
Progressive Rock • Classic Rock
(42:25; Vinyl, CD, Digital; InsideOut Music/Sony Music; 15.05.2026)
Crown Lands liefern mit "Apocalypse" keine einfache Progplatte ab, sondern gleich ein komplett ausgebautes SciFi-/Fantasy-Universum inklusive Drachenreitern, Dyson-Sphären, KI-Singularitäten und intergalaktischen Syndikaten. Irgendwo dürfte vermutlich ein Whiteboard existieren, auf dem Kevin Comeau und Cody Bowles mit ernster Miene versucht haben, 19 Minuten Titeltrack in „logisch nachvollziehbare kosmische Katastrophenabschnitte“ einzuteilen.
Dass das Ganze als „album sides narrative experience“ gedacht ist, passt dabei perfekt. "Apocalypse" versteht sich weniger als Sammlung einzelner Songs denn als fortlaufende Space-Opera, die direkt an "Fearless" und die beiden deutlich meditativeren "Ritual"-EPs anschließt. Wo letztere noch Ambient, Tribal-Rhythmen und psychedelische Klangflächen erkundeten, fährt "Apocalypse" nun endgültig die komplette Prog-Endzeitmaschinerie hoch.
Musikalisch bewegen sich Crown Lands dabei weiterhin tief in der Tradition von Rush — sind halt Kanadier. Das Duo trägt seine 70er-Referenzen so ungeniert vor sich her, dass man gelegentlich meint, das Album sei irgendwo zwischen Analogband und Zeitmaschine direkt aus dem Progrock-Archiv entlaufen.
Neben Rush haben aber auch Led Zeppelin deutliche Spuren hinterlassen, was besonders deutlich in 'Through The Looking Glass' zu hören ist.
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Trotzdem bleibt "Apocalypse" erfreulich energiegeladen und erstaunlich hookorientiert. Gerade Stücke wie ‘Blackstar’ zeigen, dass Crown Lands bei aller Lore-Verliebtheit eben auch ziemlich zwingende Heavy-Prog-Hymnen schreiben können.
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Und dann wäre da natürlich noch Cody Bowles’ Stimme. Irgendwo zwischen Justin Hawkins, Geddy Lee und David Surkamp angesiedelt, gehört sie definitiv zur Kategorie „Love it or hate it“. Gerade in den hohen Lagen wird das mitunter ziemlich grell. Gleichzeitig passt dieses leicht fiebrige Organ erstaunlich gut zu Crown Lands’ Hang zum maximalen Pathos. Ich selbst brauche den Gesang bei dieser Band nicht unbedingt — gerade nach den starken instrumentalen "Ritual"-EPs. Wirklich schmälern kann sie den Hörgenuss letztlich dennoch nicht. Dafür wohnt Bowles’ Stimme trotz aller Schrillheit ein eigenwilliger Charme inne, der sich mit der Zeit überraschend hartnäckig festsetzt.
Inhaltlich schwankt "Apocalypse" permanent zwischen galaktischem Nerdtum und erstaunlich direkter Gegenwartskritik. Hinter all den Dragon Riders, Blackstars und Sternenkriegen stecken letztlich Themen wie Überwachung, Militarisierung, Radikalisierung und technokratische Kontrolle. „We’ll tell you what to think“ bringt die Platte dabei teilweise klarer auf den Punkt als sämtliche Lore-Texte rundherum.
Ganz frei von déjà-vu-Momenten bleibt das Album allerdings nicht. Der Beginn von 'The Fall' klingt beispielsweise derart nach Porcupine Tree, dass Steven Wilson vermutlich kurz irritiert Richtung Kanada geblickt hat. Wirklich schlimm ist das nicht — zumal Crown Lands ihre Referenzen nie verstecken wollten.
Besonders geschmackvoll gerät das Flötenspiel in 'The Revenants I', das sich mit feinem Gespür zwischen atmosphärischer Zurückhaltung und erzählerischer Tiefe bewegt.
Der 19-minütige Titeltrack bündelt schließlich alles, was Crown Lands derzeit ausmacht: Größenwahn, Spielfreude, Überambition und ehrliche Begeisterung für klassischen Prog Rock. Das ist manchmal ein bisschen drüber, oft beeindruckend und erstaunlich selten peinlich.
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Oder anders gesagt: "Apocalypse" ist genau die Art von Album, bei der man nie ganz weiß, ob man gerade einer großen Kunstform oder einer sehr teuren Pen-&-Paper-Kampagne lauscht. Vermutlich ist es beides.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Cody Bowles - Vocals, Drums & Percussion, Ney Flute, Pentatonic Flute
• Kevin Comeau - Six & Twelve String Electric & Acoustic Guitar, Bass Guitar, Minimoog,
Oberheim OB6 Synthesizer, Taurus Pedals, Mellotron
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

