Those Who Ride With Giants – Forlorn

0
Those Who Ride With Giants – Forlorn (Eigenveröffentlichung, 19.03.2021)

Credit: MJ Callaghan

(1:15:02, Digital, Eigenveröffentlichung, 2021)
Those Who Ride With Giants klingt wie der Name einer jener typischen Post Rock-Bands, die lieber auf poetische Art und Weise Worte aneinanderreihen, als einen knackig-markanten Bandnamen zu wählen. Natürlich verbirgt sich hinter TWRWG eine Post Rock-Formation. Und doch handelt es sich nicht um eine Band, sondern vielmehr um das Synonym des Solo-Künstlers MJ Callaghan. Die Worte Solo und Künstler sind hierbei übrigens wörtlich zu nehmen: Callaghan spielt seine Alben nämlich nicht nur in totaler Eigenregie ein, sondern ist als Designer auch für das Artwork und das graphische Gesamtkozept seiner Werke verantwortlich.

Das im Mai 2021 erschienene „Forlorn“ ist bereits das dritte Studioalbum des Sydneysiders und führt eine Tradition fort, die 2014 mit „The Tired Road to Hope and Peace“ begründet und 2016 von „Numinous“ fortgeführt worden ist. Denn alle drei Alben folgen dem Konzept, eine Geschichte zu erzählen, mit welcher der Hörer einen Reisenden in ein Land begleitet, das von kolossalen Wesen bewohnt wird, von denen man nicht weiß, ob sie Freund oder Feind sind. Vieles kann dabei als Allegorie für unglaublich große und konfrontative Lebensereignise stehen, mit denen man tagtäglich konfrontiert und umzugehen hat. Die Idee ist dabei, dass jedes Album einem Buch entspricht und jedes Lied einem Kapitel

Und tatsächlich vollbringt es MJ Callaghan mit seiner Musik, den Hörer aus der Realität der Gegenwart zu entreißen und ihn in seine Fantasiewelten zu entführen. Dies allerdings nicht als Besucher, sondern vielmehr als Beobachter, da die Musik auf „Forlorn“ ein wenig entrückt erscheint. Hierdurch wirken die Klangwelten von Those Who Ride With Giants in ihren düsteren Momenten weniger bedrohlich und in ihren hellen fast schon entspannend.

Denn „Forlorn“ entspricht eher einer Reisedukomentation als einem spannenden Abenteuerfilm wie „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Und so ist es dann auch nicht weiter schlimm, wenn ein akustisches Monster wie ‚The Relic‘ vor einem steht, denn als Beobachter weiß man sich immer in Sicherheit.

Doch auch ohne nervenaufreibende Actionmomente ist „Forlorn“ ein Werk, das durch seine vielseitige Schönheit verschiedener Elemente aus Ambient, Electronic, Scoremusik, Post Rock und Progressive Rock begeistert. Es sind Klanggemälde, in die man eintauchen und in denen man sich auch verlieren kann. Und wenn dann noch gilmouresque Gitarren obendrauf gepackt werden wie in ‚The Resilience Born In Fire‘, dann sollte es um den ein oder anderen Fan gefühlvoller instrumentaler Musik geschehen sein.

Doch Vorsicht, denn alle, die zur guten Unterhaltung auch Spannung benötigen, könnten ob einer Spiellänge von mehr als 75 Minuten vorzeitig in Langeweile verfallen.
Bewertung: 10/15 Punkte

Tracklist:
1. ‚The Lure‘ (0:42)
2. ‚The Passage of Wonder‘ (3:54)
3. ‚The Resilience Born in Fire‘ (4:57)
4. ‚The Cry of Silence‘ (9:23)
5. ‚The Siren‘ (2:31)
6. ‚The Enchantment‘ (1:28)
7. ‚The Passive Resistance‘ (7:51)
8. ‚The Endless Stride‘ (7:21)
9. ‚The Nighttide Creatures‘ (4:21)
10. ‚The Knocking Lord‘ (1:43)
11. ‚The Lord Is Knocking‘ (3:37)
12. ‚The Relic‘ (5:37)
13. ‚The Horizon Rider‘ (7:35)
14. ‚The Reverb Shivers‘ (6:25)
15. ‚The Warmest Regards‘ (7:37

Besetzung:
MJ Callaghan

Surftipps zu Those Who Ride With Giants:
Homepage
Facebook
Instagram
Bandcamp
Soundcloud
YouTube
Spotify
Apple Music
Amazon Music
Deezer
Tidal
Shazam
last.fm
Discogs

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von For Those Who Ride With Giants zur Verfügung gestellt.

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Those Who Ride With Giants – Forlorn

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0