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    Du bist hier:Home»Interviews»Colin Edwin im Gespräch (2019)

    Colin Edwin im Gespräch (2019)

    0
    By Klaus Reckert on 24. Juni 2020 Interviews

    »We all had an input to the Porcupine Tree albums«

    Colin Edwin (live w/ O.R.k., 2019; Foto: André Wilms)

    Colin Edwin ist ein alter und aufrichtig bewunderter Bekannter (nicht nur) auf diesen Seiten. Denn diesen Edelbassisten, Lomografie-Künstler und Großmeister coolen Stage Actings kennt man u.a. von den folgenden Stationen: O.R.k., Metallic Taste of Blood, Burnt Belief (mit Jon Durant), Edwin Durant Kovtun, Wise Heads (mit Geoff Leigh), Endless Tapes (mit Alessandro Pedretti), Obake, Ghost Medicine, Astarta/Edwin (mit dem ukrainischen Folk-Duo Inna Kovtun und Yulia Malyarenko), Henry Fool u.v.m - vor allem aber natürlich noch von Porcupine Tree!

    Daher haben Fotograf André Wilms und der Autor anlässlich des letztjährigen O.R.k.-Konzertes in der Kantine zu Köln gerne die Gelegenheit ergriffen, dem stets freundlichen bis verschmitzten Australier backstage ein paar Fragen zu stellen. Und es lag wahrlich nicht an der herzlichen Atmosphäre und seinen spannenden Antworten, dass es mit dem Erfassen bis heute gedauert hat! Das könnte man wenn überhaupt eher der damals noch tosenden Flut attraktiver Konzerte in die Blue Suede Shoes schieben. Doch – voilà! - Corona und die Folgeschäden machten es jetzt doch endlich mal möglich.

    Hello again Colin! Zuletzt haben wir Euch ja 2018 in Dortmund gesehen.

    Ich bin nicht sicher, ob ich mich grad' daran erinnere..?

    Da haben die phantastischen LizZard für Euch eröffnet. Und deren Schlagzeugerin Katy Elwell hat während Eures Konzertes hinter Pats ( Mastelotto) Kit gehockt und ihm von unten zugeschaut.

    Oh ja, die Show! In dem alten Theater! Aber es war schrecklich kalt.

    Doch was für ein Auftritt!

    Ja, die Tour hat Spaß gemacht. Obwohl sie auch schwierig und wohl kein besonderer wirtschaftlicher Erfolg gewesen ist. Naja, ich schätze, wir mussten sie auf jeden Fall machen. Um O.R.k. zu etablieren.

    Wie sieht es denn heute mit dem Vorverkauf aus?

    Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht.

    (Tatsächlich blieben die Zuschauerzahlen bedauerlich überschaubar – vermutlich u.a. wegen einer an dem Tag ausgegebenen Sturmwarnung für die Region, d. Red.)

    Das aktuelle Album ("Ramagehead" von 2019, d. Red.) gefällt uns wieder prächtig, wie waren die Reaktionen bislang?

    Es hat wirklich gute Rezensionen bekommen. Wir sind zufrieden. Ich weiß auch nicht, warum dann nicht noch etwas mehr Menschen zu unseren Konzerten kommen…

    Wie sind die Shows Anfang des Monats mit The Pineapple Thief verlaufen, wie lässt sich vielleicht der Unterschied zur jetzigen Situation beschreiben? (Vorgruppe in Köln waren Lifesigns)

    Das lief alles super. Es war allerdings vergleichsweise anstrengend, weil wir so weit gereist sind. Wir haben ohne Bruce & Co. eine Woche in Italien Konzerte gegeben, uns dann mit The Pineapple Thief getroffen und es ging weiter durch die Schweiz, die Niederlande, ein paar Gigs in Deutschland, in Stuttgart und … (rollt die Augen) Jetzt fällt mir der Name der Stadt nicht ein!

    Das ist so Rockstar-mäßig!

    Genau, "And these towns all look the same" (lacht herzlich). Nein, im Ernst, es fällt mir nur wirklich grade nicht ein.

    Wie oft können sich die ORKse leibhaftig treffen?

    Das "Problem" dabei ist beziehungsweise hat Pat, der in Amerika lebt, wenn er nicht tourt. Für mich ist es viel einfacher, zu LEF und Carmelo nach Bologna zu kommen (der Australier lebt in der Nähe von London, d. Red.). Und da es sich irgendwie so ergibt, dass ich häufig mit Italienern zusammenarbeite, bin ich alle paar Monate sowie so da – für ein Konzert oder eben um die beiden zu treffen.

    »Ich persönlich ziehe es manchmal sogar vor, remote zu arbeiten.«

    Wie komponiert und wie übt Ihr?

    Das Schreiben ist bei uns recht demokratisch. Wir fingen ziemlich sofort nach der letzten Tour damit an und zum Ausarbeiten haben wir drei uns in Bologna zusammengehockt. Pat steuerte seine Ideen bei und spielte seine Parts ein, wenn ihm seine zahlreichen King-Crimson-Verpflichtungen das ermöglichten.
    Der ganze Prozess war ziemlich flott und das Album ist nun auch für uns selbst noch richtig "frisch", also nichts, was man vor Jahren mal gemacht hat, verstehst Du?

    War Pat dafür dann auch vor Ort?

    Nein. Das klingt vielleicht nicht optimal, aber es ist heutzutage ja keine unübliche Arbeitsweise mehr, Tracks und Tonspuren hin- und her zu schicken.
    Ich persönlich ziehe es manchmal sogar vor, remote zu arbeiten. In meinem zum Studio ausgebauten Keller hab ich ein Dutzend Bassgitarren und mehr Pedale als ich sagen möchte – und damit kann ich dann in Ruhe experimentieren - auch mal verrückte Sachen ausprobieren, ohne dass irgendjemand darauf warten muss. Auch für die Konzentration kann es eine gute Sache sein, "Telework" zu machen.

    Aber mir ist auch klar: besonders, wenn es beim Schreiben oder Arrangieren ein wenig hin und her geht, dann fällt das als Gruppenprozess leichter, wenn möglichst viele Bandmitglieder zusammen auch körperlich vor Ort sind. Nur inzwischen kennen wir uns einfach sehr gut und es gibt keine Riesen-Diskussionen. (grinst)

    Übt man auf Eurem Niveau die Stücke vor den ersten Auftritten noch ein?

    Ja, absolut. Dafür hatten wir ein paar Tage vor der Tour.
    Als wir 2015 das erste Album aufgenommen haben und uns danach für vor der ersten Tour getroffen haben, da war dieses "Trainingscamp" tatsächlich das erste Mal, dass wir zu viert im gleichen Raum waren…

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    Wie habt Ihr es geschafft, Serj Tankian für die Single ‘Black Blooms’ zu gewinnen?

    Hier war die Verbindung LEF, auf dessen Soloalbum "Hypersomniac" Bill Laswell Bass gespielt und produziert hat. Später versorgte Bill den System of a Down-Sänger mit dem Album, was den so beeindruckt haben soll, dass er sich auch für LEFs andere Aktivitäten interessierte, u.a. O.R.k., und so für uns ansprechbar war. Serj hat sich aus allen Demos selbst diesen Song ausgesucht – und der hat sich durch seine Beiträge am meisten weiterentwickelt, verglichen mit der Demofassung.

    »Ich bin Adam Jones von Tool - und so sieht das aus, was ich mache.«

    Und wie kamt ihr an den Filmemacher und Tool-Gitarristen Adam Jones?

    Tool hatten King Crimson 2001 als Vorgruppe mit auf Tour dabei ( Robert Fripp spielte die "Pausenmusik" bevor Tool auf die Bühne kamen, und manchmal stießen dann bereits Adam und Justin [Chancellor] dazu). So hat Pat die Band gut kennengelernt und sich mit Adam angefreundet.
    Wir waren also auf der Suche nach einem Motiv für das Cover, als eine E-Mail bei mir einlief: "Ich bin Adam Jones - und so sieht das aus, was ich mache." Anders als bei den früheren Alben gab es ab diesem Punkt keine Diskussion oder weitere Suche mehr – sein Bild passt perfekt zur Musik und zur Atmosphäre, die wir schaffen wollten – das empfanden alle so.

    »Am wichtigsten ist mir, dass O.R.k. nicht nur als Nummer im Katalog, als weitere Kooperation und noch ein Side Project wargenommen wird, sondern als Band.«

    Für "Ramagehead" seid ihr vom kleinen, sehr feinen Label RareNoise zur Snapper-Company Kscope gewechselt, während Du mit Deinem Twinscapes-Projekt bei RareNoise geblieben bist - warum?

    Ich weiß, dass man an so einer Stelle oft anfängt, "diplomatisch" zu antworten. Aber ich finde wirklich, dass RareNoise ein phantastisches Label ist! Es ist großartig, mit Giacomo Bruzzo und Eraldo Bernocchi zu arbeiten. Aber wir hatten das Gefühl, dass Kscope besser zu dem passte, was wir mit "Ramagehead" vorhaben. Hinzu kommt, dass die Gigs mit The Pineapple Thief - die bei Kscope sind - bereits gebucht war, als diese Entscheidung kam. Umgekehrt ist es aber auch so: ich kann mir Twinscapes nicht gut bei Kscope vorstellen, die ich ja schon von Porcupine Tree her kenne. Insofern scheint mir das alles jetzt ganz gut zu passen. Am wichtigsten ist mir, dass O.R.k. nicht nur als Nummer im Katalog, als weitere Kooperation und noch ein Side Project wargenommen wird, sondern als Band. Aber warten wir mal ab, wie es wird.

    Du spielst je nach musikalischem Umfeld relativ viel Fretless. Aber heute nicht?

    Nein, heute nicht – allerdings nur aus dem Grund, dass ich nicht gerne mitten im Set das Instrument wechsele. Vor allem bei einem der O.R.k.-Stücke spiele ich viel Akkorde. Und das ist ohne Bünde verdammt schwer hinzukriegen. Also bleibe ich beim Fretted Bass. Ein weiterer Vorteil: Wir stimmen bei einigen Parts Gitarre und Bass tiefer. Und das klingt auf der längeren Mensur vom Spector natürlicher und hält die Dropped-Stimmung besser.

    »Die Musik von Porcupine Tree wäre ganz anders ausgefallen, wenn es unsere Beiträge dazu nicht gegeben hätte.«

    Die folgende Beobachtung musst Du als Gentleman natürlich nicht kommentieren, wenn Du nicht möchtest:
    Es hat sich einfach so ergeben, dass wir Steven Wilson häufig von Angesicht zu Angesicht interviewt habe. Und dabei, genau wie auch bei Konzerten von der Bühne, beteuert er immer gerne, dass "die ersten drei Alben von Porcupine Tree letztlich auch Soloalben von mir waren"…

    Das stimmt so nicht. (kleines Lachen).
    Korrekt ist: das erste Album war ursprünglich ein Solo-Projekt.
    Und: natürlich kam auch später das meiste Material von ihm - aber wir alle hatten Input. Es war ja nicht so, dass uns unsere vorgeschriebenen Parts übergeben wurden!
    Das sieht man auch schon daran, dass Gavin, Richard und ich Co-Writing Credits auf den Alben haben.

    Ich würde so weit gehen: Die Musik von Porcupine Tree wäre ganz anders ausgefallen, wenn es unsere Beiträge dazu nicht gegeben hätte. Es gab eine bestimmte Balance, die von uns vier gemeinsam erreicht wurde.
    (feines Lächeln) Man hört einfach den Unterschied, wenn Chris Maitland Schlagzeug spielt oder jemand anders...

    Du scheinst ohnehin ein besonders starker Team-Player zu sein – jedenfalls bist Du Teil auffallend vieler und interessanter Kooperationen…
    Wie sieht es aktuell beispielsweise mit Burnt Belief aus?

    Jedenfalls stehe ich in ständigem Kontakt mit Jon (Durant). Kennst Du das Album, das ich vor ein paar Jahren mit zwei phantastischen Musikerinnen aus der Ukraine gemacht habe?

    Astarta/Edwin…?

    Wir haben grad gemeinsam mit Jon ein neues Album fertiggestellt und hoffen, dass es noch dieses Jahr veröffentlicht wird

    (Wurde es: "Colin Edwin Jon Durant Inna Kovtun" (2019), d.Red.)

    Inna (Kovtun) ist so eine großartige Sängerin! Sie hat das Album mit mir gemeinsam auch abgemischt und hatte all diese starken Ideen für Arrangements und Effekte. Auch wenn ich kein Wort verstehe, erzeugt sie doch eine ungemein Atmosphäre, die einfach sehr wirkungsvoll ist. (und natürlich hat sie die Texte auch für mich übersetzt – und sie sind stark und relevant, z.B. 'My Husband Beat Me')

    Wie steht es um die Wise Heads?

    Geoff Leigh ist einer der kreativsten Köpfe, die ich überhaupt kenne – dabei allerdings auch ein wenig chaotisch. Wir hätten jede Menge Material, allerdings habe ich ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Soweit ich weiß, ist er u.a. mit Acid Mothers Temple sehr beschäftigt.

    Apropos – Du hast ja heute auch noch andere Pflichten… Danke für das Gespräch und ein tolles Konzert!

    Gerne!

    Live-Fotos (2019, 2018): Andrew Ilms

    The "Order of Random knights", left to right: Pat Mastelotto, Carmelo Pipitone, Lorenzo Esposito Fornasari (LEF), Colin Edwin

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