Petter Carlsen – The Sum Of Every Shade

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Petter Carlsen – The Sum Of Every Shade (Friskt Pust, 13.11.20)(39:38, Digital, Vinyl, CD Function Records, 2020)
Petter Carlsen ist kein Unbekannter mehr in den Kreisen des Progressive Rock. Zwar werden die wenigsten Prog-Hörer mit dem Namen des Musikers direkt vertraut sein, doch Anhänger von Anathema und Long Distance Calling sollten zumindest seine Stimme kennen. Denn Petter Carlsen ist sowohl als Gastsänger auf Anathemas ‘Untouchable Part 1 & 2’ (“Weather Systems”, 2012), als auch zusammen mit Vincent Cavanagh bei ‘Welcome Change’ (“The Flood Inside, 2013) von Long Distance Calling zu hören. Bei deren 2016er Album “Trips” zeichnete Carlsen sogar für sämtliche Vocal-Parts verantwortlich. Zuletzt hat Carlsen im Mai 2020 unter dem Bandnamen Northern South zusammen mit Anathemas Daniel Cardoso eine vielversprechende, melodische Prog-Rock-Single veröffentlicht.

Progressive Rock ist jedoch nicht das einzige musikalische Zuhause des Skandinaviers, denn dieser ist mindestens genauso tief im Indie-Pop verwurzelt. Dementsprechend verbinden sich auf seinem neuesten Album “The Sum Of Every Shade” eine progressive Grundstimmung mit melancholischen Soundscapes, atmosphärischem Gesang und Indie-typischen Gitarren.

Petter Carlsen stammt übrigens aus dem nördlichen Norwegen und ist vor der Aufnahme des Albums nach Jahren in der Hauptstadt Oslo zurück in seine Heimat Alta gezogen. Es ist eine Rückkehr, die sich thematisch in den Texten Carlsens niedergeschlagen hat, denn dieser blickt in seinen Lyrics auf all jene Erfahrungen zurück, die ihn zu demjenigen gemacht haben, der er heute ist. Gleichzeitig beschäftigt er sich mit dem kontinuierlichen persönlichen Wachstum, das wir als Menschen anstreben.

Auch musikalisch merkt man “The Sum Of Every Shade” an, dass es in den Polar-Regionen Norwegens entstanden ist, denn den Aufnahmen haftet genau jene Romantik und bittersüße Melancholie an, die häufig so typisch für den hohen Norden ist.

Den Auftakt des Albums macht mit ‘I Love The Way You See The World’, der wohl eingängigste Song der Scheibe. Petter Carlsens Gesangslinie frisst sich schnell in die Hirnwindungen des Hörers, ohne dabei jemals aufdringlich zu wirken. Ganz im Gegenteil, sowohl Gesang, aber vor allem auch die vielschichtige Instrumentierung erzeugen eine fast schon kuschelig-gemütliche Atmosphäre, in der man sich wohlfühlen kann.

Das anschließende ‘Dogs’ kann auch vom ersten Moment an fesseln, denn es baut von Anfang an eine Spannung auf, an der es über fast die gesamte Spieldauer festhält, bevor es als Post Indie-Stück auf sanfte Art und Weise kulminiert.

Im Laufe seiner Spieldauer weckt “The Sum Of Every Shade” immer wieder Erinnerungen an große Künstler aus Art Pop, Indie und Art Rock. Während bei ‘Contradictions’ die Parallelen zu Snow Patrol nur ansatzweise zu erkennen sind, ist bei ‘Pages’ die Verwandtschaft zu Björk und Sigur Rós kaum zu leugnen. ‘Giraffes & Elephants’ dagegen könnte gar aus dem Hause Radiohead stammen.

Höhepunkt des Albums ist allerdings ein Stück, bei dem Petter Carlsen in ähnliche alternativ-progressive Gefilde vordringt, welche The Fire Theft im Jahre 2003 mit ihrem gleichnamigen Album erkundeten: ‘Good News’. Obwohl es mit einer Länge von 3:41 Minuten als Pop-Liedchen getarnt ist, versteckt sich hinter der Fassade doch eine kleine knackige New Artrock-Perle.

Unterm Strich kann man bei “The Sum Of Every Shade” von einem gelungenen Album sprechen, welches sich an alle Freunde poppig-melancholischer Indie-Melodien richtet, die auch vor leichten Prog- und Post-Rock-Einflüssen nicht zurückschrecken.

Fragt sich am Ende nur, welche Prog- und Post-Rock-Liebhaber sich überhaupt an poppig-melancholische Indie-Melodien heranwagen.
Bewertung: 11/15 Punkten


Tracklist:
1. I Love The Way You See The World (4:57)
2. Dogs (4:38)
3. Strangers (3:22)
4. Contradictions (3:45)
5. Pages (2:44)
6. Giraffes & Elephants (3:09)
7. Good News (3:41)
8. Beneath The Snow (4:43)
9. Funny Old Life (4:17)
10. The Enterprise (3:22)

Besetzung:
Petter Carlsen (Gesang, Gitarren, Drumcomputer)
Kristian Olstad (Bass, Gitarren, Streicher, Gesang, Schlagzeug, Perkussion, Synthesizer (Bass))
Mikael Pedersen (Schlagzeug – tracks 1, 3, 7, 9)
Wetle Holte ( Schlagzeug – tracks 2, 4)
Benjamin Merk (Synthesizer – track 9)
Arktisk Filharmoni (Streicher – 10)

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Über den Autor

flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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