Autor: Carsten Agthe

-Vermessungsingenieur -Weltenbummler -involviert in: Ornah-Mental, Nostalgia, Vanille & The Woodpeckers, Palin-Drone, Stella Maris, Das Zeichen (RIP), Schl@g, Karmacosmic...

11.7
Reviews

(52:52, CD, Vinyl, Digital; 36music/Broken Silence; 24.11.2023) Hier wurde nach altbekanntem und bestätigtem Rezept gekocht und zusammengerührt. Das Kraan-Stammtrio Hellmut Hattler (Bass), Peter Wolbrandt (Gitarre) und Jan Fride (Schlagzeug) steht auch nach allen Aufs und Abs sowie plötzlichen über die Band hereinbrechenden Unwettern wie ein Fels in der Brandung und kommt 53 Jahre nach Gründung mit einem neuen Album. Frei nach dem Motto "never stop/change a running system" präsentiert sich der Dreier dann auch in bestätigter Spiellaune und mit fluffigen Kompositionen, wie man sie seit Jahrzehnten zu schätzen und zu lieben gelernt hat. Der groovende Titeltrack eröffnet dann auch gleich…

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11.5
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(36:09, CD, Vinyl, Digital, Eigenvertrieb, 24.11.2023) Es passiert derzeit jede Menge im Post-Rock-Universum. Gefühlt jede zweite hier heimische Band fühlt sich berufen, in den tristesten, weil grauen Tagen des Jahres ein neues Elaborat an das Tageslicht zu hieven, um ein wenig Licht in dunkler Zeit zu spenden. Oder aber, um alles noch ein wenig grauer zu machen. Die französische Band Maven schafft auf ihrem zweiten Album Beides, weil man, erstens, musikalisch in luftigen Höhen schwebt und, zweitens, obwohl instrumental, dringlichen Zeitgeist veräußert. So tragen die Tracks Titel wie 'Consumers', 'Global Warming', 'Biodiversity Arks', 'Justitium', 'Monetary Suicide', 'Earth Overshoot Day' oder…

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11.0
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(46:53, Vinyl, Digital, Noisolution/edel, 24.11.2023) Der Bruder, der Grimm, proklamiert zwar reißerisch "The End". Aber die Story ist noch lange nicht an ihrem Ende angekommen. Erst einmal startet die ganze Chose mit "Es war einmal…". Und da war tatsächlich etwas. Nämlich das kauzige Soloprojekt des Dennis Grimm (man sieht also, dass das Alias durchaus seine Bedeutung hat), das sich durch Charlie Paschen (Coogans Bluff) und Enni Semmler (Kaskadeur) dann tatsächlich zur richtigen Band mauserte. Und diese startet mit "The End" erst richtig durch. Mit zwei Gitarren und Schlagzeug lässt es sich dezent Schrammeln, das Crooning des Sängers rückt die Songs…

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8.0
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(42:24, CD, Digital, Daaganda Records, 29.9.2023) "15 Mann auf des toten Manns Kiste". Beziehungsweise "100 Gitarren auf einem betrunkenen Boot", soviel Zeit muss sein. Und hier hat Beides irgendwie mit Alkohol zu tun. 2017 entwickelte der Gitarrist Gilles Laval eine Komposition, die ursprünglich für 100 Gitarren konzipiert war, sich aber nach Bedingungen und Anforderungen beliebig variieren lässt (Aufführungen in Leipzig und Lyon wurden diesbezüglich auf 40 Gitarren reduziert). Inspiriert von Rimbauds Gedicht "Le Bateau Ivre" dreht sich in den sieben Parts der Komposition alles um die Ozeane, was als Metapher auf die Musik selbst Gültigkeit besitzt. Diese bewegt sich zwischen…

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12.0
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(49:54, Vinyl, Digital; Eigenproduktion, 20.10.2023) Was für eine Lawine in Doom, die von Occult Hand Order via ihrem neuesten Output losgetreten wird. Langsam aber zielsicher geht es hinab, in die dunkelsten Abgründe des Okkulten. Das Trio aus dem französischen Lyon schaltet mit „Silence By The Raging Sea“ gleich mehrere Gänge zurück und schrammt dabei knapp am Reverse vorbei, so dass sich irgendwie geartete Bewegungen nur noch erahnen lassen. Auf diese Weise schaukeln sich die fast schon statisch anmutenden Elaborate schon einmal auf elf Minuten hoch, wobei trotz aller Lässigkeit und Ruhe ein beeindruckender Abwechslungsreichtum zu verzeichnen ist, der gar hin…

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12.0
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(47:02, CD, Vinyl, Digital; Argonauta Records, 20.10.2023) Eine Ode an den Schmerz! Die derzeit in Berlin sesshaften Dunkelgriechen haben mit ihrem Album ein Relikt aus schwarzem Stein gehauen, dem die Einstufung als Meisterwerk gutstehen würde. Einflüsse gibt es hier, auf "A Lump Of Death: A Chaos Of Dead Lovers" mannigfaltige, selbst beziehen Unverkalt sich auf die Siebziger. Und auf "the flowering of the cult community, and the acts of criminals and serial killers at that time". Aber das Album ist viel mehr – vor allem spürbarer Schmerz, Trauer und düstere Leidenschaften. Sängerin Dimitra Kalavrezou alias Demetria Kvu leidet hörbar, während…

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12.0
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(45:38, CD, Digital, Argonauta Records, 20.1.2023) Man kann annehmen, dass Lionel Forest und Nicolas Simon wissen, was sie (zusammen) tun. Hingen beide doch jahrelang in Bands wie Ambyo und Eyes Front North zusammen und bedienten hier solche illustren Spielarten zeitgenössischer Musik wie Post-, Hard- und Metalcore. Bei Cløudy Skies geht es, der Titel suggeriert uns diesen Umstand schon mal, durchaus atmosphärischer zu. Zwar ist das File Dreamgaze, mit dem man schon einmal hausieren geht, ein klein wenig zu weit hergeholt, legt das Duo doch seine Prioritäten in harschen Post Metal und sich mächtig auftürmenden Post Rock, wobei Lionel Forest alle…

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10.0
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(52:46, CD, Digital; Eigenvertrieb, 03.11.2023) Das Leben ist schon gefährlich. Und es ist immer tödlich. Der Heidelberger Multiinstrumentalist Joel de Blois hat sich auf seinem Debüt-Album "devenir" (eine Vorab-EP gab es mit "Echoes Of infinity" im Frühjahr) dem Zyklus des Lebens verschrieben. Und zwischen Geburt ('Inept') und Tod ('Shanti') liegen auch hier eine Menge Erlebnisse, die ein Leben lebenswert machen. Eingeteilt in drei Blöcke zu jeweils drei Songs sowie dreier Überleitungen kommt das Konzeptwerk auf stolze zwölf Songs, die von de Blois im Alleingang geschrieben, aufgenommen und produziert wurden. Da hat sich der Protagonist wahrlich eine Menge aufgebürdet, vor allem…

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8.0
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(33:48, CD, Digital, Sireena Record/Broken Silence, 18.08.2023) Es ist schon ein Relikt, was Sireena hier wieder ausgegraben hat. "Performance" ist nämlich das erste und einzige Soloalbum des Jane-Mitbegründers und Bassisten Charly Maucher. 1980 im Jane Studio mit Ulli Böttcher (Gitarre), Wolfgang Krantz (Piano, Keyboard) und Jane-Urgestein Peter Panka (Schlagzeug) realisiert, veräußert das Album weniger krautrockige Tendenzen. Sondern schöpft mit vollen Händen aus dem Bluesrock, bei dem auch die Wurzeln des 2019 verstorbenen Musikers lagen. Sicherlich muss man bei Songwriting, das hin und wieder doch recht bemüht wirkt ('Day By Day') Abstriche machen. Was hier zählt, ist aber das Gesamtresultat und…

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10.0
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(21:54, CD, Vinyl, MC, Digital; Chien Noir Productions, 21.07.2023) Der mächtige Temperamentsausbruch in 'Vale', dem letzten Track aus dem ersten Teil, sollte tatsächlich den Übergang hin zu "Ex Auditu II" darstellen. Denn klang Part I des neuen Doppelkonzepts von Louis Lamberts DDENT wie der verschollene Soundtrack zu 'Twin Peaks', so verdient er sich hier, mit Part II, durchaus das Etikett Postmetal beziehungsweise erobert sich eben dieses zurück. Mit Alben wie "آكتئاب", "Toro" und "Couvre-sang" hat die mittlerweile als Einmannprojekt agierende Postrockfraktion schon Meilensteine in ihrem Metier geschaffen, mit "Ex Auditu" gibt es nun die würdige Fortsetzung. Wieder finden sich die…

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11.0
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(41:14, CD, Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung, 01.09.2023) Mit neuem Drummer und dann doch noch einmal einer Schippe draufgelegter Energie gibt es ganze sechseinhalb Jahre nach "The Story Of Frank Tranquill" nun endlich das dritte Album der Erfurter Stoner-Rock-Fraktion. War man von Anfang an ein wenig irritiert ob der Namenswahl des Trios, die nun so gar nichts mit den hier abgefahrenen Sounds zu tun hat, entfernte man sich mit "Clarity" nun so weit wie möglich von eventuell aufkommenden Müdigkeiten. Denn "Clarity" fährt unweigerlich in die Knochen und setzt den Bewegungsapparat in Gang. Die Platte ist mit einem mehr als nur dezenten Kick…

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11.0
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(44:33, CD, Vinyl, Digital; Tonzonen Records/Soulfood, 20.10.2023) Der Titel ist hier auf jeden Fall als Vorgabe zu sehen. Mehr ist hier nicht zu sagen. Und damit wäre die Review eigentlich schon an ihrem Ende angelangt. . . . . . . Trotzdem könnte man noch ein paar Fakten zum zweiten Album der Wiener Spacerocker loswerden. Auch auf "Eine gute Reise" versinkt das Trio mit dem nun einmal überhaupt nicht vegan-kompatiblen Namen in ellenlangen Jams, die, einmal losgetreten, auch überhaupt kein Ende erkennen lassen wollen. Die rein instrumentalen Tunes tragen, eventuell der Orientierung-halber, Titel wie 'Krautobahn – unbegrenzt' (13:07), 'Kosmischer Regen'…

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10.0
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(37:09, Vinyl, Digital, Moment Of Collapse Records, 13.10.2023) Nach den beiden EPs "When Will You Return" sowie "The Plaques" nun der Debüt-Longplayer, mit dem uns Michael Socrates anzeigt, was er bei If These Trees Could Talk so alles inhaliert hat. Das waren auf jeden Fall alle Arten von Postrock. Und das in vollen Zügen. Bis auf wenige Ausnahmen ('Whisper Network', 'How To Find The One To Break Your Heart') ist das hier zu Hörende dann Komplettabriss. Und der geht bis ins Fundament, auf dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibe. Mit Riff-lastigem Semi-Postmetal schraubt Socrates das Energiepotential bis in…

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12.5
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(46:36, CD, Vinyl, Digital, Argonauta Records, 28.04.2023) Hier schneit einem eine waschechte Überraschung ins Haus. Nautha aus der ewigen Stadt Rom verquicken auch auf ihrem zweiten Album atmosphärischen Post Rock mit Art und Progressive Rock und wirken tatsächlich wie eine italienische Ausgabe von Acts wie Riverside oder jenes Herrn Wilson, ohne sich jedoch zu sehr darauf festtackern zu lassen. Im Gegensatz zum noch italienischsprachigen Debüt "Tutti i Colori del Buio" singt Frontmann Antonio Montellanico dieses Mal auf Englisch, was dem Trio durchaus internationalere Reputation verschaffen könnte. Meisterhaftes Gitarrenspiel kulminiert hierbei mit einem hohen Melodiegehalt der Songs, traumwandlerischen Atmos und weithin…

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10.0
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(47:37, CD, Vinyl, Digital; Pelagic Records/Soulfood, 17.11.2023) "I got tired of discarding ideas I've written that didn't fit PG.LOST, but at the same time were too good for my ears to throw away. PG.LOST as a collective works at a relatively slow pace, while I by default write music all the time... so eventually it became clear to me that I needed a new outlet for all those ideas." Kristian Karlsson, sonst auch bei Cult Of Luna Tasten-mäßig unterwegs, ging es nicht schnell genug, seine Ideen bei seinem zweiten Projekt PG.Lost einzubringen. Reichlich frustriert ob dieses Innovationsstaus ließ der Synthesist…

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12.0
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(45:36, CD, Vinyl, Digital; Ripple Music, 17.11.2023) A band from Manchester! Der Ritual King kommt erst einmal mit ungestümer Wucht, um später klarzustellen, dass man das Sensible, Melodische auch kann. Mit seinem zweiten Album bereitet uns der Ritual King ein bekömmliches Amalgam aus Riff-betontem Stoner Rock, fluffiger Psychedelic und dezentem Prog – eine fast schon unheilige Allianz, welche die Tunes eben ins Uferlose streben lässt Die fünf sieben- bis elfminütigen Elaborate beeindrucken mit melodiösem Einfallsreichtum und dennoch losgelöster Handbremse. Schon ein 'Flow State' zeigt mit seinem Akustikgitarrenintro, dass man nicht zwingend auf Krawall gebürstet ist, sondern sich - mit Ansage…

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11.8
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(63:09, CD, Digital; Bird’s Robe Records/Just For Kicks, 2021/27.10.2023) Gar mächtig stapft Baumbart durch die Wälder Australiens, die eigentlich mehr Dschungel als Tann sind. Zwei Jahre ist "Nostalgia" schon jung, nun hat sich Bird’s Robe Records dem Debüt des Quartetts aus Melbourne angenommen, auf dass es dem Rest der Welt offenbart wird. Weil Treebeard eben genau so mächtig agieren wie die titelgebende Figur aus der Tolkienschen Fantasywelt. Treebeard schichten Sounds auf Sounds, errichten dunkel schimmernde Monolithen, die Höhen entgegenstreben, die schon einmal die Ausmaße von, um beim Thema zu bleiben, Barad-dûr annehmen können. Lässig tastet man sich in 'Flatgates' erst…

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11.0
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(47:36, Vinyl, Digital, Sound-Effect Records, 10.11.2023) Hier ist der Name Programm. Schon im Frühjahr dieses Jahres veröffentlichten Miss Mellow ihr Debütalbum auf diversen Download- und Streamingkanälen. Was insofern Wellen schlug, als dass das griechische Label Sound-Effect Records auf die Münchner aufmerksam wurde, was zur Folge hatte, dass "Miss Mellow" nun als Vinyl ein psychisches Release erfährt. Was auch Sinn macht, fährt der bayerische Vierer doch den smoothesten psychedelisch infizierten Sound seit es eben psychedelisch infizierte Sounds gibt. Dafür bestieg die Miss die Zeitkapsel, um sich 50 bis 55 Jahre zurück zu teleportieren. Um dann wieder im Hier und Jetzt angekommen…

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9.0
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(42:07, CD, Vinyl, Digital; Les Disques Dure Vie/Cargo Records, 13.10.2023) Etwas anspruchsvoller Lärm gefällig? Mertin Hoëk und Gabriel Lapierre haben es sich auf die Fahnen geschrieben, mit Crabe einen Stil loszutreten und zu entfachen, der hier der Einfachheit halber mit Art-Punk beschrieben wird. Dabei hat das Duo aus Montreal weitaus mehr zu bieten als auf zwei Silben reduziertes Schubladendenken. Aber irgendwie muss man einem Biest wie "Visite Du Temple Inné" ja habhaft werden. Mit der ungebändigten Energie und dem Klirrfaktor 80er Jahre Ikonen wie Big Black, dazu eine Überdosis Wahnsinn und Chaos, entfesselt man den eigenen Angaben nach den Crabismus,…

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Getriggertes Gesamtkunstwerk Die Coverfotos vom Penthouse (aufgenommen von Kadavars Lupus Lindemann), an denen schon der Zahn der Zeit genagt zu haben scheint, sind bezeichnend für das neue, zweite Zahn-Album, das als Doppelalbum erscheint. Das Berliner Trio setzt auch auf seinem zweiten Album vollkommen aufs Instrumentale und feiert in seinen mitunter reichlich ausufernden Kompositionen die Vielfalt instrumentaler Rockmusik ab. Die Tracks tragen dabei pragmatische Titel wie 'Zehn', 'Faser', 'Tabak', 'Velour' oder 'Idylle' – nichts soll von den eigenen Bildern im Kopf bei den hier inszenierten Soundtracks für imaginäre Movies in Neo-Western- und Roadmovie-Idyll ablenken. Gitarrist Felix gibt Antworten auf Fragen zu…

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