Wang Wen (惘闻) – 100,000 Whys (十万个为什么)

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Wang Wen (惘闻) – 100,000 Whys (Pelagic Records/Space Circle, 26.10.20/24.09.21)

Credit: Manolo Gamboa Naon

(1:02:21, Vinyl/CD/Digital, Pelagic Records/Space Circle, 2020/2021)
Ostasiatische Bands gehören im Jahre 2021 noch immer zu den Exoten in der Rock-Musik. Etabliert sind bisher eigentlich nur einige wenige japanische Bands. Im Post Rock sind dies an erster Stelle Mono und Envy. Doch auch die chinesischen Post Rocker von Wang Wen (惘闻) haben es mittlerweile zu einer noch überschaubaren Berühmtheit gebracht. Spätestens seit dem 2016er Opus “Sweet Home, Go!”, ihrem ersten Album bei Pelagic Records sind sie auch in der hiesigen Szene keine Unbekannten. Doch trotz 22-jähriger Karriere und bisher zehn Studio-Alben, hat es das Septett aus dem Reich der Mitte bisher noch nicht an die vorderste Front des Post Rock geschafft. Zu Unrecht. Wer dies nicht glauben möchte, dem sei wärmstens das aktuelle Album “100,000 Whys” der aus der nordchinesischen Hafenstadt Dalian stammenden Band ans Herz gelegt.

Obwohl Wang Wen schon immer eine Band waren, deren Werke von Isolation versus Zusammengehörigkeit geprägt waren, kollektiv wie individuell, gewannen diese Themen beim aktuellen Album aufgrund der Corona-Pandemie noch einmal an Brisanz. Denn diese brach aus, als Wang Wen gerade mit dem Komponieren ihres neuen Albums fertig geworden waren. Anstatt “100,000 Whys” jedoch wie geplant in St. Petersburg aufzunehmen, sahen sich die Musiker gezwungen, dies letztendlich in ihrem eigenen Proberaum fertigzustellen. Dementsprechend ist der Titel des Albums, das digital bereits im Oktober 2020 erschienen ist, auch von einer Zeile aus Rudyard Kiplings Gedicht “I Keep Six Honest Serving Men” inspiriert, das die kollektive Verwirrung widerspiegelt, die beim Ausbruch der globalen COVID-19-Pandemie und den daraus resultierenden Einschränkungen empfunden wurde.

Gottlob hinderten diese Umstände Wang Wen nicht daran, den Belgier Wouter Vlaminck ein weiteres Mal als Produzenten für sich gewinnen zu können. Denn das Vintage-Feeling lässt kaum zu wünschen übrig. Geprägt vom Sound der 60er und 70er Jahre vereinen Wang Wen im Post Rock auf “100,000 Whys” sowohl Psychedelic- und loungeartige Jazz-Klänge (‘If Tomorrow Comes’), als auch Score-Musik (‘The Ghost) und den Progressive Rock dieser Zeit (‘Wu Wu Road’!). Dabei agieren die Asiaten viel gefühlvoller und zurückhaltender als viele ihre Genre-Kollegen, so dass Post Rock selten so friedvoll und entspannt klang wie auf dieser Platte.
Glückseligkeit durch Gelassenheit könnte man fast sagen.
Bewertung: 12/15 Punkte

Wang Wen (惘闻) – 100,000 Whys (Pelagic Records/SpaceCircle, 26.10.20/24.09.21)
Tracklist:
1. ‘Forgotten’ (锻高潭) (6:50)
2. ‘The Ghost’ (幽魂) (8:42)
3. ‘Wu Wu Road’ (五五路) (7:20)
4. ‘If Tomorrow Comes’ (假若明天来临) (5:53)
5. ‘A Beach Bum’ (流浪者之歌) (9:13)
6. ‘Lonely Bird’ (孤独的鸟) (7:05)
7. ‘Shut Up and Play’ (敢问路在何方) (8:58)
8. ‘Forgotten River’ (醉忘川) (8:20)

Besetzung:
Xie Yugang (Gitarre)
Geng Xin (Gitarre)
Xu Zengzheng (Bass)
Zhou Lianjiang (Schlagzeug)
Zhang Yanfeng (Keyboard)
Huang Kai (Trompete)

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Rezension: “Invisible City” (2018)
Rezension: “Sweet Home, Go!” (2016)
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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Pelagic Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Wang Wen (惘闻) – 100,000 Whys (十万个为什么)

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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