
(44:12; Vinyl, CD, Digital; Tonzonen Records/Cargo Records; 27.03.2026)
"Mirage" in der Doppelbetreuung
Teil 1: Marc Colling
Seit zehn Jahren besteht die Freiburger Band um Sängerin Isabelle Bapté und mit "Mirage" erschien kürzlich ihr drittes Album. Deren Stil ist auf den ersten Hör gar nicht so leicht einzuordnen, schwebt er doch dauernd zwischen Blues, Rock, Stoner und Psychedelic hin und her. Auch sprachlich ist man sowohl in Englisch, als auch auf zwei Tracks in Deutsch unterwegs. Abwechslung sollte also auf den fast 45 Minuten garantiert sein, oder?
Nun, die Frage darf man eindeutig mit Ja beantworten. Die neun Songs klingen verschieden, bleiben sich aber in ihrer Grundausrichtung treu, was teils der Stimme von Isabelle Bapté geschuldet ist, sowie der Fuzzgitarre von Jens Stöver. Das geht auch meistens alles gut, ist aber in manchen Passagen auch fragwürdig. Wenn in einem Track wie 'New Direction' die Gitarre plötzlich Westernatmosphäre einstreut, dann wirkt das recht befremdlich. Grundsätzlich aber spielt sich das Album zwischen dem erwähnten Bluesrock mit schleppenden Rhythmen ab. Das dürfte für viele Progger gewöhnungsbedürftig sein, aber nach ein paar Durchgängen ist diese Mélange nicht verkehrt. Überrascht war ich aber über den letzten Track 'Zweierlei' mit seinen fast 7 Minuten. Nicht durch die deutsche Sprache. Es ist die Nähe zu den musikalisch für mich schwierigen Zeiten Anfang der 80er Jahre, als hierzulande die NDW in Mode kam. Als der zweite Track 'Röntgenstrahlen' bereits mit diesen simplen Rhythmen an meine Ohren gelangte, fand ich das noch irgendwie witzig und auch mutig von der Band, auch wegen der Gitarre, die den Track irgendwann rettet. Aber dann noch einmal?
Leicht orientalisch klingt es auf 'Endless Night', auch 'Fata Morgana' knüpft im Orient an, während andere Tracks wie 'Lush' eher nach simplem Rock'n'Roll klingen. Ja, ich erwähnte es ja schon. Abwechslung ist garantiert. Der Nachteil ist aber, dass die Tracks nicht alle zünden und somit kein roter Faden entsteht. Das Album erinnert mich dann an meine letzte Achterbahnfahrt: mal hoch hinauf, aber irgendwann geht es wieder steil runter. Und am Ende war ich froh, dass es vorbei war.....
Bei FB würde ich über meine Beziehung zu diesem Album schreiben: Es ist kompliziert.
Bewertung: 9/15 Punkten
Teil 2: Raphael Lucas Genovese
Sound Of Smoke haben in den zehn Jahren ihres Bestehens bereits eine ordentliche Reise hinter sich. Die Band aus Freiburg ging im Jahr 2016 aus einer Jam-Session hervor, wuchs zwischenzeitlich zum Quintett an und veröffentlichte noch im Folgejahr eine EP. Als 2018 der zweite Gitarrist die Band wieder verließ, waren Sound Of Smoke zurück in ihrer Urbesetzung und damit auch im bis heute bestehenden Line-up unterwegs. Einige Zeit später folgte der große Durchbruch mit dem Labeldeal bei Tonzonen Records und den beiden hochgelobten Alben "Tales" (2022) und "Phases" (2023). Der Senkrechtstart wurde von den Umständen des Lebens etwas abgebremst, und folglich erscheint zum zehnten Gründungsjubiläum nicht etwa das fünfte, sondern erst das dritte Album von Sound Of Smoke.
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Nun sollte aber niemand traurig sein, denn das Warten wurde reichlich belohnt. Nicht nur führen Sound Of Smoke ihren Psychedelic Soul Rock konsequent weiter, sie haben die Zeit zwischen den Releases auch in die intensive Weiterentwicklung ihrer Musik investiert. Mit Einflüssen aus Desert Blues, Mizrahi Music, aber auch Spaghetti-Western verleihen sie dem Klangbild auf "Mirage" ordentlich Würze. Und natürlich kommen auch Blues und Soul auf dieser Psychedelic-Rock-Platte nicht zu kurz.
Abwechslungsreicher und mit ausgereifterem Sound als je zuvor starten Sound Of Smoke ins zweite Jahrzehnt ihrer Bandgeschichte. Und eigentlich gibt es am dritten Langspieler nur zwei wirkliche Kritikpunkte: Zum einen geht der musikalische Wüstensand zu Beginn des zweiten Drittels nicht ganz so leicht runter. Und dann ist da noch die Kehrseite der vielfältigen Songs, die sich nicht ganz zu einem Puzzle zusammensetzen lassen; etwas zu durcheinandergewürfelt und nicht ganz kohäsiv kommt "Mirage" rüber. Das ist wahrhaftig schade, da die Stücke selbst wirklich schön sind und Sound Of Smoke bekanntermaßen eine großartige Liveband sind.
Bewertung: 10/15 Punkten
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Besetzung:
• Isabelle Bapté - Gesang, Flöte, Keyboards, Synthesizer
• Jens Stöver - Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Akustikgitarre
• Florian Kiefer - Bass, Keyboards, Synthesizer
• Johannes Braunstein - Schlagzeug, Percussions
Gastmusiker:
• Johanna Marie Pfab - Geige ('New Direction')
Surftipps:
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Das Promomaterial wurde uns mit freundlicher Unterstützung von Tonzonen Records zur Verfügung gestellt.

