Autor: Carsten Agthe

-Vermessungsingenieur -Weltenbummler -involviert in: Ornah-Mental, Nostalgia, Vanille & The Woodpeckers, Palin-Drone, Stella Maris, Das Zeichen (RIP), Schl@g, Karmacosmic...

12.0
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(51:42, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 21.10.2022) Ob man wohl vor zehn Jahren schon ahnen konnte, welche Brisanz der eigene Bandname einmal erlangen würde? Sicherlich nicht, denn wer hätte damals schon ahnen können, wie sich die Dinge einmal entwickeln beziehungsweise aus dem Ruder laufen würden. Nun haben sich Lost in Kiev mit ihrem vierten Album auch selbst deutlich weiterentwickelt. Die cineastischen, an die gegenwärtige Weltlage angepassten Momente sind noch transparenter, die Mächtigkeiten noch unüberwindbarer geraten (wobei hier sogar dezente Growls eingebaut wurden, wie etwa im Track 'Prison Of Mind', made by The Oceans Loïc Rossetti). 'We Are' setzt aber erst…

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10.5
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(43:56, CD, Vinyl, Digital, Karisma Records/Plastic Head, 2022) Da schwingt schon ein wenig gehobener Anspruch mit, wenn man sich in einem Etablissement wie einem Konservatorium für Jazz zusammenfindet. Die sonst bei sympathischen Institutionen wie Spidergawd (Hallvard Gaardløs), Soft Ffog (Vegard Lien Bjerkan, Axel Skalstad) und dem Megalodon Collective (Karl Bjorå) aufspielenden Zeitgenossen wirken mit ihrem Sideprojekt Wizrd wie losgelöst von allem, verquicken Stoner mit frickeligen Jazzeskapaden, Funk und Prog, was aus dem Debüt der Band, an dem man seit 2020 werkelte, eine atemberaubende Achterbahnfahrt macht. "Seasons" wirkt, als würden Motorpsycho gemeinsame Sache mit Wishbone Ash und Chick Corea machen. Klingt…

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11.0
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(49:54; CD, Vinyl, Digital; This Charming Man Records, 14.10.2022) All dieser Schmerz! Aber, beachte, "Not All Of You Pain Is Self Chosen"! Vier Jahre nach dem letzten Album "Soma" kommt das Kölner Duo mit einem schmerzerfüllten Dunkelbrocken in waverockendem Shoegeaze, bei welchem, die Delays auf Anschlag, der Nachhall ganze Räume füllt. Denis Wanic und Lucia Seiß scheinen mit ihren trist-schönen Soundlandschaften die Tristesse der letzten Jahre verarbeiten zu wollen und überführen den dunkelbunten Waverock der Eighties (The Cure, Bauhaus, The Chameleons, Swans, My Bloody Valentine) in die heutige, krisengeschüttelte Ära, auf dass dieser den passenden Soundtrack zu der zur Realität…

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11.0
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(39:57, Digital, Art As Catharsis, 14.10.22) Nach zwei EPs aus der Zeitspanne einer ganzen Dekade ist es nun Zeit für das Longplay-Debüt-Album. Die Stagnation der Pandemie machte es möglich, dass man sich zurückziehen und in aller Abgeschiedenheit Dinge realisieren konnte, zu welchen man sonst keine Zeit hatte. Derweil das Trio noch an einem der schönsten Orte der Welt beheimatet ist (das Art Déco-Städtchen Napier auf der neuseeländischen Südinsel) kreiert man hier nebenbei den fluffigsten aber dennoch nicht ohne die gewissen Spannungen aufwartenden Postrock, seit es diese Spielart kontemporärer Musik gibt. Dabei stehen hier noch nicht einmal die sonst üblichen Gitarren…

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11.0
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(50:19, Vinyl, Digital, Dunk! Records/A Thousand Arms Music, 2022) Mit effektiver Gitarrendoppelspitze und polternden Drums gehen Girih nun den "Eigengrau"-Nachfolger in Form eines Fulltime-Albums an. Der Albumtitel erscheint hier völlig sinnvoll, steht doch 'Ikigai' (japanisch) für "wofür es sich zu leben lohnt". Schönes Motto für die neue Musik des Trios aus New Hampshire. Dabei spielen sie die etwas härtere Variante des Post Rock, die mehr als nur homöopathische Tendenzen in Richtung metallischer Wucht offenbart. Die Tracks tragen denn auch ganz pragmatisch Kurztitel wie 'The Mirror', 'The Frame', 'The Door', 'The Key‘, 'The Hand', 'The Ring' sowie 'The Sand'. Wobei eine…

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12.0
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(80:00; Vinyl (DO-LP + Bonus-7"), Digital; Amiga/Sony Music, 30.09.2022) "Kompiliert von Max Herre und Dexter" ist dieser Sampler eine Hommage an die gleichnamige Plattenreihe des ostdeutschen Amiga-Labels, die von 1972 bis 1976 mit ganzen 16 Ausgaben brillieren konnte. Und eine Hommage an den Funk & Soul aus der DDR ja sowieso. Ex-Freundeskreis Max Herre und Kollege Dexter, ihres Zeichens Vinyl- und Sound-Enthusiasten, waren schon seit einiger Zeit von dem ganz speziellen DDR-Sound der Siebziger angetan, so dass der Plan, zum 75-jährigen Jubiläum von Amiga und 50-jährigem der "Hallo"-Reihe eine ganz spezielle Laudatio in Form einer Kompilation zu kreieren, hier in…

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12.0
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(42:12; CD, Vinyl, Digital; Jazzland, 14.10.2022) Elf Jahre ist es nun schon her, dass sich die beiden Maestros groovender Ekstase zum "Duo" zusammenfanden und ein Album lässig-schwebender Piano-/Samplermusik veröffentlichten. Drei Jahre später erlebte diese Kollaboration durch Bassist Dan Berglund eine Erweiterung ("Trialogue"), nur um jetzt, wieder ganze acht Jahre später, an den Ursprung zurückzukehren. Bugge 'New Conception Of Jazz' Wesseltoft variiert hier wahlweise am Flügel und am Synthesizer, Henrik Schwarz liefert hierzu die passenden Sounds. Längst nicht so beat-lastig als auf dem "Duo"-Debüt watet man in Marimba-dräuendem Wohlklang ('Woodened Stone', 'Now I'm Better'), urbanem Soul ('My First Life' mit einer…

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11.3
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(60:14, CD, Vinyl, MC, Digital, Apollon Records/Plastic Head, 07.10.22) Da wird wieder auf ganz großer Flamme gekocht. Die Norweger waren so eigentlich noch nie Kinder von Traurigkeit und pimpten ihre Arrangements immer mit dem größtmöglichen Engagement auf, was mit einem (derzeit) siebenköpfigen Musikerstamm dann auch ein Leichtes ist. Das fünfte Album der Parkinsons trägt nun den Titel "Valesa – Chapter I: Velvet Prison" – sicher aus der weisen Voraussicht, dass hier noch etwas im Anschluss kommen könnte beziehungsweise durchaus auch kommen soll. Inklusive Cliffhanger. Sänger Jon Ivar Kollbotn gibt einmal mehr den Crooner, was schon in der Vorabauskopplung 'Jonas' eindrucksvoll…

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10.0
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(45:31; Digital, CD, Vinyl, Crazysane Records, 2022) Merkwürdig gedämpft erscheint der noisy Shoegaze der Band aus Virginia. „In Now Less Than Ever“ kommt wie durch einen Filter gedrückt, der unpassende Eigenschaften sofort und gleich eliminiert. Wobei Gitarrist und Sänger Blake Metton seinen Gefährten hier hörbare Prioritäten vorgibt. Bands wie My Bloody Valentine kollidieren auf diesem Album mit Wumms und ungedämpft mit Unterfangen wie The Jesus & Mary Chain zu "Psychocandy" Zeiten, wobei der Noise bei Twin Drugs einmal mehr zur Hochkonjunktur aufläuft. Laut ist das neue Leise und Harshness sowieso das neue Kuscheln. Trotz aller Mächtigkeiten wirkt "In Now Less…

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10.0
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(26:04; Digital, CD, Vinyl; Karisma Records/Plastic Head, 30.09./07.10.2022) Bjørn Riis macht Ernst Und das nicht etwa hinsichtlich der Anzahl seiner Soloveröffentlichungen, mit denen er schon längst die seiner Band Airbag überflügelte (sein letztes Output, das Album "Everything Is Everyone" stammt immerhin aus dem Frühjahr dieses Jahres) sondern in Bezug auf seine Inspirationsquelle. Denn die vier Tracks vorliegender EP machen in Sound und Habitus wirklich ganz klar auf Pink Floyd. Was dem Musiker ein Leichtes gewesen sein dürfte, hatte er doch schon immer Ambitionen in Richtung der mittlerweile zur Legende aufgestiegenen Band. Fulminante Gitarreneskapaden im Stil eines David Gilmour sind hier,…

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12.0
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(46:55; CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records/Soulfood, 07.10.2022) Karin Park schürfte für ihr sechstes Album tief in ihrer Vergangenheit und förderte so manchen Track zutage, der quasi 'vergessen' war und dem sie dann eine komplette Neubehandlung zukommen ließ. So ist "Private Collection" eine Art Werkschau durch die Karriere der norwegischen Sängerin, die schon mal als skandinavische Nico gehandelt wird. Wobei die hierfür ausgewählten Songs bis auf ihr Grundgerüst seziert wurden. Die so entstandenen Leerstellen wurden behutsam wieder mit Leben gefüllt und mit eben diesen neuen Arrangements kehrt die Künstlerin wahrlich ihr Innerstes nach außen. Angefangen bei dem Titeltrack ihres Solodebüts "Superworldunknown"…

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12.0
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(41:41, Digital, CD, Vinyl, Sulatron Records/Brokensilence, 23.09.2022) Dave Schmidt schwebt in Nostalgie. Im wahrsten Sinne der Wörter. Das mit dem Schweben. Und der Nostalgie. Aufgenommen ‚between 2013 and 2018…‘ könnte hierbei der Verdacht aufkommen, dass das hier zu Hörende eine Art Resteverwertung ist, veröffentlichte der Musiker in dieser Zeit doch auch die offiziellen Alben "Shipwrecked" sowie "Organ Acculumator". Wobei sich das Material überhaupt nicht so anfühlt beziehungsweise anhört. "Sula Bassana" webt hier erneut einen flauschigen Teppich, auf dem sich angenehm fliegen lässt. Mit Fuzz-Guitars und Sitar-Sounds entzündet der Soundtüftler in ‚Real Life‘ erst einmal Räucherstäbchen mit psychoaktiver Wirkung, die einem…

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10.0
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(45:03, CD, Vinyl, Digital, Neurot Recordings/ cargo, 30.09.2022) Die aufgestaute Wut, die irgendwann in den Achtzigern ihren Anfang nahm, muss nun endlich raus. Vor Jahrzehnten gründeten nämlich Noah Landis (Neurosis), Geoff Evans (Asunder) und Matt Parrillo (Dystopia), wie so viele andere auch, eine Punkband. Alles war möglich und es herrschte Aufbruchsstimmung in den Garagen und Kellern Amerikas jener Zeit. Nun, Jahre später, ließ man dieser Wut, die all die Jahre lang zu schwelen schien, dann freien Lauf. Die Isolation der Pandemie machte es möglich, dass sich das Trio erinnerte, dass da noch irgendetwas zu erledigen war. So wurden via Internet…

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10.0
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(46:07, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records/Soulfood, 30.09.2022) Da hat sich Paul Seidel aber ganz weit weg von seinem derzeitigen Hauptbeschäftigungsfeld entfernt. Weil The Ocean Collective, für die der Musiker die Felle manchmal ganz schön drischt, sind kaum noch in Sichtweite zu dem, was dieser mit seinem Soloprojekt FERN macht, von dem nun mit "Intersubjective" das Debütalbum erscheint. Vor allem auf analoger Basis generierte elektronische Klangfelder, manchmal auf der Schwelle zum Ambient verharrend ('Առաջանալ', feat. dem armenischen Klangforscher Hayk Karoyi) manchmal auch dezent Depeche Mode-affin ('Intersubjective') eröffnen uns musikalische Horizonte, die man so von Paul Seidel so nicht erwartet hätte. Alles…

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9.0
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(37:49, CD, Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung, 22.09.2022) Es scheint, dass Face The Day mit ihrem dritten Album endlich durchstarten können. Dass das Projekt auch auf Bandbasis funktioniert bewies Bandleader Martin Schuster schon auf der Tour zum letzten Album "Stuck In Present". Nach einer Auszeit, in der sich Schuster auf sein (immerhin noch) Hauptprojekt Mindwork konzentrierte, veröffentlichen die Prager nun ihr vielleicht persönlichstes, tiefgreifendstes und melancholischstes Album, auf welchem man auf die Liveerfahrungen zurückgreifen konnte und bei dem sich zum Teil dann die Tourband wieder im Studio zusammenfand. Nun ist Face The Day eher Progressive Rock der sanften und pathetischen Art. Progressive…

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11.0
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(38:37, CD, Vinyl, Digital, Eigenveröffentlichung/polyunique, 2022) "Der Weltraum – unendliche Weiten". Solches oder Ähnliches könnte dem Neuen Album der Hannoveraner Postrocker Lorimer Burst vorangestellt werden. Das Trio macht sich mit dem "Dispersion"-Nachfolger auf große Entdeckungsreise – mit Voyager 1 und Voyager 2 geht es bis ans Ende des Sonnensystems, mit Mariner 11 und Mariner 12 zu den Gasriesen und mit der Witjas zu Forschungsfahrten around the world. Sodass "Voyager" also als Konzeptalbum zu handhaben ist (was bei dieser Art Musik gar nicht einmal so unüblich ist). Langsam und bedächtig nimmt man mit 'A Present From A Small Distant World' Fahrt…

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10.3
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(21:53, Digital, Eigenveröffentlichung, 28.07.2022) In Duo-Besetzung knallen uns Media aus Phoenix/Arizona ein mächtiges Brett um die Ohren. Gut, dass „Influence“, das Debüt von Billy Tegehoff (vocals, guitar, bass, synth) und Rich Wnuk (drums, percussion, samples) nach zwanzig Minuten zu Ende ist. Oder auch nicht, hat man sich doch erst einmal eingegroovt in den Sound, der viel Spezielles für uns bereithält. Vielleicht liegt es daran, dass hier alle Instrumente auf 444 Herz gestimmt sind, eine Frequenz, die in vielen Klangheilungspraktiken Anwendung findet. Musik als Heilung – klingt bezüglich Media merkwürdig, ist aber so. Influence by MEDIA Der Opener '‚..-. --- .-.…

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(97:32, Digital, CD, Vinyl (Triple LP); Season Of Mist/Soulfood, 09.09.2022) Justin Greaves hält das Heft bei Crippled Black Phoenix fest in der Hand und weiß, was er will. Das einzig verbliebene Gründungsmitglied der britisch-schwedischen Institution, bei der man sich sowieso fragt, wie es die Band durch die Zentrifugalkraft des übermäßig schnell rotierenden Bandkarussells überhaupt schaffen könnte, in solcher Regelmäßigkeit Platten zu veröffentlichen (wobei, King Crimson hatten dieses Problem bekanntlich auch), macht dann im Studio auch lieber (fast) alles selbst und präsentiert sich zu Konzerten dann mit einer Reihe an Gastmusikern. Wobei es Sängerin Belinda Kordic (die hier in Joel Segerstedt…

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(37:07, CD, Vinyl, Digital, Village Slut Records, 2022) Es geht also noch was. Nachdem David Judson Clemmons im letzten Jahr die Demos zum Damn-The-Machine-Debüt von 1993 als "Day One" veröffentlichte hatte man die Hoffnung, dass unter diesen noch einige Schätze vergraben waren. Nun gibt es mit "The Last Man" zehn weitere Tracks aus der Session, mit der man sich einst bei A&M Records bewarb und tatsächlich den Zuschlag auf einen Plattenvertrag bekam. Leider war der Bestand von Damn The Machine, der neben Clemmons noch Megadeth-Gitarrist Chris Poland, dessen Bruder Mark am Schlagzeug sowie Bassist David Randi angehörten nur von kurzer…

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(34:58, CD, Vinyl, MC, Digital, Red Revolver Records, 2022) Na denn, "wer Schmetterlinge lachen hört…" (Novalis), der hört sie auch schon mal schreien. Und das ausgiebig und schmerzvoll. Sowie, im Fall von Scream Of The Butterfly, bereits mit dem dritten Album. Die Hammond röhrt, die Gitarre knarzt und alles ist im Fall von „The Grand Stadium“ wunderbar Vintage-like. Die Berliner fühlen sich musikalisch in den Siebzigern zu Hause und vor allem wohl, derweil es hin und wieder auch scheppert wie eine hardrockende Variante von System Of A Down. Hier geht schon einmal ein Boogie Woogie Piano eine seltsame Symbiosen mit…

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