
Progressive Black Metal
(41:53; Vinyl, CD, Digital; Nuclear Blast, 30.10.2026)
Wenn es um progressiven Black Metal geht, führt wohl kein Weg an Enslaved vorbei. Seit 35 Jahren im Geschäft und mittlerweile bei ihrem 17. Studioalbum angekommen, treten die Norweger weiterhin nicht auf der Stelle. Progressivität bleibt dabei Leitmotiv und ist keine bloße stilistische Formel.
Das akustische Intro 'Non-Being' lässt zunächst offen, wohin die Reise geht. Folk, Black Metal oder doch etwas ganz anderes? 'I Am Ice' gibt die Richtung vor: Indigener Gesang, Prog-Rock-Elemente und treibende Rhythmen treffen auf keifenden Gesang und druckvolles Riffing. Progressiv im wahrsten Sinne des Wortes, zugleich ein Schritt zurück zu den Black-Metal-Wurzeln. 'Solar Will' legt mit treibenden Riffs, einprägsamen Melodien und dem Wechsel zwischen harschen Vocals und Klargesang nach. So klingt eingängiger Old-School-Black-Metal.
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'Mountain' steigert sich von einem akustisch-melancholischen Beginn zu einem düsteren, schweren und groovigen Höhepunkt. Besonders faszinierend ist 'Spirit Helper' mit Kevin Kicking Woman vom Volk der Siksika, in der Englischen Sprache auch als **Blackfoot** bekannt. Skandinavischer Black Metal und Gesangstraditionen der indigenen Bevölkerung Nordamerikas? Was auf dem Papier äußerst schräg klingt, ist für mich einer der spannendsten musikalischen Brückenschläge seit Zeal & Ardor, die afroamerikanische Gospel- und Spiritual-Traditionen mit Black Metal verbanden. Die Verdichtung zum metallischen Finale macht das Stück zum Albumhighlight.
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Mit 'Parting' folgt gleich der nächste Kracher: Perlendes Piano, Hammond-Sound und ein ausladendes Gitarrensolo treffen auf rasende Wut und melodische Schönheit. Progressiver Black Metal, wie man ihn mag – und das über acht Minuten. 'Tales Of Trees' verbindet schwermütige Melodien und harmonischen Klargesang mit aggressiven Ausbrüchen.
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Das epische Finale 'I Miðju' bündelt schließlich noch einmal die Trademarks der Band: harsche und melodische Vocals, wuchtige Riffs und majestätische Klangflächen.
Im Vergleich zum bisweilen verkopften und ausufernden "Heimdal" klingt "Mið" erdiger, direkter und grooviger, ohne die progressive Experimentierfreude über Bord zu werfen. Gerade die Zusammenarbeit mit Kevin Kicking Woman zeigt, wie reizvoll Enslaved ihren Klangkosmos erweitern können. Schade nur, dass es bei diesem Ausflug bleibt. Von solchen Begegnungen, mehr indigenen Einflüssen und musikalischen Grenzüberschreitungen hätte "Mið" gerne noch eine Schippe mehr vertragen. Nach 35 Jahren und 17 Alben ist die Band jedenfalls noch lange nicht dort angekommen, wo man sie musikalisch schon vermuten könnte – und das ist durchaus als Kompliment gemeint.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung
• Grutle Kjellson - Gesang, Bass
• Ivar Bjørnson - Gitarre, Keyboards
• Arve Isdal - Gitarre
• Håkon Vinje - Keyboards, Gesang
• Iver Sandøy - Schlagzeug, Gesang
Gastmusiker
• Johan Sara Jr. - Joik-Gesang ('I Am Ice')
• Kevin Kicking Woman - Gesang ('Spirit Helper')
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Nuclear Blastzur Verfügung gestellt.

