
Atmospheric Doom Metal • Progressive Doom Metal • Psychedelic Doom • Dark Progressive Rock
(43:09; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 03.07.2026)
Ein Gemälde als Cover einer Platte aus der Schnittmenge Doom, Gothic und Prog? Da klingelt natürlich sofort die Erinnerungsglocke. Ruinen, Verfall, romantische Melancholie – irgendwo im Nebel steht schon Anathemas "The Silent Enigma" und winkt freundlich herüber. Doch TodoMal setzen dem düsteren Bild von Lluís Rigalts "Ruïnes" ein entscheidendes Detail entgegen: Über der verlassen wirkenden Ruine spannt sich ein leuchtend blauer Himmel. Und genau dieser Himmel ist der Schlüssel zu "Graveyards Of Joy".
Denn die dritte Platte des Anglo-Spanischen Projekts ist kein gewöhnliches Doom-Album. TodoMal bauen hier kein weiteres Mausoleum aus tonnenschweren Riffs und ewiger Schwärze, sondern erschaffen ein cineastisches, melancholisches Progressive-Doom-Werk, das erstaunlich viel Licht in seinen Schatten trägt. Der Titel ist Programm: ein Friedhof der Freude. Klingt zunächst nach klassischer Doom-Logik – Grab, Tod, Verzweiflung, bitte einmal alles in Moll. Doch TodoMal drehen die Perspektive. Zwischen den Grabsteinen wachsen Blumen.
Nach den persönlichen Erfahrungen, die in die Entstehung von "Graveyards Of Joy" eingeflossen sind, hätte der Weg problemlos in Richtung völliger Dunkelheit führen können. Stattdessen entsteht ein Album über Verlust, Einsamkeit und Vergänglichkeit, das sich seine Wärme bewahrt. Die Musik spiegelt die verlassenen Landschaften und entvölkerten Regionen Ostspaniens wider: staubige Ebenen, alte Ruinen und leere Dörfer – aber eben auch das Licht, das darüber liegt.
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Musikalisch bewegen sich TodoMal irgendwo zwischen den Welten. Pink Floyd schimmern immer wieder durch – leuchtend in den weiten Space-Rock-Passagen, den schwebenden Arrangements und den Momenten, in denen die Musik mehr Landschaft als Song wird. Candlemass hingegen tauchen im gedämpften Licht auf: in den majestätischen Doom-Riffs und der schweren, erhabenen Atmosphäre. Dazu gesellen sich Anklänge an die große Gothic-Doom-Tradition der Neunziger: Anathemas emotionale Tiefe, Tiamats psychedelische Öffnung, die Atmosphäre von The Gathering oder die düstere Eleganz von My Dying Bride.
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Doch TodoMal sind keine Retro-Veranstaltung. Ihre besondere Note entsteht durch die spanische Herkunft, die nicht nur in der Geschichte des Albums steckt, sondern auch hörbar wird. Akustische Gitarren und dezente Flamenco-Anklänge schleichen sich durch die schweren Doom-Strukturen und verleihen den Songs eine mediterrane Wärme. Plötzlich wirken die Ruinen nicht mehr wie eine britische Nebellandschaft, sondern wie verlassene Orte unter einer südlichen Sonne.
Die große Stärke von "Graveyards Of Joy" liegt genau in dieser Balance: Dunkelheit und Wärme stehen nicht gegeneinander, sondern ergänzen sich. Hammond-Orgeln, cineastische Streicher, Folk-Momente und schwere Gitarrenwände ergeben ein Klangbild, das weniger nach Weltuntergang klingt als nach dem Film über die Zeit danach. Doom mit Aussicht sozusagen.
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Dabei bleibt die Platte vergleichsweise zugänglich. Die Melodien stehen im Vordergrund, die Songs besitzen trotz ihrer Langsamkeit eine klare Linie. Ob man mit diesem entschleunigten Ansatz glücklich wird, hängt allerdings vom persönlichen Verhältnis zu Doom ab. Wer ständig neue Dynamiksprünge, explosive Ausbrüche oder überraschende Wendungen erwartet, könnte manche Passage als zu gleichförmig empfinden. Für "Graveyards Of Joy" funktioniert diese Langsamkeit jedoch: Die Musik nimmt sich Zeit, ihre Landschaften zu entfalten.
Nicht jeder Moment besitzt die emotionale Wucht eines echten Klassikers der Szene. Der eine große Augenblick, der sich für Jahrzehnte ins Gedächtnis brennt, fehlt vielleicht. An die monumentalen Referenzwerke von Anathema, Paradise Lost, Lake Of Tears, My Dying Bride oder The Gathering reicht TodoMal nicht ganz heran.
Aber darum geht es hier vielleicht auch gar nicht. "Graveyards Of Joy"* ist kein neuer Meilenstein, der die Doom-Geschichte umschreibt. Es ist ein verdammt gutes, eigenständiges Album mit einer klaren Handschrift. Eine Platte, die durch Ruinen wandert, ohne sich darin zu verlieren. Ein Album über Friedhöfe, das nicht nur vom Tod erzählt.
Ein echter Sonnenschein über Mount Doom.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Christopher B. Wildman - Gitarren, Gesang
• Mile - Bass, Gesang
• Javier Fernández Milla - Gitarren
• Javier „Bud“ Martínez - Schlagzeug
• Cecilia Tallo - Synthesizer, Gesang
Gastmusiker:
• Teodora Gosheva - Gesang
• Darío Garrido - Akustische Gitarren
• Manu Clavijo - Streicher
• Cecilia Tallo - Hintergrundgesang (Tracks 4 und 6)
Surftipps:
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Alle Abbildunge wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

