Post Rock • Progressive Rock • Cinematic Rock • Instrumental
(45:49; Vinyl, CD, Digital; earMUSIC/Kontor New Media/;Edel 10.04.2026)
20 Jahre Bandgeschichte – und plötzlich klingt Verzicht wie die spannendste neue Idee im Kosmos von Long Distance Calling. Ausgerechnet jene Band, die ihre Karriere auf ausufernden Spannungsbögen aufgebaut hat, entdeckt den Rotstift.
"The Phantom Void" ist das Resultat: sieben Tracks, kein Gesang, viel Konzept – vor allem aber weniger Umwege. Aufgenommen zwischen Rothenburg, Berlin und Heimstudios, gemastert in Paris und im dritten Anlauf mit demselben Produzenten verfeinert, wirkt hier alles fokussiert bis ins Detail. Man weiß inzwischen ziemlich genau, wann ein Song genug gesagt hat.
Das hört man.
Wer beim Titel allerdings auf eine Fortsetzung der geisterhaften Experimentierfreude der "Ghost"-EP hofft, dürfte schnell eines Besseren belehrt werden. Kein loungiges Abdriften, kein improvisiertes Mäandern, keine musikalische Séance im Landhaus. "The Phantom Void" ist das genaue Gegenteil: durchkomponiert, kontrolliert, zielgerichtet. Was weniger an fehlender Lust auf Experimente liegt, sondern vielmehr an einer komplett anderen Herangehensweise.
Und die zahlt sich aus.
Wo früher noch genüsslich aufgebaut wurde, geht es jetzt direkter zur Sache. Statt langer Anläufe regiert die immer wieder auf den Punkt gebrachte Eskalation – wie etwa in 'The Spiral'. Weniger Geduldsspiel, mehr kalkulierter Druck.
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Und dann ist da noch der Film: Zu den drei Singles hat Regisseur Felix Julian Koch ein übergeordnetes Kurzfilm-Triptychon gedreht, das die Musik auf eine neue, unheilvolle Ebene hebt. Ein Horrorhaus, ein endloser Treppenaufgang, der Protagonist, der sich selbst jagt – irgendwo zwischen "Psycho" und "The Lighthouse", zwischen "A Nightmare On Elm Street" und "Halloween". David Lynch lässt grüßen. Die Clips entfalten zusammen eine narrative, beklemmende Dimension, die die instrumentale Musik von Long Distance Calling mit einer cineastischen Dunkelheit verbindet. Musik und Bild sind hier untrennbar miteinander verflochten; die visuelle Ebene macht das Albumerlebnis nicht nur dichter, sondern auch erschreckend unmittelbar.
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Das ist effizient. Und funktioniert.

Denn Atmosphäre können sie noch immer. Was schon der von dunkler Stimme gesprochene, introartige Opener „Mare“ unmissverständlich klarstellt. Diese Mischung aus Weite und Wucht, die live ganze Hallen in kollektive Andacht versetzt, bleibt erhalten – nur komprimierter und druckvoller. "The Phantom Void" ist kein Live-Ersatz, sondern dessen Essenz.
Die Pointe: Man wartet auf die Überraschung. Und sie kommt nicht.
Und genau das ist die Überraschung.
Das wirkt fast trotzig. Oder einfach souverän. Alles sitzt, alles greift ineinander, alles ist… ziemlich perfekt. Und genau diese kontrollierte Präzision verleiht Tracks wie 'Shattered' oder 'Phantom Void' ihre Wucht.
Unterm Strich kein Neuanfang, sondern Zuspitzung.
Oder anders: Long Distance Calling streichen endlich alles Überflüssige.
Und behalten genau das, was wirkt.
Bewertung: 14/15 Punkten
Tracklist:
- 'Mare' (3:52)
- 'The Spiral' (6:13)
- 'A Secret Place' (6:50)
- 'Nocturnal' (6:36)
- 'Phantom Void' (7:53)
- 'Shattered' (6:07)
- 'Sinister Companion' (8:18)

Besetzung:
• David Jordan - Gitarre
• Jan Hoffmann - Bass
• Janosch Rathmer - Schlagzeug
• Florian Füntmann - Gitarre
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