
Funk Metal • Progressive Rock • Alternative Rock • Crossover
(18:12; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung/ATO Records; 15.05.2026/22.06.2026)
Primus machen wieder Primus-Dinge. Diesmal allerdings mit neuem Schlagzeuger. Denn nachdem Tim Alexander 2024 bereits zum dritten Mal das Weite gesucht hat – irgendwann wird daraus vermutlich ein eigenes Konzeptalbum – sitzt nun John Hoffman – den man im Rahmen des Primus Interstellar Drum Derby für die Band gecastet hat – hinter der Schießbude. "A Handful Of Nuggs" ist damit nicht nur eine überraschend unangekündigt veröffentlichte EP, sondern auch der erste Vorbote der anstehenden Nordamerika- und Europa-Tournee und des für nächstes Jahr angekündigten zehnten Studioalbums. Und das ausgerechnet zwei Wochen nach der jüngsten Claypool-Lennon-Veröffentlichung "The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Sympathy". Les Claypool scheint derzeit also ungefähr so viel Freizeit zu besitzen wie ein Festivaltoilettenreiniger am dritten Wacken-Tag.
Wirklich neu ist auf der EP allerdings nur bedingt etwas. Zumindest 'The Ol’ Grizz' klingt wie ein Hybrid aus 'Lee Van Cleef' und Claypools 'Boonville Stomp'. Also genau nach jener Art schrägem Funk-Crossover-Wahnsinn, den Primus seit Jahrzehnten kultivieren wie andere Leute ihren Sauerteig. Überraschungen bleiben dabei weitgehend aus, aber dieser herrlich bekloppte Charme funktioniert eben noch immer.
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Die eigentliche Kuriosität folgt mit dem Dio-Cover 'Holy Diver'. Und ja: Primus covern tatsächlich Dio, was zunächst ungefähr so plausibel wirkt wie ein gemeinsames Kochbuch von Cannibal Corpse und Jamie Oliver. Erstaunlicherweise bleibt der Song dabei relativ nah am Original, bekommt durch Claypools penetrant nach vorne gemischten Bass aber trotzdem seine ganz eigene Schlagseite. Am Mikro steht zudem nicht Claypool selbst, sondern Clown, Sänger und Entertainer Puddles Pity Party alias Michael Geier, dessen theatralische Stimme perfekt zwischen Pathos und Fremdscham pendelt.
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Dazu gesellen sich mit dem bereits bekannten Puscifer-Kollabo-Track 'Little Lord Fentanyl' – da haben sich wirklich zwei Bands gefunden – sowie einer live in Philadelphia aufgenommenen Version von 'Duchess' noch zwei weitere Stücke, die die EP angenehm kurzweilig halten. Vor allem letzteres verbreitet mit seinem herrlich verschobenen Offbeat-Rhythmus zum Abschluss noch einmal diese typischen positiven Vibrations, die Primus trotz aller Skurrilität seit jeher auszeichnen.
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Unterm Strich ist "A Handful Of Nuggs" weniger große Kunstoffensive als sympathischer Zwischenhappen für die anstehende Tour und das kommende Album. Nicht essenziell. Aber eben Primus. Und Primus bleiben eine jener Bands, bei denen selbst der kontrollierte Unsinn meist unterhaltsamer ist als der komplette Ernst vieler anderer Gruppen.
Bewertung: 10/15 Punkten
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Besetzung:
• Les Claypool - Instrument
• Larry "Ler" LaLonde - Instrument
• John "Hoffer" Hoffman - Instrument
Gastmusiker:
• Puddles Pity Party ('Holy Diver')
• Maynard James Keenan - ('Little Lord Fentanyl')
Surftipps:
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Abbildungen: Primus/Bandcamp.

