Premiata Forneria Marconi (PFM) – Emotional Tattoos

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(62:01 + 62:01, 2 CD, InsideOut Music/Sony Music, 2017)
Der Name P.F.M. verfügt immer noch über einen ausgezeichneten Klang, was nicht nur an der Historie der Mailänder liegt, sondern ebenfalls an den anhaltenden, unbestreitbaren Live Qualitäten dieser legendären Formation. Dies wurde in den letzten Jahren z.B. durch Alben wie den in Japan entstandenen Live-Neuaufnahmen der ersten fünf Alben hinlänglich dokumentiert, die allesamt von ergreifender Leidenschaft und mitreißender Musikalität geprägt sind. Ganz im Konstrast zu anderen Progbands aus den 70ern, die sich heute nur noch mehr schlecht als recht auf den Bühnen dieser Welt präsentieren und lediglich von ihrem ehemals großen Namen zehren.

Doch trotz diverser interessanter Liveaufnahmen und Kompilationen stammt von P.F.M. das letzte reguläre, rein instrumentale Studioalbum „Stati Di Immaginazione“ mit eigenem Material überraschenderweise bereits aus dem Jahr 2006. Denn während das 2013er Doppelalbum „In Classic – Da Mozart A Celebration“ zwar auch im Studio und mit Orchester entstand, enthielt es jedoch vermehrt klassisch geprägte Interpretationen bzw. nur eigenes Material in Neuaufnahmen. So ist der in englisch / italienisch gesungene Doppelpack „Emotional Tattoos“ nach langer Zeit das erste Lebenszeichen der mittlerweile besetzungstechnisch runderneuerten Band, bei der sich fünf weitere Musiker um die beiden P.F.M. Urgesteine Franz Di Cioccio (Gesang, Schlagzeug) und Patrick Djivas (Bass) scharen.

Tja, wie sagt man es mit netten Worten? Die sieben Protagonisten befinden sich trotz aller vorhandenen Qualität im Studiokontext wohl noch in einer gewissen Findungsphase. Denn während die meisten der 11 Tracks im Bereich zwischen 5-6 Minuten solide und leicht bombastisch ausgeschmückt vor sich hintickern, wirkt der sinfonische Rock der Italiener insgesamt doch etwas zurückhaltend. Das ist musikalisch durchaus bemüht und produktionstechnisch bestens umgesetzt, klingt letztendlich aber mehr nach traditionellem, inhaltlich energetisch aufgepepptem, melodischem Rock mit folkigen Einflüssen, denn deutlich auf die progressive Vergangenheit verweisend. Mit dem 2000er Album „Serendipity“ ging man ebenfalls einen zeitgemäßen rockmusikalischen Weg, doch agierte man damals wesentlich frischer und weitaus überzeugender als bei der aktuellen Neuorientierung.

Im direkten Vergleich überzeugt die italienisch-sprachige Version mit mehr Authentizität, doch fragt man sich zwangsläufig: ist dies erschreckenderweise wirklich alles, was den Italienern in den letzen 11 Jahren eingefallen ist? Immerhin blitzt in kurzen Augenblicken dann doch noch jene Qualität auf, die man von der Band auch auf der Bühne kennt. Doch bleibt dies meist nur ein kurzes Aufflackern ohne längere Fortführung – schade!

Zwar wird nicht ganz die platte Ideenlosigkeit der 80er erreicht, doch blitzt eben nur in Details auf, was wirklich in dieser Band steckt. Gerade das mitreißende Instrumental ‚Freedom Square‘ mit ausgiebigen Violinenparts lässt erkennen, dass hier noch viel mehr möglich gewesen wäre.
Bewertung: 7/15 Punkten (WE 6, GH 7, KS 7)

Premiata Forneria Marconi (Foto: Band)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Premiata Forneria Marconi (PFM) – Emotional Tattoos

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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