The Verve – Urban Hymns (20th Anniversary Edition)

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(02:29:00; 2CD; Universal; 1997/2017)
Schlagworte wie Deluxe-Edition, Super-Deluxe-Edition, Remastered, Reissue, Anniversary Edition etc. sind aus dem Vokabular der Musikindustrie kaum noch wegzudenken, wenn es um physische Tonträger geht. Welches Album kommt heute noch um eine Wiederveröffentlichung zum runden Geburtstag herum? Die Zweit- bis Zwölftverwertung des Backkatalogs eines Labels scheint mehr denn je im Fokus der Finanzabteilungen von Universal, Sony und Warner Music zu stehen. Konsumenten und Fans stehen immer wieder vor dersselben Frage: Brauche ich das? Wer „Urban Hymns“ bereits im Regal stehen hat – und das wird eventuell auch beim einen oder anderen Progger der Fall sein – kann nun sein altes Exemplar gegen eine remasterte Version zum 20. Geburtstag austauschen.

Eines gleich vorweg. Wer einen erwähnenswerten Klangunterschied zwischen der 1997er Version und dem Remaster wahrnimmt, der hört auch das Gras wachsen. „Urban Hymns“ ist und war eine Britpop-Breitwandproduktion, für audiophile Details ist da per se kein Platz. Das soll das Album nicht abwerten, in seinem Genre ist es auch heute noch hörenswert. Zwar wurde ‚Bittersweet Symphony‘ selbst in den Augen der Band medial überstrapaziert, aber Titel wie ‚The Drugs Don’t Work‘ und ‚Lucky Man‘ haben zeitlosen Charakter.

Die Besonderheit der vorliegenden Version liegt also mehr in der zweiten CD, die einen Konzertmitschnitt aus Wigan/Manchester aus dem Jahr 1998 enthält. Hier wirft sich allerdings die Frage auf, ob die separate Veröffentlichung eines eigenständigen Livealbums nicht kundenfreundlicher gewesen wäre. Die gleichzeitig erschienene Super-Deluxe-Edition enthält unter anderem alle in Zuge der Erstveröffentlichung erschienen B-Seiten der Singles. Diese Tracks mit dem Originalalbum alle beisammen zu haben, wäre eine Variante gewesen, die womöglich mehr Kaufanreiz geboten hätte.

5 CD/DVD Super-Deluxe-Edition

Vermutlich tendieren echte Fans sowieso eher zur Vollversorgung, als zu der uns vorliegenden Quasi-Deluxe-Version. Darüber hinaus stellt sich zumindest hierzulande die Frage, ob ein Reissue von „Urban Hymns“ überhaupt auf großes Interesse stößt. Schließlich ist das Werk kein „Dark Side Of The Moon“, kein „Pet Sounds“ oder „Purple Rain“, also ein Album, dass man auf den vorderen Rängen von Must-have-Listen für die Ewigkeit finden würde. Noch dazu ist die Band auch nicht mehr aktiv. Die gerade kürzlich veröffentlichte Deluxe-Version von Marillions „Misplaced Childhood“ dürfte die immer noch zahlreichen Fans von Band und Album mehr gereizt haben.

Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären. Es ist zwar in Zeiten von Spotify und Co. verständlich, dass der Markt für physische Tonträger sich verstärkt auf Die-hard-Fans konzentriert. In Anbetracht dessen, wie das derzeit strapaziert wird, ist es jedoch fraglich, ob es sich langfristig trägt. Die eine oder andere Super-Deluxe-Edition wird wohl in absehbarer Zeit verramscht werden. Im Fall von „Urban Hymns“ ist die 2CD-Version deutlich weniger interessant als die wirklich vollumfängliche Super-Deluxe-Ausgabe. Diese hat allerdings auch einen stolzen Preis.
Ohne Bewertung

The Verve (Foto: Universal)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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The Verve – Urban Hymns (20th Anniversary Edition)

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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