The Tangent – Auto Reconnaissance

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(60:18, CD, LP+CD, Digital, InsideOut / Sony Music, 2020)
Zufälligerweise drehte sich in letzter Zeit ein Großteil der Tangent Diskografie im heimischen CD Player. Befasst man sich so geballt und vor allem längere Zeit ausführlich mit der Band / dem Projekt von Andy Tillison, dann bleibt vor allem hängen, dass die musikalische Qualität über all die Jahre eigentlich immer stimmte. Klar gab es auch bei The Tangent ein paar Ausreißer, doch deren Retro Prog mit Canterbury Anleihen, dem immer andere Zutaten in moderaten Dosen beigemischt wurde, hat durchaus eine gewisse Eigenständigkeit und vor allem seine sofort erkennbare Eigenheiten bewahrt. Da bildet glücklicherweise “Auto Reconnaissance” keine Ausnahme.

Eingespielt vom einigermaßen konstanten Line-Up Andy Tillison – Gesang, Keyboards, Jonas Reingold – Bass, Theo Travis – Saxophon & Flöte, Luke Machin – Gitarre und Steve Roberts – Schlagzeug durchzieht das Album eine deutlichere Ausrichtung hin zum Jazz Rock, was sich bereits beim Vorgänger “Proxy” erkennen ließ. Hinzu kommen als auflockernde Elemente stellenweise funkige Rhythmen, eine gewisse Laid-Back Atmosphäre mit luftigen Arrangements, wie auf der anderen Seite einige recht schräge Momente und eine gehörige Prise Humor ihren Platz finden.

Vor allem die Abrechnung mit der englischen Brexit Politik, sowie einer gleichzeitigen Liebeserklärung an die englische Heimat im 28-minütigen “Lie Back & Think Of England” offenbart das ganze musikalische Potenzial dieser englisch-schwedischen Zusammenarbeit.

Während kürzere Titel wie die beiden vorab veröffentlichten ‘Life On Hold’ oder ‘The Tower Of Babel’ mit lässiger Up Tempo Rhythmik und direkter Musikalität sofort ins Ohr gehen, zünden die längeren Titel nicht unbedingt sofort. Gerade das über 15-minütige ‘Jinxed In Jersey’, die vertonte, etwas andere Stadtbesichtigung von New York mit einigen hörspielartigen Sequenzen, weist doch gewisse Längen auf, steigert sich aber vor allem in den letzten 5 Minuten zu einer fulminanten Instrumentalorgie.

“Auto Reconnaissance” wirkt insgesamt nachdenklicher, bisweilen zurückgenommener, mit ‘Under Your Spell’ wird sogar recht weitläufig poppiges Soul / R&B Gefilde gestreift, jedoch eben in typischer The Tangent Färbung. Doch lässt man sich länger und intensiver auf die 6 Titel (plus Bonustrack) ein, dann eröffnet sich die subtile Qualität vor allem in den jazzigen Farbtupfern, besonders präsent an Gitarre oder Saxophon. Somit können an dieser Stelle die eingangs erwähnten Qualitätsmerkmale einmal mehr bestätigt werden.

Während auf anderen Bonustiteln in der Vergangenheit mitunter Elektronische Musik im Stil der Berliner Schule gestreift wurde, geht es dieses mal mit “Proxima” oberflächlich betrachtet in eine ähnliche Richtung, wobei hier deutlich mehr Ambient Einflüsse, moderne Elektronik und treibender Jazz Rock zum Einsatz kommen. “Auto Reconnaisance” mit einem Artwork von Ed Unitsky ist in diversen Formaten erhältlich: als limitierter CD Digipak (incl. Bonustrack), Gatefold 2LP + CD + LP Booklet, sowie in digitalem Format.
Bewertung: 11/15 Punkten (WE 11, KS 11)

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Abbildungen: The Tangent / InsideOut Music

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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The Tangent – Auto Reconnaissance

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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