe, doch dafür haben beim Off-Beat Stück 'Fish in a Gun Barrel' so NOFX-untypische Instrumente wie Saxofon und Hammondorgel(!) einen Gastauftritt. Und mit dem abschließenden 'Your Last Resort' hat es sogar eine waschechte melancholische Piano-Ballade auf das Album geschafft – wenn man die letzten drei von vier Minuten des Stückes nicht beachtet.

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    Bei so viel Abwechslungsreichtum ist es natürlich nicht zu erwarten, dass "Single Album" irgendwie kohärent klingt, aber das war auch gar nicht die Absicht der Protagonisten. Es ist viel mehr das Best-Of einer Auswahl von Liedern, die eigentlich für zwei Alben gereicht hätten. Einzige Gemeinsamkeit: die Songs haben alle einen, für die Band recht untypischen, düsteren Anstrich.

    Wenn man ein Doppelalbum schreibt, dann schreibt man anders. Ich habe wirklich ganz andere Lieder geschrieben (als gewöhnlich) und ein paar Spaßlieder, aber man muss ein Doppelalbum interessant genug gestalten, um es ganz durchzuhören. Ich wollte ein perfektes Doppelalbum machen und ich habe es nicht geschafft. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, ein Single-Album zu machen, deswegen der Titel.
    –
    When you write a double album, you write differently. I was writing really different songs, and some fun songs, but you have to make a double album interesting enough to listen to the whole way. I wanted to make a perfect double album, and I didn't accomplish that. So I decided to just make a single album, hence the title.

    ...meint Frontmann Fat Mike.

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    Wahrscheinlich war dies eine gute Entscheidung, denn "Single Album" weiß, obwohl es nicht an die Großtaten der Band heranreichen kann, sowohl durch seine eingängigen Melodien als auch durch seine manchmal ernsthaften, manchmal spaßigen Texte zu überzeugen. Und in Liedern, wie dem grandiosen 'Fuck Euphemism', in welchem Fat Mike seine Zugehörigkeit zur LGBT-Community beteuert, schaffen es die US-Amerikaner wie kaum eine andere Band, Leichtfüßigkeit, Humor und Ernsthaftigkeit miteinander zu verbinden.

    Lediglich 'Linewleum' wäre musikalisch nicht wirklich notwendig gewesen, denn es ist eine Neuaufnahme des Openers 'Linoleum' vom 1994er Bandklassiker "Punk in Drublic". Doch wer kann der Gruppe aus Los Angeles diese Verbeugung vor ihren eigenen Fans verübeln? Schließlich ist das Stück eines der meistgecoverten Lieder des Punk Rock.
    Bewertung: 10/15 Punkte

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    Weitere Informationen

    Tracklist:
    1. 'The Big Drag' (5:48)
    2. 'I Love You More Than I Hate Me' (2:36)
    3. 'Fuck Euphemism' (2:15)
    4. 'Fish In A Gun Barrel' (3:35)
    5. 'Birmingham' (3:35)
    6. 'Linewleum' (3:20)
    7. 'My Bro Cancervive Cancer' (2:29)
    8. 'Grieve Soto' (3:57)
    9. 'Doors and Fours' (4:49)
    10. 'Your Last Resort' (3:59)

    Besetzung:
    Fat Mike
    El Hefe
    Eric Melvin
    Erik Sandin

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    Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult Promotion zur Verfügung gestellt.

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    CD Digital Edel El Hefe Eric Melvin Erik Sandin Fat Mike Fat Wreck Chord Kalifornien Los Angeles NOFX Post Hardcore Punk Ska Ska Punk Skatepunk USA Vinyl
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    flohfish
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    1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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