Banco Del Mutuo Soccorso – Io Sono Nato Libero 1973-2017

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(40:32 + 77:36, 2CD, Sony Music, 2017)
Nach dem überraschenden Tod von Sänger Francesco Di Giacomo im Jahre 2014 war die Zukunft von Banco lange Zeit im Ungewissen. Auf dem 2014er Boxset „Un‘ Idea Che Con Puoi Fermare“ gab es bereits kurze Sprechpassagen mit musikalischer Untermalung zu hören, die so etwas wie eine Fortführung der Historie auch ohne den prägenden Gesang von Francesco Di Giacomo andeuteten. Doch erst die Doppel CD des 73er Album „Io Sono Nato Libero“ als Sony Legacy Edition enthält u.a. neues Material im neuen Line-Up, quasi als Banco 2.0.

Die Verbindung aus einem 70er Jahre Klassiker und neuem Material ist etwas gewöhnungsbedürftig gewählt, doch entschied sich die römische Formation wohl für diesen etwas ungewöhnlichen Weg, da es die fünf neuen Titel auf CD2 unter dem Titel „La Libertà Difficile“ gerade mal auf knapp 30 Minuten bringen.

In erster Linie geht es bei dieser Box im Buchformat jedoch um „Io Sono Nato Libero“. Ob das Album in irgendeiner Form remastert wurde, ist leider nicht näher erläutert. Trotzdem klingen die Aufnahmen frisch und immer noch aktuell. Zwar steht „Io Sono Nato Libero“ zu Unrecht etwas im Schatten der ersten beiden Banco Alben, dennoch gehört es zweifellos zu den echten Klassikern der Italo Prog Szene. Politische Texte untermalt von folkiger, sinfonischer Musik, die sowohl die mediterrane, etwas luftige Verbundenheit erkennen lassen, aber eben auch auf die ergreifende Kraft des Progressive Rocks jener Zeit setzt. Dies alles getragen von der markanten, wandlungsfähigen Stimme Francesco Di Giacomos, der von mal pathetisch, etwas theatralisch, mal flehend oder klagend sein kraftvolles Organ erklingen lässt, während dies instrumental vor allem von den beiden Nocenzi Brüdern an den Tasten zusammengehalten wird.

Leider ist man ohne tiefere Italienischkenntnisse (was beim Schreiber dieser Zeilen zutrifft) bei dieser Veröffentlichung doppelt angeschmiert. Sowohl die Liner Notes im sehenswerten Booklet, als auch das ausführliche Interview mit Vittorio Nocenzi auf CD Nr.2 sind ausschließlich in Landessprache gehalten, so dass man sich als Teutone damit lediglich auf die Musik fokussieren kann.

Neben dem bereits erwähnten Interview mit Vittorio Nocenzi bekommt man auf CD2 eine halbe Stunde neues Material vom runderneuerten Banco Line Up geboten. Die Gesamtbeurteilung wandelt zwischen Überraschung, Freude, aber auch gewisser Ernüchterung. Überraschend, weil ein Teil der Texte in französisch(!) gehalten ist. Freude, weil man es doch recht progressiv und verspielt angeht, keineswegs nach Alt-Herren-Prog-Band klingt. Aber eben auch Ernüchterung, weil zum einen klanglich ein etwas steriler Sound nicht überzeugen kann, zum anderen gute Ansätze erkennbar sind, aber das Niveau eben nicht gänzlich gehalten werden kann. Somit handelt es sich mehr um Bonusmaterial, welches in einen ungewöhnlichen Kontext verpackt wurde. Trotzdem ist erkennbar, dass hier noch mehr Potenzial für die Zukunft schlummert.

Somit ein gemischtes Gesamturteil: „Io Sono Nato Libero“ bewahrt seinen Klassikerstatus, alles weitere ist mehr als Ergänzung zu betrachten.
Bewertung: 9-12/15 Punkten (12 Punkte „Io Sono Nato Libero“, 9 Punkte „La Libertà Difficile“)

Banco Del Mutuo Soccorso (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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