Schnellertollermeier – 5

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Schnellertollermeier (Cuneiform, 13.11.20)(41:07, CD, LP, Digital Cuneiform Records, 2020)
Irgendwie lässig, wenn man einfach seinen Nachnamen etwas überarbeitet und daraus einen passenden, recht coolen Bandnamen zusammenbastelt. Ebenso lässig legt das Schweizer Trio Schnellertollermeier nun in der bewährten Besetzung Andi Schnellmann (Bass, Gitarre), Manuel Troller (Gtiarre) und David Meier (Schlagzeug) sein bereits fünftes Studio-Album vor.

Erneut experimentiert die Formation mit neuen Klangfarben, gibt sich insgesamt aber weit weniger aggressiv als in der Vergangenheit bzw. auf der Bühne. Dies bedeutet jedoch keineswegs einen Rückschritt oder die Besinnung auf weniger Radikalität, denn noch immer sind es teils abstrakte Strukturen oder faszinierender, sich langsam steigernder Minimalismus, die hier als bestimmende Merkmale dominieren.

Stilistisch sind hier verschiedene Einflüsse zu erkennen, die jedoch bei Schnellertollermeier zu etwas ganz Eigenem verschmolzen werden. Bei „5“ kommt zum experimentellen, avantgardistischen Ansatz, der gleichzeitig offen, wie auch intim und strukturiert daherkommt, ein leichter Krautrock-Einschlag hinzu. Außerdem begegnen wir sparsamen, schwebenden Akkordfolgen in kompletter Zurückhaltung. Die Musik fließt und groovt mehr, als dass sie einer geradlinigen Struktur folgt, sie wirkt dabei jedoch keineswegs ohne Ordnung.

Die scharfen, harten Klänge von Saiten und Stöcken agieren mal gegeneinander, finden jedoch genauso eine gemeinsame Sprache. Dabei verzichtet das Trio gänzlich auf Soli und sieht sich mehr als gemeinsame Einheit.

Im Vergleich zu den Vorgängeralben vermisst man hier zuweilen die Dynamiksprünge und die treibende Energie, da „5“ weitaus mehr als ein Kopf- denn als Bauchalbum funktioniert. Im Pressezettel findet sich eine sehr passenden Beschreibung für das, was man hier hört: „Manchmal klingt „5“ so, als ob man jemandem zuhört, der gerade denkt“. Und Denken braucht eben manchmal etwas Zeit, um zu einem Ergebnis zu kommen.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 11, KS 10)

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Abbildungen: Schnellertollermeier / Cuneiform Records

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Schnellertollermeier – 5

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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