Devin Towsend – Empath

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(74:10, CD, InsideOut Music/Sony Music, 2019)
Nach dem vorläufigen bzw. endgültigen (?) Ende des Devin Townsend Projects veröffentlicht der sympathisch-humorige Kanadier sein aktuelles Album zum ersten mal seit dem Konzeptwerk “Dark Matters”, als Teil des 2014er Doppelpacks “Z2“, wieder unter seinem alleinigen Namen. Doch selbst wenn der Music Maniac aus Vancouver mit seinen unterschiedlichen Projekten und Formationen ein sehr breites Spektrum abseits der Metal Wurzeln abdeckt, so steckt doch immer eine typische Devin Townsend Identität drinnen, wo Devin Townsend draufsteht.

“Empath” beginnt zwar mit einem Ambient-Country-artigen ‘Castaway’ noch sehr zurückhaltend, doch danach bekommt man jede Menge überladenen Bombast, flotte Blastbeats, hymnische, eingängige Melodien, Ambient / Elektronik, besinnliche Passagen und grenzüberschreitenden Metal in seiner altbekannten Devin Townsend Ausprägung um die Ohren gehauen. Als verbindendes Merkmal ist dieses Album von mal fragilem, mal wuchtigem Chorgesang (u.a. mit Anneke Van Giersbergen und Nickelback Frontmann Chad Kroeger) und gewissen orchestralen Elementen durchzogen.

Dazwischen wird munter zwischen den unterschiedlichen Stilen gewechselt, selbst wenn ein gewisser Fokus Richtung Progressive Rock und Progressive Metal erkennbar ist. Keine leichte Entscheidung für den Künstler: “In seiner musikalischen Natur wechselt “Empath” von Track zu Track – von musikalischem Theater, Death Metal, Prog Free Jazz und kommerziellen Dingen. Einige Leute wollten eher relativ geradlinige Songs wie ‘Spritis Will Collide’, während andere auf cinematische Bangtracks wie ‘Evermore’ stehen.”

Gerade diese überschwängliche Abwechslung in seinem ganz eigenen musikalischen Mikrokosmos ohne Schubladendenken macht den Reiz des aktuellen Devin Townsend Albums aus, in dem mehr als anderthalb Jahre harte Arbeit mit vielen Selbstzweifeln und intensive, sehr fruchtbare Studioarbeit mit der musikalischen Kernmannschaft im Monnow Valley Studio in Wales stecken. Man ist sich nie sicher, was man zu hören bekommt, selbst wenn vieles dennoch von typischen Trademarks durchzogen ist und eindeutig dem Künstler zuzuordnen ist. Gute metallisch-progressive Unterhaltung der überdrehten Art ist auf “Empath” auf jeden Fall garantiert, auch wenn das bisweilen ziemlich “Over the top” ausgefallen ist.

Dies zeigt sich ebenfalls in den einzelnen, sehr verschiedenen Songs, die von griffigem Songformat, Ambient-Ansätzen (‘Castaway’, ‘Requiem’), Extremen wie dem komplett ausgeflippten, brutalen ‘Hear Me’ bis hin zum 23(!)-minütigen, mehrteiligen, wechselvollen, sehr experimentierfreudigen Monstertrack ‘Singularity’ reichen. Namhafte bzw. versierte Gastmusiker wie z.B. Mike Keneally, Steve Vai, Nathan Navarro, oder Ché Aimee Dorval sorgen zudem für die instrumentale und stimmliche Verfeinerung. Interessant ebenfalls, dass für die unterschiedlichen Richtungen unterschiedliche Schlagzeuger ausgewählt wurden: Anup Sastry (Monuments, Periphery, ex-Skyharbor) für den Progressive Anteil, Samus Paulicelli (Decrepit Birth) wütet im Death Metal, Morgan Ågren ist für die jazzigen Parts zuständig.

“Empath” ist so etwas wie die musikalische Quintessenz über die vielen, sehr unterschiedlichen, musikalischen Seiten von Devin Townsend oder wie es “Hevy Devy” selbst umschreibt “Monsters and Animals are playing together”. Nicht sofort fassbar, nicht einfach zu kategorisieren, in all seinen Nuancen nicht immer nach Jedermanns Geschmack, was aber auch als Stärke dieses letztendlich logisch ineinander greifenden Songzyklus gewertet werden kann.

Begleitend zum Album ist ebenfalls eine mehrteilige, sehr ausführliche und kurzweilige Dokumentation erschienen, die unten in den Links angefügt wurde und den kreativen Entstehungsprozess von “Empath”ausführlich dokumentiert, wie ebenfalls dieses Werk in unterschiedlichen Formaten (Standard Jewel Case, Limited 2 CD Edition, 180g Gatefold 2LP Edition und Digital) erhältlich ist.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

Devin Townsend (Foto: Künstler)

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Empath Documentary Episode 1 – “Thesis”
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Empath Documentary Episode 3 – “…Empath”
Empath Documentary Episode 4 – “The People”
Empath Documentary Episode 5 – “A Special Presentation”
Empath Documentary Episode 6 – “Revelations”

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Devin Towsend – Empath

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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