Neo Kraut • Wave • Electronic Pop
(42:15; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 16.10.2026)
War mein erster Hörversuch noch irritiert, sammelten sich die folgenden Runden zu einem Bild zwischen "Verwandlung Im Schlaf" von Ornamental, der experimentell abgefahrenen Atmosphäre der Legendary Pink Dots, den kruden Aufführungen von Die Wilde Jagd und alten EBM-Echos von DAF. Etwas Post Punk, Wave, knackige Electro-Clash-Tanz-Einlagen, moderner Krautrock und im Kern eine strange Hypnotik, die nach der anfänglichen Irritation ob des Sanges-Vortrags temporär richtig gut reinfährt in gewissen Momenten. Mit subtiler Gesellschaftskritik, eigenwilliger Melodik erfährst Du in den deutsch gesungenen Songs einiges über den Umgang mit täglichen Ritualen, Verzicht, digitale Enthaltsamkeit, alltäglichen Absurditäten, Aberglaube, Komfortzonen und wie wir Menschen es eigentlich regelmäßig an die Wand fahren, ist uns unsere tägliche Bequemlichkeit und falscher Wohlstand meist wichtiger als hier und da einen konsequent gedrückten Reset-Moment zu erzeugen.
Mir gefallen die knochentrockenen Beats, die driftend perlenden New-Wave-Gitarren exemplarisch in 'Knoten Im Taschentuch', ein dezenter Spaghetti-Western-Move und diese abgefahren-schrägen Vocals, die sich mit mahnender Theatralik nach und nach in den Hörgängen einnisten. 'Klimakreisel (energie hat ihren preis)' ist so ein fieser, eingängiger Grower, bei dem sich flirrend-trippige Wave-Gitarren, danciger New Wave/Electronic Pop (New Order lassen des Öfteren grüßen) und krautiger Pop gegenseitig in schwindelerregende Höhen hochspulen. All dies setzt sich mit einer frechen, monotonen, sehr eigenwillig inszenierten Chose schwer im Ohr fest und hallt auf schnittige Weise für Stunden nach.
Die Musik groovt unnachahmlich und ähnlich der abgefahrenen Ornamental beißen sich viele der schrägen Songs wie Zecken im System fest. Monotonie, Hypnotik, dreckig tanzbare Bass-Moves, angenehm frech und Lo-fi, ein schrullig elektronischer Pop-Sound des Duos, der einfach alle möglichen Einflüsse herzitiert und damit am Ende einen sehr eigenständigen Touch erfährt. Ob chillig atmosphärischer Dub/Funk in 'WER WENN NICHT WIR (hat genug)', Western-Trash meets Elektronik Pop in '40.000 Sonnen (ein ganzes leben)' oder trippiger, rauschhafter Wave-/Dance-Groove im Schlussstück, alles hat hier seinen ganz eigenen experimentell/freakig-tanzbaren, aber eingängigen Charme, der mir an vielen Stellen richtig gut gefällt, brauen die Jungs doch ihr ganz eigenes, stimmungsvolles Art-Pop-Ding. Wie all die vielen Elemente in einem schlüssigen Kern zusammenfinden, macht Spaß beim Hören. Alles etwas anders, frech und unbekümmert, unkonventionell, lässig und bunt, melancholisch und hypnotisch.
Bewertung: 10/15 Punkten
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Besetzung:
• Stefan Carl - Bass/Gitarre
• Dr. Daniel von Rüdiger - Vocals, Elektronik
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Abbildungen: 0101/Bandcamp


