CORECASS – Void (EP)

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(24:34, CD, Digital, Limited Vinyl, Golden Antenna, 2020)
CORECASS ist ein Solo-Projekt der in Hamburg ansässigen Muliinstrumentalistin Elinor Lüdde. Dem ein oder anderen dürfte die in Weimar geborene Künstlerin als Schauspielerin durch ihren im Jahr 2007 entstandenen deutschen Spielfilm „Meer is nich“ (in dem Musik ebenfalls eine große Rolle für die Handlung spielt) bekannt sein. Schon in jungen Jahren erlernte sie das Harfenspiel und widmete sich später auch dem Schlagzeug und der Gitarre. Ihre Nähe zur Musik unterstreicht, dass sie als Schlagzeugerin 2003, gemeinsam mit ihren Freundinnen Luise Kehm und Sandra Zänker, die Leipziger Punkband sleazy inc. operated gründete. In der Screamoband Mio bedient(e) sie ebenfalls die Sticks.

Seit 2014 experimentiert Elinor Lüdde alias CORECASS mit verschiedenen Instrumenten, Feldaufnahmen, Foleys (Geräuschemacher) und digitalen sowie synthetisierten Instrumenten. Die dabei entstehenden Sound- und Instrumentalcollagen werden vereint mit Sprach- und Gesangseinlagen. Eine banale Genre-Zuordnung verbietet sich, denn Genre-Grenzen werden hier stets überschritten. Es ist weder Electronik, World Music, Prog, Jazz – jedenfalls nie in Reinform. Am ehesten erinnern die zumeist atmosphärischen, gar elegischen Klanggebilde an den Soundtrack eines Filmes. Im Ansatz kennt man so etwas von der italienischen Band Goblin.

Eine wichtige Komponente auf dem aktuellen Album „Void“ stellt die Kirchenorgel dar, da sie in der Lage ist, unverwechselbare tonale Eigenschaften zu erzeugen. Dagegen wirkt das dahin fließende Harfenspiel der Künstlerin äußerst zerbrechlich und betörend zugleich. Für wiederkehrende Unterbrechungen sorgen dunkle, bedrohlich erscheinende Instrumentalpassagen. Nach gut 25 Minuten (und somit eher eine EP) wird dieses Klangerlebnis jäh beendet und es bleiben am Ende einige Fragezeichen.

Ungewohnt und nicht den Regeln der kommerziellen Musikwelt folgend, setzt Elinor Lüdde auf „Void“ ihre künstlerischen Akzente. Eine Bewertung nach den üblichen Grundsätzen, der ansonsten bei Betreutes Proggen rezensierten Musik ist in diesem Fall verständlicherweise nicht so einfach bzw. kaum vergleichbar. Einen Versuch ist es aber allemal wert. Wer abseits ausgetrampelter musikalischer Pfade Neues entdecken möchte und nicht zu sehr an Hörgewohnheiten gebunden ist, sollte einmal in die Klangwelt von CORECASS eintreten.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 12, HR 10)

Line-up:
Elinor Lüdde – alle Instrumente (Harfe, Kirchenorgel, Sounds, Vocals etc.)

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Abbildungen: CORECASS

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Über den Autor

Musik spielt seit jeher eine große Rolle für mich. Ursprünglich stand der Sammeltrieb und die Suche nach Neuem im Vordergrund. Erst 2005 eröffnete mir der engere Kontakt zu Gleichgesinnten die Möglichkeit einen intensiveren Blick in die Szene zu erhalten. So blieb es nicht aus, dann auch einmal meine Gedanken und Beobachtungen in Worte zu fassen. Aus dem Blickwinkel des kritischen Betrachters erhalten Konzerte und CD´s oftmals eine tiefergehende Bedeutung und Musik wird neu erlebt.

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CORECASS – Void (EP)

von Horst-Werner Riedel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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