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    Konzertbericht Ennio Morricone, 26.03.2015, Oberhausen, KöPi-Arena

    1
    By Christoph Firmenich on 7. April 2015 Konzertberichte

    Ennio Morricone – My life in music

    Ennio-Morricone-conductingEin Traum wurde wahr, wenn auch mit Hindernissen - Als vor nunmehr fast zwei Jahren bekannt wurde, dass Ennio Morricone persönlich auf Konzerttournee geht, um sein Werk zu dirigieren, war die Freude groß. Damit konnte man nicht rechnen (immerhin hat der heute 85-Jährige seine ersten Filmkompositionen Anfang der Sechziger aufgenommen), also schnellstens den Rechner angeworfen und Innenraum-Karten für die Kölner Lanxess Arena erworben. Leider wurde der Maestro krank und das Konzert musste abgesagt werden, ein neuer Termin wurde leider zunächst nicht bekanntgegeben. Doch dann kam die Nachricht, dass der Meister später in Oberhausen auftreten würde, also Lanxess Karten zurücksenden und Tickets für die König-Pils-Arena ordern… Leider wurde es schon wieder nichts mit dem Konzerterlebnis, da Ennio immer noch bzw. wieder krank war (lt. Medienberichten Thrombose nach einer OP). Das Konzert wurde erneut verschoben und sollte nun am 26.3.2015 stattfinden.

    Diesmal gab es keine Absage und so begaben wir uns auf die Pilgerfahrt durch Baustellen, Umleitungen und Feierabendverkehr, um dann doch noch zeitig anzukommen. Vor Ort also unsere Plätze gesucht und - dank netter Mitarbeiter - in der nicht voll besetzten Arena auch zügig gefunden. Und schon ging es los. Zuerst nahmen die 75 Chormitglieder ihren Platz auf der Bühne ein, dann das 86-köpfige Orchester, nach einer kurzen Ansprache eines WDR2-Moderators inklusive Schweigeminute für die Flugabsturzopfer und dem bejubelten "Einmarsch" des Meisters konnte es losgehen. Und wie!

    Das Konzert begann mit der Titelmelodie von "The Untouchables" es folgten drei Stücke aus "Once Upon a Time in America" und ging über zu "The Legend of 1900", es folgten Melodien aus "H2S", "The Sicilian Clan" und Melodien aus "Love Circle" und endete mit einem Stück des "Maddalena"-Soundtracks. Nun kam der für mich persöhnlich sehnlichst erwartete Part mit Westernmelodien, zur Unterstützung wurde die Sopranistin Susanna Rigacci auf die Bühne geleitet – und zwar von Morricone persönlich!

    Es folgten die Western-Klassiker "The Good, The Bad and the Ugly" (das Lied mit dem Kojoten), das göttliche "Once Upon a Time in the West", "A Fistful of Dynamite" und schließlich der Überkracher "The Ecstasy of Gold" wer das nicht kennt sollte das mal auf seiner Anlage in angemessener Lautstärke hören (wenn die Anlage es verzerrungsfrei hergibt, ist angenehme Zimmerlautstärke so das man seinen Partner nicht mehr hört und sich auch der Nachbar an guter Musik erfreuen kann).

    Nach diesem ekstatischen Teil kam die zwanzigminütige Pause sehr gelegen, um wieder Kraft zu sammeln. Danach ging es weiter mit 'Chi Mai' aus dem Film "Le Professionel", gefolgt von Themen aus "Cinema Paradiso" und "Malena", wiederum gefolgt von Auszügen aus "The End of Mystery", "The Battle of Algiers", "The Ballad of Sacco E Vanzetti", "Investigation of a Citizen Above Suspicion", "Sostienne Pereira", "La Classe Operaia va in Paradiso" und "Quemada". Schließlich gab es noch drei Stücke aus dem wunderbaren Film "The Mission", was den offiziellen Teil beendete. Zum Glück bekamen wir aber noch einige Zugaben geschenkt.

    Das Konzert war herzergreifend schön! Falls das ein oder andere Lied vermisst wurde - bei geschätzten 500 Veröffentlichungen (was für ein Lebenswerk!) kann man ja unmöglich alles spielen. Wer gerne Filmmusik im orchestralen Gewand hört, dem kann man nur raten, auf ein solches Konzert zu gehen, wenn sich die Gelegenheit (noch einmal) ergibt!

    Was diese Konzertkritik auf BetreutesProggen.de sucht? Wo soll Sie denn sonst hin?!? Es haben sich ja viele Musiker von der Rock-Schiene der Klassik angenähert und versucht, diese Musikrichtungen zu vereinen, was ja auch einige Male vorzüglich gelungen ist (Jon Lord, Rick Wakeman, ELP und viele andere). Morricone hat diese Annäherung halt aus der anderen Richtung gewagt. Zitat aus dem Konzert-Heft: "Im Laufe seiner 50-jährigen Karriere als Filmkomponist umfassten seine unverwechselbaren Ideen durch die Bank einfache Themen (leicht zu summen) in komplexen Arrangements, ungewöhnliche Instrumentierung, dichte Klänge, die Verwendung der menschlichen Stimme als Teil des Orchesters, lange Stille, musikalische Gags und endlos anhaltende Einzelnoten" - das klingt doch progressiv, oder?

    © des Fotos: enniomorricone.org

    Ennio Morricone dirigiert "The Good…" (YouTube)

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    Absage Chor Christoph Firmenich Ennio Morricone Filmmusik Konzert O.S.T. Oberhausen Orchester
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    Christoph Firmenich

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    1 Kommentar

    1. Martin Dambeck on 7. April 2015 23:46

      Ja, es war ein denkwürdiger Abend, denn so häufig wird man nicht mehr die Gelegenheit haben, den Maestro live zu erleben. Doch insgesamt gab es durchaus auch Schwächen. Zwei Beispiele: Die Darbietung der Filmmusik aus ‘The Mission’, sicherlich eines seiner besten Werke, wirkte doch sehr komprimiert. Da hat Morricone schon eine bessere Version abgeliefert. Und warum gab es bei den Zugaben Wiederholungen schon gespielter Stücke. Doch insgesamt ein schöner Abend.

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