(35:56, CD, Digital, Disorder Recordings, 2021) Der Lockdown hat bei manchem Musiker so manche Kreativitäten freigelegt. Der Drummer von Wolvehammer und Across Tundras, Heath Rave, initiierte kurzerhand ein Soloprojekt, dem er sich in den ungewissen Zeiten voll und ganz widmen konnte und das zum Katalysator all seiner Ideen wurde. So ist „Lovers In Wartime“ dann auch ein Auffangbecken für alles seine musikalischen Vorlieben und Ideen, präsentiert sich hier doch ein Crossover aus sprödem Post-Metal, Ambient, Semi-Jazz und Gothic. Die jazzigen Komponenten kommen hierbei von Saxophonist Bruce Lamont (Yakuza), das irrwitzige Gitarrensolo auf ‚The Quarry‘ von Andy Schoengrund (Coagulate). Hinsichtlich ergiebiger…
Autor: Carsten Agthe
(43:10, CD, Vinyl, Digital, Mute/PIAS, 2021) Zwar wirkt das Album-Artwork wie das Konterfei zu einem Rollenspiel mit Abenteuercharakter, was bei Liars-Frontmann Angus Andrew aber nichts zu bedeuten hat. Seit nunmehr zehn Alben heißt hier die Devise – rein in die Kartoffeln (d.h.: Rekrutieren diverser Musiker für eine Band), raus aus den Kartoffeln (die Reduzierung auf eine solistische Schaffensphase). So ist das mittlerweile zehnte Liars-Album, nach den beiden eher solistisch geprägten Longplayern „TFCF“ sowie „Titles with The Word Fountain“, ein auf Bandbasis beruhender Longplayer, holte sich Andrew hierfür doch mit dem Jazz-Drummer Laurence Pike, dem Multiinstrumentalisten Cameron Deyell sowie der Texterin…
(22:33, Digital, Eigenvertrieb, 2021) Merkwürdigerweise versucht mittlerweile eine Reihe von Bands, den ersten Eindruck ihrer Musik via einer EP zu vermitteln – als ob ein komplettes Album dafür schon zu viel des Guten wäre. Eventuell haben auch Lesotho, die eben nicht aus dem afrikanischen Binnenstaat sondern aus Boston kommen und sich erst im letzten Jahr gegründet haben, nicht genügend Material für ein komplettes Album, so dass ein 4-Track Format an dieser Stelle durchaus Sinn macht. Jedenfalls braucht sich der Dreier um Gitarrist Kyle Loffredo mit „Summer Wars“ hinter Nichts und Niemandem zu verstecken, krachen Lesotho doch mit ihrem postrockmetallischen Sound…
(44:20, CD-r, Digital, Sound In Silence, 2021) Elektronische Schöngeister im zeitlosen Gewand. Auch auf seinem zweiten Album als Western Edge hangelt sich Richard Adams völlig unaufgeregt durch ambiente Soundscapes, minimale Technobubbles und Lo-Fi Electronica – immer angenehm pulsierend, immer sanft fließend. Dass „Dependency“ unaufdringlich nach Neunzigern klingt, als sich diese Branche im Aufbruch befand und mit Acts wie Aphex Twin, Autechre, Boards Of Canada, Black Dog oder B12 aufwartete, macht das Album nur noch sympathischer und interessanter. Adams, der auch in Projekten wie Memory Drawings, Northern Exchange und Great Panoptique Winter für wohlig anheimelnde Klangflächen sorgt, schafft hierbei das Kunststück,…
(66:33, CD-r, Digital, Sound In Silence, 2021) Jon Attwood aka Yellow6 kann auf einen beträchtlichen Backkatalog zurückblicken, der sich in den letzten zwanzig Jahren emsigen Musizierens angesammelt hat. Vor allem mit seiner „Archives“-Serie schaufelte er eine Menge Material auf seinen ohnehin schon reichhaltigen Output oben drauf, so dass der geneigte und vor allem auch interessierte Hörer eine Menge Zeit mitbringen muss, sollte er sich durch diesen Wust an vor allem instrumentalen Stillleben hindurch hörenwollen. Zwischen den beiden eher elektronisch und dezent beatlastigen Veröffentlichungen „For The First And The Last“ sowie „Enraptured“ passt dann aber immer noch eine Veröffentlichung, die geradezu…
(35:59, CD, Vinyl, Digital, All Good Clean Records, 2021) Auch die Flat Earth Riders haben ‚members all around the globe‘. Wohl auch ein Grund dafür, dass alles auf diesem Debüt glatt und rund läuft. Frisch aus der Garage des gut abgehangenen Doom’n Stonerrock kommen Suncraft mit ihrem fulminanten Albumdebüt – das Chrom blitzt, die Maschinen sind geölt. So kommt „The Flat Earth Rider“ dann auch ziemlich schnell voran, was vor allem daran liegt, dass man mächtig Gas gibt beziehungsweise auf die Tube drückt. Nachfolgender „Space Buddha“, der auch die erste Singleauskopplung darstellte, gibt sich, ähnlich dem Opener, überhaupt nicht so…
(51:20, CD, LP, digital, Les Productions du Vendredi, 2021) Free-Jazz ist das neue Cool. Das dachte ich auch mal, als ich in trüben 80er Jahre Wintertagen durch Dresden stapfte, um im Jazzclub meines Vertrauens (damals „Die Tonne“) den beschaulichen Weisen von begnadeten Musikern wie Günther ‚Baby‘ Sommer und Dietmar Diesner zu lauschen, die im Erbsenregen auf Sommers Snare gipfelten, während Diesners Saxophonstakkato versuchte, die Mauern von Jericho noch einmal zum Einsturz zu bringen. Was uns nun übergangslos zu Edredon Sensible bringt, einem Quartett aus dem beschaulichen Toulouse, was nicht im Entfernesten daran denkt, sich den Vorgaben im Bandnamen irgendwie anzunähern.…
(42:31, CD, Vinyl, Digital, Prophecy Productions/Soulfood, 2021) Hier werden wieder Klangkathedralen herbeigezaubert, als wenn das ein Leichtes wäre. Für 鬼 sicherlich schon irgendwie, klang der kanadische Musiker mit seinem Soloprojekt doch noch nie so einschmeichelnd und mit sich im Reinen. Sicher sind da hier und da noch die bekannten und bestätigten Screaming-Attacken, die den Blackgaze von sich aus auszeichnen. Aber eben im überschaubaren Rahmen, wie beispielsweise im mächtigen ‚Funeral Pyre‘. Dafür drückt ‚Cherish‘ mächtig auf die Tränendrüsen bei jenen, die mit herzergreifender Melancholie nicht so viel übrighaben. Tracks wie ‚Autumn Everley‘ oder mit seinen knapp zehn Minuten der ‚Beautiful Ghost‘…
(60:04, CD, Vinyl, Digital, Erased Tapes/Indigo, 2021) Von der Großstadt zurück aufs Land. Von Berlin, wo Masayoshi Fujita dreizehn Jahre lang lebte und wirkte, ins japanische Bergdorf Kami-chô. Und eben diese Ruhe und Ausgeglichenheit, die ihn hier empfangen hat, ist nun auch auf seinem aktuellen Album präsent. Und das, obwohl „Bird Ambience“ eigentlich noch zu großen Teilen in Berlin entstanden ist. Das Vibraphon, Fujitas bisheriges Hauptinstrument, das vor allem seine letzte Albumtrilogie „Stories“, „Apologues“ und „Book Of Life“ prägte, tauschte er gegen die ähnlich zu spielende Marimba ein, die jedoch ein reichhaltigeres Klangspektrum vorweisen kann. Hiermit entwarf er nicht nur…
(51:28, CD, Vinyl, Digital, Prophecy Productions/Soulfood, 2021) Mit der kollabierenden Power des Black Metals spielen Lantlôs auf ihrem fünften (!) Album dann doch die schönsten Popsongs, seit es eben so etwas wie Black Metal gibt. Ganze sieben Jahre nach dem epochalen Werk „Melting Sun“, auf dem sich Schlagzeuger Felix Wylezik empfahl und das vorher nur von Multiinstrumentalist Markus Siegenhort geleitete Einmannensemble zum Duo aufpimpte, kommt Lantlôs einmal mehr mit einer dezenten Kurskorrektur. Wildhund by Lantlôs Ausufernde Longtracks sowie Extrem-Vocals gehören der Vergangenheit an, das einzige Relikt aus vergangenen Tagen sind die blackmetallisch lärmenden Gitarren, die den Songs, und hierbei handelt…
(36:11, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2014/2021) Wieder einmal beglückt uns das emsige australische Label Bird’s Robe anlässlich seines zehnjährigen Bestehens mit einer raren Perle aus seinem Programm, die nun zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit außerhalb Down Under zugänglich gemacht werden soll. 2014 veröffentlichte nämlich eine reichlich obskure Band namens Troldhaugen ebenda ihren nicht minder obskuren Tonträger „Obzkure Anekdotez For Maniakal Massez“. Und sorgte für offene Münder, ungläubiges Kopfschütteln und reihenweise Einlieferungen in die Geschlossene. OBZKURE ANEKDOTEZ FOR MANIAKAL MASSEZ by Troldhaugen Auf gerade einmal 36 Minuten kredenzte man einen wahrhaft abenteuerlichen Mix aus Heavy-, Speed-, Black-, Prog- und…
(33:59, CD, Vinyl, Digital, Voices Of Wonder/Soulfood, 2021) Nach langen Jahren der Stille scheint es jetzt Schlag auf Schlag zu gehen, kommt doch noch nicht einmal zwei Jahre nach dem Comeback-Album „Napkin Poetry“ mit „The Universe Would Have To Adjust“ der fulminante Nachfolger. Gitarrist Jon Arild Nupen-Stieng hat die Band verlassen, seinen Posten übernahm kurzerhand Produzent Roar Nilsen, womit das Quintett nun wieder vollständig ist. Ganze zwanzig Jahre nach ihrem fulminanten Debüt „Walking Home From Nicole’s“ kommen Minor Majority mit ihrem ebenso fulminanten achten Album, auf dem uns Sänger und Bandleader Pǻl Angelskǻr wieder zum Sterben schöne Songs offenbart, die…
(47:28, CD, Digital, (Vinyl via Dunk! Records), Art As Catharsis, 2021) „Chassm are a forward thinking post-metal duo, who balance progressive compositions with bleak, creative riff work drawing from post-rock, sludge, doom, and black metal.“ Soweit zur bandinternen Beschreibung und der eigenen - voll und ganz berechtigten - Hybris. Da Chassm als Duo eine beeindruckende Energie vom Stapel lassen, die das Genre schon mal atemlos zurücklässt. In der recht überschaubaren Besetzung Gesang/Gitarre und Schlagzeug rollen die Aussies das Feld einfach von hinten auf und nehmen eventuelle Kollateralschäden leichtsinnig in Kauf. https://www.youtube.com/watch?v=xftjNpWN3Ug Aus der Harshness von Mastodon, dem Post-Metal von Russian…
(35:23, CD, Vinyl, Digital, Interstellar Smoke Records, 2021) Da möchte man gleich mal die Line vom Juke Cove Hero weiterverfolgen. Mit gehörig Schub und Energie walzen sich die Leipziger durch ihr zweites Album, das sich sowohl im Hardcore wie auch im Stoner Rock zu Hause fühlt. Das Trio hat gleichwohl seine Hausaufgaben gemacht und verbindet in überaus authentischer Art und Weise die Sabbath’schen Seventies mit den stonerrockenden Neunzigern. Nicht ohne sich jedoch berufen zu fühlen, auch noch weiter nach vorn zu preschen. Und das ‚Preschen‘ ist dann auch die effektivste Beschreibung für das, was uns auf „Remedy“ erwartet. Remedy by…
(30:29, CD, Digital, CH!MP Records, 2021) Nun möchte man wirklich wissen, was dieser Darren Smallman alles so raucht. In seiner Heimatstadt Coria Bay im schönen australischen Bundesstaat Victoria geht er mit Sicherheit als Hans Dampf in allen Gassen durch, spielte schon in Bands wie Battle Worldwide, Warped, The Sound Platform und The Vinyl Creatures und versuchte sich auch als Labelboss (Low Transit Industries). Mit Dez Dare erfindet sich der umtriebige Musiker zwar nicht unbedingt neu, setzt aber seiner Karriere mit Schmackes noch einen drauf. Der „Hairline Ego Trip“ klingt, als würde Iggy Pop fröhliche Urständ mit Black Sabbath feiern –…
(45:25, Digital, Eigenveröffentlichung, 2021) „Vodälse“, „Lifande“, „Dauota“ – Geburt, Leben, Tod. LEVT nehmen sich im zweiten Teil ihrer Albumtrilogie der Zyklen des Lebens an und stehen mit „Lifande“ nun mittendrin, im Leben. Dabei agiert man eher im Verborgenen und lässt einen hinsichtlich Besetzung im Dunkel. Weil das Wichtigste hiermit gesagt ist – mit der Musik, die eben dort angesiedelt ist, wo der Postrock am höchsten zu jubilieren vermag. Die Tracks, die natürlich, wie in diesem Genre hauptsächlich üblich, in Instrumental (+ Samples) kommen, bewegen sich, bis auf eine Ausnahme, in den Regionen um die zehn Minuten, ein Umstand,…
(40:46, CD, Vinyl, Digital, Ninja Tune/Rough Trade, 2021) Das sind sie also, die jungen britischen Bands wie Squid, Black Midi und eben Black Country, New Road, die so etwas (und das im wahrsten Sinn des Wortes) frischen Wind in die antiquierten Popstrukturen des British Empire bringen und dem Brexit damit auf ihre Art den Marsch blasen. Weil eben diese Bands anecken, sperrig sind und man sich die Intentionen hinter der Musik erst einmal eschließen muss. Nach ein paar Singles kommt mit „For The First Time“ nun also das Debüt des Londoner Septetts, das neben den vier schon veröffentlichten Songs auch…
(35:51, CD, Digital, Smoking Witches Records/Interstellar Smoke Records, 2020) Der Name ist hierbei mit Sicherheit Programm, walzen sich Occult Hand Order doch mit brachialer Gewalt und bleierner Schwere durch ihr Debütalbum. Die Parallelen zu Black Sabbath sind hierbei sicherlich nicht zufällig – mächtige Riffbreitseiten prallen auf schwarzmalerische Themen, wobei hier einmal mehr bestätigt wird, wie zeitlos derart zeitlose Mugge eigentlich ist. Mit der zentnerschweren SlowMo-Nummer „Azarel“ startet das Lyoner Trio zehnminütig und reichlich überambitioniert ins metallische Geschehen, wobei der Track trotz aller Heavyness überaus transparent und kristallin erscheint, da sich die Band hier Freiräume schafft und dadurch eine immense Spannung…
(46:53, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2015/2021) Weiter geht’s mit den Re-Release-Offerten des umtriebigen australischen Labels Bird’s Robe . Mit dem 2014 erschienenen Debüt-Langspieler des Sydney-basierten Trios Captain Kickarse And The Awesomes kommt dann auch wieder etwas ganz Besonderes in dem an Besonderheiten überaus reichen Backprogramm des Labels. Zwar blieb „Grim Repercussions“ das bis dato einzige Album der Band, umso mehr ist es von Wichtigkeit, dass es sich bei denjenigen Gehör verschafft, an denen es bisher komplett vorbeigegangen ist. Der Captain und seine Awesomes kommen auf dem Album .... "…which showcases their signature blend of math, prog and psychedelic rock…
(38:28, CD, Vinyl, Digital, Off Label Records/Brokensilence, 2021) „Greetings from…“, ja, an dieser Stelle aus Augsburg, wo die Ozeanwellen schlagen an den Strand und die Surfer laufen durch den Sand. Zugegeben, der war so richtig schlecht, passt aber zu unserem San Antonio Kid, bei dem der Verdacht aufkommt, dass es nicht so richtig weiß, was es hier soll, in Augsburg. Mit Gitarren, die den passenden Twang in Richtung Surfparadies besitzen, und mit einer hitzemäßig entsprechend aufgeladenen Aura fühlen sich die Augsburger an den Stränden von San Francisco oder der Byron Bay viel eher daheim und besser aufgehoben. Lässig flaniert man…