Cinematic New Artrock
(44:37; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 10.07.2026)
Die Briten ließen lange auf sich warten, und dies hatte leider einen triftigen, weniger schönen Grund. Duncan Attwood, der eine Teil von Blueneck, kämpfte mit den Folgen eines Schlaganfalls. Somit konnte "Moonlighting" – welches eigentlich schon für 2024 konzipiert war – nicht früher in den Äther geschossen werden.
Jetzt ist dieses Album endlich am Start und zeigt, dass die Briten das Label Post Rock nur noch unzureichend bedienen, während sich der bereits auf "The Outpost" angedeutete trippige Sound immer stärker in Richtung elektronischer Spielereien verschiebt.
Zum Glück ändert dies nichts an Emotionalität und Leidenschaft. Dynamik, Heavyness und ambiente Nachtfahrten gibt es auf "Moonlighting" zuhauf. Alle lieb gewonnenen Nuancen sind 2026 in der Feinjustierung einen Hauch cineastischer, einlullend trippy und in die Breite gespielte Art Rock-Melancholie.
Die synthetischen Klangteppiche und das Mehr an Elektronik werden dank organischer, sehr dynamischer Drums gut aufgefangen, und gerade dieses Federn zwischen kraftvollen Rockelementen, alternativen Trademarks und einer kosmisch-dunklen Filmästhetik macht am Ende den doch sehr speziellen Charme der Musiker aus Bristol aus.
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Schon 'Mouth Of The Snake' federt unmittelbar und direkt auf einem elektronischen Klangteppich ins Album hinein – mehrstimmige, wie immer sehr feingliedrige Vocals verzaubern sofort. Das ist eine absolute Stärke der Band: diese sanften Abfahrten zu generieren, bei denen sich perlende Akkorde und schwebend pulsierende Synthflächen liebevoll begegnen und umarmen.
Die fragile, stets ausdrucksstarke Stimme von Duncan berührt und erinnert in Nuancen an Mark Hollis (Talk Talk). Gerade dessen Spätwerke sind in ihrer stillen Dramatik und Ästhetik ein nicht zu unterschätzender Input. Brachiale Soundwände gibt es weiterhin, nur mutet inzwischen alles etwas synthetischer an als früher. Moderne Vertreter des Artrock wie Archive, The Pineapple Thief, Radiohead oder Mogwai treffen auf die Eleganz der atmosphärischen Seite von Bands wie Oceansize, Gazpacho oder Steven Wilson in seiner elektronischen Ausrichtung.
'Fragments' ist so subtil am Vibrieren, am Tänzeln. Der Gesang, die Streicher und die stückweise Verdichtung der Sounds werden jeden Freund des atmosphärischen Art Rock tief hineinziehen, da bin ich sicher. Fließende, warme Schattierungen kreieren dieses typische Szenario von Nacht, Rückzug und Einsamkeit – darin sind die Briten einfach Meister.
'Return To Cadiz' oder 'Goliath' schaffen Kontraste, wissen immer wieder kurzfristig an Kraft zu gewinnen und ziehen gern mal eine mächtige Wand hoch. Loops, Percussion und der stets eher brüchig-sensible Gesang füllen den Raum mit vergänglichen, verletzlichen Bildern und Farbtönen. Stimmungsvoll und melancholisch, statt nur düster, wird dem Hörer ein opulentes Meer an Klängen versprochen und geliefert, in dem man sich mehr als wohlwollend verliert. 'Inside Out' hat einfach nur zerbrechlich schöne Vocals und Melodien, rockt später nahezu simpel und ist somit mein persönliches Highlight.
Das dichte, melodisch-orchestrale Spiel wird Freunden der aktuellen Archive-Inkarnation eine perfekte Alternative bieten. Ein Top-Album für all die, die hypnotischen Stimmungen und einsamen nächtlichen Abfahrten so richtig etwas abgewinnen können. Ein feiner Trip in Sachen New Artrock!
Bewertung: 13/15 Punkten
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Abbildungen: Blueneck/Bandcamp


