(39:11, CD, Vinyl, Digital, Atypeek Music/Falls Avalanche Records, 2021) Steel your nerves? Naja, nicht ganz. Obwohl Mona Kazu einem schon ein wenig Aufmerksamkeit abverlangt. Der Zweier aus Sängerin Priscille Roy und Gitarrist Franck Lafay, der durch Schlagzeuger Régïs Boulard Unterstützung erfährt, packt den Dark Wave von Acts wie den Cocteau Twins bei seiner traurigsten Seite und vermengt ihn mit postrockenden und elektronischen Extravaganzen. Womit Mona Kazu irgendwie doch den ganz eigenen endemischen Zustand kreiert. Was mit „Steel Your Nerves“, dem immerhin schon dritten Album des Projekts aus der französischen Bourgogne, bislang wohl am effektivsten gelang. Priscille präsentiert sich dabei als…
Autor: Carsten Agthe
(25:31, CD, Vinyl, Digital, Bird’s Robe Records, 2021) Nach dem Re-Release des Debütalbums „First Temple“ folgt nun das erste tonale Lebenszeichen der Band aus Melbourne. Die EP „The Penance And The Patience“ erschien 2008 und wird nun von Bird’s Robe Recordswiederbelebt. Zum ersten Mal auf Vinyl und natürlich im Zuge des letztjährigen zehnten Jubiläums des umtriebigen australischen Labels. The Penance and the Patience by Closure In Moscow Hochmotiviert startete man einst dann auch in das rockmusikalische Geschehen und derweil die Produktion einschlug wie die sprichwörtliche Bombe sah sich die Band mit unzähligen Konzertangeboten aus Australien und auch aus Übersee konfrontiert,…
(14:48, Digital, Eigenveröffentlichung, 2021) "The Omega Point" gibt schon, wie auch die vorangegangenen EPs "Stellar Sense" und "Breach", einen Ausblick auf das in Bälde zu erwartende neue Album der russischen Post Rocker So Far As I Know. Auch das neue Kurz-Format wartet wieder mit drei Tracks auf, die ein wenig elektronischer gerieten, aber sonst auch wieder mit dem fast schon unvergleichlichen Klangspektrum der Band um Sergej Gruselnikov aufwarten. Der Titeltrack ist schon mal ein himmelhochjauchzendes, großkalibriges Instrumental, das, so far as I know, in die Höhe schießt, 'Noogenesis' beginnt mit elektronischem Geblubber, ehe eine Breitseite an Gitarren ein weit ausladendes…
(48:33, CD, Vinyl, Digital, Nashardaa Records/Broken Silence, 2021) Sind No God Only Teeth zu stark, bist Du zu schwach. Oder einfach nichts Gutes mehr gewohnt. Das Debüt der Hamburger gerät für Uneingeweihte und Nichtbereite wahrlich als Chinesische Tropfenfolter. Mittels Female Grunts & Growls (was man in diesem Metier tatsächlich nicht alle Tage hat) werden die direkt aus der Hölle zu kommen scheinenden Sludge-Attacken noch tiefer in den Mutterboden hineingestampft, so dass ein Entrinnen vor dieser (gewollten) Tortur dann auch nicht mehr möglich ist. Die sieben Tracks von „Placenta“ rangieren von überschaubaren fünf bis semi-epischen neun Minuten (dezente Lieblichkeiten wie ‚Gegenlicht‘…
(34:25, CD, Digital; Mon Petit Canard (= Eigenveröffentlichung)/RecordJet, 2022) Saitün nehmen uns mit. Mit auf einen Trip, der 700 v. Chr. seinen Anfang nahm. Hier nämlich veröffentlichte der Lyriker Abdul Alhazred sein Werk „Al' Azif“ – das Buch vom Summen – dem Summen der Wüstendämonen. Nun ist es so, dass dieser Abdul Alhazred seit dieser Zeit verschwunden ist. Beziehungsweise eigentlich nie existierte. Sondern ein Pseudonym des Kultautors H.P. Lovecraft war. Und hier kommen Saitün ins Spiel, die jetzt all diesen Fabeln und Legenden musikalisches Leben einhauchen. Die vier Basler dringen mit ihrem Debüt ganz tief ein in das Reich des…
(60:00, CDr, Digital, Sound In Silence, 2021) Mit seinem aktuellen, werweißwievieltem Album, aber immerhin dem zweiten für ‚Sound In Silence‘, präsentiert Paw Grabowski aka øjeRum zwei Dark Ambient’n Drone Brocken, die es auf jeweils exakt dreißig Minuten bringen. Solcherart Ausmaße haben dann auch etwas Gutes, braucht man sich doch dann nicht zu beeilen, in den hierfür benötigten Modus über zu wechseln. Sondern kann die Transformation entspannt angehen. Hineingleiten ist hierbei sicherlich die geeignete Umschreibung für das, was mit dieser Musik breitflächig angestrebt wird - und begünstigt. Støvfald by øjeRum Zuerst ist da ‚Skybrud‘, ein eher pulsierender denn statischer Monolith, der…
(42:51, CDr, Digital, Sound In Silence, 2021) Die Tracks des dritten Julien Demoulin-Sololongplayers tragen Titel wie ‚Dissolving In Silence‘, ‚Moon Still‘ und ‚A Loss For Words‘. Und das ist eben das, auf was man sich bei „Everything Forgotten, Everything Remembered“ einstellen sollte. Nämlich auf Ambient-Scapes am Rande zu absoluter Stille. Everything Forgotten, Everything Remembered by julien demoulin Der heute von Belgien aus agierende französische Musiker, der auch in diversen anderen Projekten wie Pandorama und Silencio gleichen Intensionen nachgeht und jeweils mehr als nur eine Handvoll an Releases vorzuweisen hat, kreiert auf seinem aktuellen Solowerk warm pulsierenden Ambient am Scheideweg zum…
(32:35, CD, Vinyl, Digital, Tonzonen Records/Soulfood, 2022) ‚Klaatu barada nikto‘. Wir kommen in Frieden. Die künstliche Intelligenz vom Planeten ‚Zwei‘ schickt sich an, uns mit seinen aus Nullen und Einsen bestehenden glückseligmachenden Soundmodulen in Erstaunen zu versetzen. Trotz aller zukunftsweisenden Vorzüge dieser Konstellation – KI, Weltraumflüge, Zeitreisen – nehmen uns Einseinseins via Zeitreise eben doch zurück in die Vergangenheit, zu einstig aufspielenden Vorwärtsdenkern wie Kraftwerk, La Düsseldorf und Tyndall, wo aber statt bunter Effekte alles überstrahlt ist mit ‚Neonlicht, schimmerndes Neonlicht‘. Zwei by Einseinseins Mit ‚Graf Zahl‘ gibt es, passend zum Thema, den unverzichtbaren Countdown, der uns dieses Mal nicht…
(34:03, CD, Vinyl, Digital, Noisolution/edel, 2022) „Burn To Boogie“ ist aus einer - im wahrsten Sinn des Wortes - ‚Schnapsidee‘ von Travelin Jack Steve Burner und Samsara Blues Experimentator Richard Behrens entstanden. Der von ihnen gewählte Projektname Silvershark bürgt ab jetzt für Qualität, gar für den neuen Partyspaß-Gold-Standard der Generation Stoner. Mit einer Reihe von Gleichgesinnten, darunter Elder-Frontmann Nick DiSalvo, VUG-Sänger Felix Scholl sowie der Bläsersektion von Coogans Bluff plus Members of Wucan (lovely Fran, d. Schlussred.), Heat und S.U.G.A.R. veröffentlicht der Silvershark im tiefsten Winter eben mal so die definitive Platte für den nächsten Sommer (Sowas von, Brudi! Sagt…
(45:28, Vinyl, Digital, Sulatron Records/Broken Silence, 2022) Zum ersten Mal auf Vinyl! Sulatron veröffentlicht den '95er Farflung-Überflieger (im wahrsten Sinn des Wortes) „25000 Feet Per Second“ nun auf Platte und alle Spaceheads sind überglücklich. Hier trickste man noch in echt und Technicolor – ganz ohne doppelten Boden. Es ist alles so schön bunt hier, die Space-Effekte wirken wie aus der Trickkiste von Ed Wood und überhaupt wirkt alles mehr wie Hawkwind (Lemmy-Phase!) als wie halluzinogenes Dauerkoma. 25,000 Feet Per Second by Farflung So klingen die Gitarren nach Garage, der Bass matscht dreckig und der Schub kommt von der diesem Sound…
(37:56, Vinyl, Digital, Blues For The Red Sun/Soulfood, 2021) Der Name steht dieses Mal tatsächlich für das hier zu Erwartende. Das Quintett, das sich aus dem ländlichen Norwegen auf nach Oslo gemacht hat (der Hauptstadtbonus!) macht eben White Trash Blues. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Garagentore stehen dabei speerangelweit offen, damit der Wumms der Amps eben nur minimalen Schaden anrichten kann. „We Got Time To Waste“ ist Musik, zu der sich prima Headbangen, Party machen und Biertrinken lässt. Was sicherlich die bevorzugten Tätigkeitsgebiete für eine sinnvolle Wochenendbeschäftigung sind. Hier werden Heroen wie MC5 oder The Stooges wiederbelebt…
(44:47, CD, Vinyl, Digital, Tape, Eigenveröffentlichung, 2021) Die Betonung hat hier wohl auf ‚…solo pieces‘ zu liegen. Denn wer sollte sich zusammen mit dem Macher auf einen Trip durchs Sonnensystem begeben, von dem man nicht weiß, ob er positive oder eher negative Erfahrungen mit sich bringt. Mola Moray aka Martin Rieben (Leipzig) ist eigen, ist sehr speziell. Und sein Album wurde ‚recorded during a deep phase of depression in 2020‘. Spätestens hier sollte man stutzig werden und erkennen, dass die „Improvisations From The Solar System“ eben keinen positiven Trip mit sich bringen. Mag man noch im Opener ‚Intro (A Gentle…
(61:58, CD, Vinyl, Digital, The Bird’s Robe Collective, 2011/2021) Die Rachmaninovs des Postrock feiern das Zehnjährige ihres fulminanten Debüts „Deaden The Fields“. Und da das Label der Band Bird's Robe Records ebenfalls schon zehn Jahre auf dem Buckel hat und auf Grund dieses Vorfalls nach und nach (fast) den gesamten Label-Katalog wiederveröffentlicht, wobei hier auch Werke zum ersten Mal auf Vinyl erscheinen, war ein Rerelease dieser Schönheit sogar doppelt notwendig. Deaden the Fields by Tangled Thoughts of Leaving ‚Their 2011 debut ‚Deaden The Fields‘ presents as a love letter to prog, jazz and postrock…‘ verkündet der Waschzettel zum Album pathetisch,…
(48:05, CD, Vinyl, Digital, Village Slut, 2021) Es hätte tatsächlich etwas ganz, ganz Großes aus der Band von ex-Megadeath-Gitarrist Chris Poland und David Judson Clemmons (Gitarre, Gesang, Kompositionen) werden können. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum von 1993 schlug ein, wie die sprichwörtliche Bombe und sicherte der Band gar einen Support-Slot für Dream Theater bei deren Europa Tournee, während der man vollends überzeugen konnte und dem Top Act auch hin und wieder elegant die Show stahl. Nur war 1994 Schluss, die Band zerstreute sich in alle Winde und jeder Musiker machte sein Ding. Was blieb, war das Debüt-Album, das vom A&M Label aber…
(28:33, CD, Vinyl, Digital, Narshardaa Records/Broken Silence, 2021) Kavrila hecheln sich auf ihrem zweiten Fulltimer (wenn man „Mor“ denn so zählen und nennen möchte) in 28 Minuten durch ganze zehn Tracks, die dann jeweils nach Adam Riese knapp zwei Minuten auf dem Kerbholz haben. Nach den beiden EPs „Ritual I“, „Ritual II“ und "Rituals III (sowie dem 2017er ‚Album‘ „Blight“) möchte man dann auch hier ganz schnell fertig werden. Und was soll man sich da auch lange mit Vorreden oder einem längeren Verweilen aufhalten. Mor by KAVRILA „Mor“ knallt direkt auf den Punkt beziehungsweise die Zwölf und ehe man es…
(34:38, CD, Vinyl, Digital, Kapitän Platte/Cargo, 2021) Die Meister der gehobenen EP (mit den beiden hier Erwähnung findenden „Skimmer“ sowie „Vemod“ immerhin insgesamt elf!) fassen die letzten beiden in diesem Format veröffentlichten nun zu einem größeren Ganzen zusammen. So erscheint der Dreier „Skimmer“ vom Juni letzten Jahres (hier nur als digitales Release erhältlich) zusammen mit dem brandneuen Drei-Track-Opus „Vemod“ als Platte und CD. Was der Sache nur dienlich und gerecht ist. Hier zeigen die Schweden (nein, Orsak:Oslo sind eben keine Norweger, auch wenn man die Hauptstadt von Fjordland im Namen trägt), dass sie Meister des lässig aufspielenden Kraut’n Postrock sind.…
(58:35, CD, Digital, Bird’s Robe Records, 2017/2021) Weiter geht’s mit der ‚10th anniversary series‘ von The Bird’s Robe Collective. Und da Echotides zweites Album 2017 veröffentlicht wurde, gibt es hier gleich ein doppeltes Jubiläum zu zelebrieren. Nun ist das Trio aus dem australischen Brisbane das größte Kino, seit es Cinematic Postrock from Down Under gibt. Die Tracks beziehungsweise großkalibrigen Exkurse in Soundbildern bewegen sich in Dimensionen von acht bis zehn Minuten, nur das impulsive ‚Her Back To The Sun‘ geriet mit sechs Minuten etwas überschaubarer und könnte demnach als Singleauskopplung von „Into The Half Light“ festgemacht werden. Wenn es denn…
(50:34, CD, Vinyl, Digital, Artoffact/Membran, 2021) Das muss man sich erst einmal geben. Eine russische Band, die ins ukrainische Kiew übersiedelte, später nach Estland umzieht und ihre Texte in Finnisch interpretiert. Bei Kauan scheint alles möglich. Begeisterten die Wahl-Esten in diesem Jahr schon mit ihrem Statement in eiskaltem Postrock’n Metal „Ice Fleet“, auf das sich alle einigen konnten, gibt es nun einen Live-Mitschnitt ihrer Komplettaufführung des ‚Frühwerks‘ „Sorni Nai“. Zieht man in Betracht, dass dieses 2015 erschien, die Anfänge der 2005 gegründeten Kauan aber im 2007er Debütalbum „Lumikuuro“ begründet liegen, hinkt der Begriff ‚Frühwerk‘ allerdings ein wenig. Sorni Nai Live…
(69:56, Vinyl/CDr/Digital, Sound In Silence/Norman Records, 2021) Hier wird es ganz, ganz still. In kaum wahrnehmbaren Ausschlägen zelebriert Jason Sweeney aka Panoptique Electrical eine Werkschau von wahrhaft stillen Stillleben, die eine Spanne von zwanzig Jahren, also fast eine komplette Karriere umfassen. Die ein- bis vierminütigen, manchmal mit Piano und Cello unterstützen, manchmal aber auch nur für sich alleinstehenden Drones hätten das Potential, großflächig ausgewalzt zu werden. So enthält die Compilation ganze 31 von eben diesen Kleinoden, was die „Decades“ zu einer siebzigminütigen Klangreise macht. Obwohl relativ knapp in ihrer zeitlichen Ausdehnung bemessen, da hier eben noch viel Platz im vierdimensionalen…
(41:44, CDr/Digital, Eigenveröffentlichung, 2021) Devin Powers vom Berklee College Of Music scheint auch anderweitig mächtig ausgelastet zu sein. Nicht nur, dass der Musiker mit SineRider die entspannendste Sache vorlegt, seit es Ambient gibt, er ist nebenbei auch als sein Alter Ego Senseed, Hooting Everywhere, Reanu Keeves und Bleepy Bloopy unterwegs sowie in den Projekten Introspecter und Lakewaves teilzeitig eingespannt. Seine, den zahlreichen bisher getätigten Veröffentlichungen zufolge, ausgiebigste Passion gehört aber SineRider als seinem wohl wichtigsten Projekt. Als das er mit „A Familiar Light“ eine weitere Probe seines minimalistischen Könnens abliefert. In den elf hier zu hörenden Kleinodien tätigt er einen…