
Instrumental • Gitarren Prog • Progressive Metal • Fusion Prog
(41:44; Vinyl, CD, MC, Digital; Eigenveröffentlichung; 24.04.2026)
Mit "An Unnameable Desire" legt Plini sein mittlerweile drittes Studioalbum vor – und macht dabei etwas, das im modernen Gitarristen-Universum fast schon als subversiv durchgehen könnte: Er stellt die Musik wieder vor das Fingertraining.
Wobei „weniger verfrickelt“ hier eigentlich die falsche Abkürzung wäre. Denn streng genommen passiert weiterhin genau das, was man von Plini kennt: komplexe Strukturen, rhythmische Verschiebungen, detailverliebte Gitarrenarbeit. Nur wirkt es diesmal nicht mehr wie eine permanente Demonstration von Möglichkeiten, sondern wie ein organischer Bestandteil der Songs. Oder anders gesagt: Die technische Komplexität steht nicht weniger im Raum – sie schreit nur nicht mehr ständig „Hallo, ich bin auch noch da!“.
Der Opener 'Dorénevant' macht das direkt klar. Schwebend, atmosphärisch, fast schon Vangelis-esk in seiner Weite, eröffnet er ein Album, das weniger auf sofortige Griffbrett-Euphorie setzt, sondern auf Spannungsräume, Klangflächen und ein erstaunlich konsequentes „Durchatmen“ im Kontext instrumentaler Prog-Gitarrenmusik.
Im Verlauf zeigt sich schnell: Das Album ist nicht einfacher geworden – es wirkt nur zugänglicher. Die komplexen Passagen sind noch da, die verschachtelten Rhythmen ebenso, aber sie greifen stärker ineinander, dienen dem Fluss, statt ihn zu unterbrechen. Selbst in den härteren Momenten, in denen es durchaus ordentlich kracht, bleibt das Gefühl erhalten, dass hier jemand nicht mehr primär beeindrucken, sondern erzählen will.
Genau darin liegt die eigentliche Verschiebung: "An Unnameable Desire" fühlt sich songorientierter an, ohne tatsächlich in klassische Songstrukturen zu kippen. Es ist eher ein Perspektivwechsel als eine stilistische Zähmung. Die Musik wirkt weniger wie ein Showcase für Virtuosität und mehr wie ein durchkomponiertes, atmosphärisch verdichtetes Gesamtbild.
Das bedeutet auch: Wer hier die große „Gitarren-Extravaganza“ erwartet, wird sie zwar noch finden – aber sie steht nicht mehr im Vordergrund. Die Fingerfertigkeit ist da, sie ist sogar weiterhin beeindruckend, aber sie ist eingebettet, integriert, funktionalisiert. Und genau dadurch verliert sie paradoxerweise nichts an Wirkung, sondern gewinnt eher an Selbstverständlichkeit.
Unterm Strich ist das vielleicht die spannendste Entwicklung im Œuvre von Plini: Weg vom reinen Staunen, hin zum Hören. Oder zumindest hin zu einem Album, das nicht mehr vorwiegend von der Frage lebt, wie etwas gespielt wird, sondern zunehmend davon, warum es so klingt.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Plini Roessler-Holgate - Guitar
• Simon Grove - Bass, Auxiliary Guitar
• Chris Allison - Drums, Percussion
• Dave McKay - Piano, Keyboards, Synthesizers
• A.J. Minette - String Arrangement
Gastmusiker:
• Misha Vayman - Violine
• Yoshi Masuda - Cello
• Jakub Zytecki - Gitarre Solo ('Ciel')
• Emily Hopkins - Harfe ('After Everything')
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Hold Tight zur Verfügung gestellt.

