Blessings – Biskopskniven

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Blessings – Biskopskniven (Pelagic Records, 21.05.21)

Credit: Johannes Brander

(38:35, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records, 2021)
Kennt man Johan G. Winter nur von seinem vor ein paar Monaten veröffentlichten Solo-Album „The Rupturing Sowle“, so ist Vorsicht angebracht beim Genuss des hier vorliegenden Werkes. Denn wo der Schwede auf seinen Solopfaden dem Post Folk frönte und mit Soundkollagen experimentierte, steht seine Band Blessings für Klänge ganz anderer Art. Denn Blessings ist schwarzgebrannter Hardcore, der Elemente von Punk, Crust, Noise Rock, Heavy Post Rock, Post Hardcore und Indie Rock miteinander verbindet. Musik also, die nicht für Schöngeister geeignet ist, sondern die ihre Faszination viel mehr durch ihre Ungemütlichkeit verströmt.

Es ist zwar kein Krach, was die Schweden hier auf Tonträger gebannt haben, doch wirklich leicht verdauliche Kost ist ihre Musik auch nicht. Denn Blessings verbinden auf „Biskopskniven“ hohen künstlerischen Anspruch mit der Ästhetik des Schroffen, Kargen und Verranzten, ganz so wie manches alternative Hausprojekt in der linken Szene Kreuzbergs. Es ist Musik, die abstoßened und elektrisierend zugleich ist und genau aus diesen Gegensätzen ihren Reiz bezieht.

Vor allem das groovige Spiel von Drummer Mattias Rasmusson ist prägend für den Sound von „Biskopskniven“ und bietet dem Sänger und Gitarristen Johan G. Winter die Basis, auf der er sich austoben kann. Verstärkt wird dieser rhythmusbetonte Ansatz vom vermehrten Einsatz unterschiedlicher Perkussion-Instrumente und dem tiefgestimmten Bass von Fredrik Karlsson. Synthie-Player und perkussionist Erik Skytt hierzu:

Die meisten Tracks wurden mit einem sehr Loop- und Groove-basierten Ansatz geschrieben, einem Art Drum-Manifest von Schlagzeuger Mattias Rasmusson, was den Liedern, im Vergleich zu den meisten des Debütalbums, ein ganz anderes Fundament gab, auf das man aufbauen konnte. Kein Schnickschnack, nur maschinelle Wiederholung und Einfachheit.

Most tracks were written with a very loop- and groove-based approach, a sort of drum manifesto made by drummer Mattias Rasmusson, which gave the songs a very different foundation to build upon, as compared to most of the debut album. No frills, just machine- like repetition and simplicity.

Vervollständigt wird der Sound des Vierers im übrigen vom atmosphärischen Einsatz der Synthesizer Erik Skytts, durch welche sich die Skandinavier von einem Großteil anderer Hardcore-Bands abheben.

Denn obwohl Blessings eine typische DIY-Hardcore-Punk-Attitüde aufweisen und eine ungehobelte Energie verströmen wie einstmals Black Flag, geht ihr musikalischer Ansatz eher in Richtung Melvins, At The Drive-In und weit darüber hinaus. Denn Akustikgitarren, Mantra-hafte Vokaleinlagen und transzendentale Grundstimmungen findet man bei all diesen Bands eher selten.
Bewertung: 11/15 Punkte (CA 13, FF 11)

Blessings – Biskopskniven (Pelagic Records, 21.05.21)
Tracklist:
1. ‚The Hound‘ (2:57)
2. ‚Strings Of Red‘ (3:40)
3. ‚A Belly Full Of Stones‘ (5:40)
4. ‚The Whip Hand‘ (4:32)
5. ‚Komskottsknallen‘ (3:03)
6. ‚Iron Heel‘ (3:43)
7. ‚Old Bones‘ (5:13)
8. ‚Allting är jättebra‘ (2:54)
9. ‚Black Vestals’m (6:53)

Besetzung:
Johan G. Winther (Gitarren und Gesang)
Mattias Rasmusson (Schlagzeug)
Fredrik Karlsson (Bass und Gesang)
Erik Skytt (Perkussion und Synthesizer)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Pelagic Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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