O.R.k. – Screamnasium

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O.R.k. - Screamnasium (Kscope/Edel, 21.10.2022) COVER(41:33, Digital, CD, LP; Kscope/Edel, 2022)
“The return of the Giant Chris Cornell Weed”. So könnte man die neue Großtat der Redaktionsfavs O.R.k. – mit einem Knicks in Richtung der Soundgarden-Legende (R.I.P.) in einem Satz abfeiern – und abtun. Noch mehr Polarisierung in einem Satz gefällig? Das vierte O.R.k.-Opus verputzt nach des Autoren strunzsubjektiver Meinung das absurd gehypte “Closure/Continuation” mal eben so zum Frühstück.

Warum scheint das so? Vielleicht ja, weil “Screamnasium” mit ‘As I Leave’ und damit mit einer wahren Metal-Hymne für die Dekade beginnt. Die – als Vorab-Auskoppelung – nun schon seit Monaten immer wieder aufs Neue begeistert. Mit einem unvergesslichen Refrain, geradezu teuflischer Eingängigkeit, glaubwürdiger Heaviness, arschtightem Ensemblespiel. Und natürlich mit LEFs Sangesleistung, die hier von der Intensität über Klangfarben bis hin zum demonstrierten (beeindruckenden) Tonumfang tatsächlich schon fast erschreckend an Chris Cornell erinnert.

Aber das bleibt eben nicht alles. Auch wenn zugegeben kein anderer Song hier genau dieses Über-Niveau vom Aufmacher erreicht. Das komplexe, sich permanent wandelnde ‘Unspoken Words’ könnte die ob so viel Eingängigkeit gleich zu Beginn naserümpfenden Prog-Fans zurück ins Boot holen. Der nächste Knaller ist ‘Consequence’, …

“… where LEF spars with Grammy-winning vocal phenom Elisa Toffoli, best known outside her native Italy for her collaboration with the legendary Ennio Morricone on Quentin Tarantino‘s “Django Unchained” soundtrack.”

Und trotz dieses durchaus gelungenen Duetts und Colins großartigem Fretless-Spiel jagt der Song dem Soundgarden-, Temple of the Dog- und Audioslave-Fan einen Schauer nach dem anderen über den Buckel.

Zu ‘I Feel Wrong’ ist dem so ungleichen und doch so blutsbrüderhaft geschlossen aufspielenden Quartett erneut eine fast POPpig-verführerische Hookline eingefallen, die man so schnell nicht wieder loswird. ‘Don’t Call Me A Joke’ lebt von den aufgebauten starken Kontrasten, beispielsweise zwischen dem elaboriertem (Hintergrund-)Satzgesang und Carmelos Splitterspiel.

Im direkten Vergleich mit den Auskoppelungen wirkt das vielteilige, komplexe ‘Hope For The Ordinary’ sogar sperrig. ‘Deadly Bite’ wäre vermutlich harmlos, wäre da nicht Pats Powerhouse Drumming. Mit dem ein wenig unentschlossen wirkenden ‘Something Broke’ (nomen est omen?) verliert “Screamnasium” tatsächlich erstmals ein wenig an Fahrt und Stringenz, voll OK nach der Vollbedienung bis dahin. Nur gut, dass sich mit ‘Lonely Crowd’ ein – nach nachdenklichem Slow Part mit Streichern – wieder teilweise rockiges und vor allem sehr abwechslungsreiches, leidenschaftliches Stück anschließt.

Apropos Streicher, apropos Leidenschaft: O.R.k. hatten immer schon ein unglaublich glückliches Händchen mit ihren geladenen Gästen – man denke etwa an Serj Tankian auf dem wunderbaren ‘Black Blooms’. Der besonders ausgefeilte Album Closer ‘Someone Waits’ wird von Cello-Parts von keiner Geringeren als Jo Quail veredelt.

Man kann “Screamnasium” vermutlich vorwerfen, dass seine ersten vier Minuten (‘As I Leave’) im Folgenden nie auch nur annähernd getoppt werden. Oder man kann sich einfach an einem enorm vielfältigen Opus mit einem Über-Song von titanischem Format freuen.
Bewertung: 12-13/15 Punkten

Line-up:
Lorenzo Esposito Fornasari (LEF) – Vocals
Colin Edwin – Bass
Pat Mastelotto – Drums
Carmelo Pipitone – Guitar

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Konzertbericht O.R.k. (2019)
Interview mit Colin Edwin (2019)
Review “Ramagehead” (2019)
Konzertbericht O.R.k. (2018)
Rezension “Soul Of An Octopus” (2017)
Rezension “Inflamed Rides” (2016)

Abbildungen: Adam Jones (of Tool) and Marvel/DC Comics illustrator Denis Rodier (Artwork) / O.R.k. / Kscope / CMM
Live-Foto (2019): Andrew Ilms

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Über den Autor

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

3 Kommentare

  1. Ja, genau! Klasse Album – wie auch die vorigen drei (man darf sich vor lauter Begesiterung natürlich auch mal verzählen – als Mathematiker weiß ich wovon ich rede), Und dieses Mal ist LEFs Stimme meiner Meinung nach besser abgemischt als bei den letzten CDs. Live singt der Mann das Publikum in Grund und Boden (so unsere Erfahrung …). Aber die Vier kommen ja nächstes Jahr auch live nach Deutschland … … ja, wir werden uns wieder aus den Schuhen singen lassen! (Und meine Frau kriegt wieder ein Foto mit ihrem Lieblingsdrummer).

  2. Einer Strunzsubjektivität scheint gleichsam Professionalität als Hemmschuh inhärent und so ist sie vermutlich dehnbar – ähnlich dem Übergangsmetall Titan, welches als Formatbezeichnung für die Metal-Hymne ›As I Leave‹ Verwendung findet. Einer Beurteilung zuträglicher ist demnach meine unprofessionelle Strunzobjektivität – O.R.k. war mir tatsächlich bislang unbekannt geblieben, was angesichts der wirklich herausragenden Qualität dieser Formation meine Unprofessionalität zur Genüge Beweis führen dürfte. Darum erlaube ich mir die Bemerkung, dass ›Screamnasium‹ vielleicht mit ›Closure/Continuation frühstücken dürfte, es aber nicht zum Abendessen begleiten kann. Denn es passt ganz wunderbar, dass weniger mehr ist (ein zweites ›s‹ verkneife ich mir trotz zweiter Passform) – C/C wurde ›gehypte‹, weil es eine nahezu geniale Reduktion auf das Wesentliche verkörpert und P/P weiß, wie das geht, nicht O.R.k. oder Mars Volta oder wer hier noch gerne dagegen gestellt wird. Einfach neidlos zugestehen, wäre mein unprofessioneller Rat. Euer Onkel Oliver

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O.R.k. – Screamnasium

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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