Shoegaze • Alternative Rock• Noise Pop
(41:50; Vinyl, CD, Digital; Fantasy/Concord/Universal; 30.10.2026)
Ich liebe Shoegaze, bin in den Neunzigerjahren unendlich oft durch den Herzschmerz der frühen Slowdive gestolpert, habe auch den kruden Genre-Klassiker "Loveless" von My Bloody Valentine aufgesaugt und freue mich auch heute über jede gut aufgestellte Newcomer-Band in diesem Genre. Die Amis von DIIV gehen seit bald 15 Jahren ihren erfolgreichen Weg, füllen längst größere Venues mit ihrem eingängigen Alternative Pop, der Noise/Grunge, Dream Pop und viel Shoegaze mit poppigen Melodien zusammenbringt. Mich haben die früheren Releases der Band nie kaltgelassen, waren sicher gut anzuhören und ja, auch "Zirp!" geht maximal gut ins Ohr, kein Song verfehlt die Ziellinie. Die verschobene Art von My Bloody Valentine gibt's zuhauf, nur ohne deren kaputten Status Quo zu erreichen – schöngeistig schwebende Nuancen wie bei den aktuellen Slowdive hat man auch zuhauf im Gepäck, und so ertappe ich mich auch oft dabei, diesem neuen Album mehr als nur ein wohlwollendes Ohr zu schenken.
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Denke ich an zwei frühe Jahres-Releases wie die von The Twilight Sad und The Haunted Youth – deren schmerzhafte Rauschmomente, die bittersüße Melancholie, all die Brüche und Wehmut –, dann weiß ich, was mir trotz aller Qualität bei DIIV fehlt. Sicher, ohne Weiteres werden die Amis die alternative Zuhörerschaft mit dieser Platte glücklich machen. Dies gelingt den Süßholz-Schmachtern von Cigarettes After Sex mit ihrer berechenbaren Melancholie ebenfalls so gut, dass in Berlin die größten Hallen gefüllt werden. Mir persönlich fehlen hier einfach die echten Schmerzmomente, der innere Aufschrei, die jubelnden Euphorie-Momente, die diese Art Musik benötigt, um mich für einen Moment gleichzeitig völlig kaputt, aber glücklich zurückzulassen.
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Süßliche Pop-Songs wie 'Kids' oder 'Underground' sind mir schon zu nah am Mädchen-Pop von Cigarettes After Sex, klingen natürlich gemütlich, kuschlig und schön melancholisch. Alles verläuft harmonisch, der noisige Hauch von MBV ist stets präsent, wird aber insgesamt von einer Pop-Rock-Produktion mit aller Vernunft in jeden notwendigen, sicheren Hafen manövriert.
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Schön trippy, warm und umarmend ist das alles schon, der sanfte Gesang passt hervorragend, die Elektronik im Hintergrund bettet warm. Nur bleibt beim Dargebotenen der innere Crash aus, den ich bei dieser Art Schwebesound so liebe und brauche. Also ignoriere ich all die vielen Presseworte innerhalb der Promotion und habe keine Schmerzen, dieses Album für die Generation "The New Alternative" zu empfehlen. Für einen Klassiker ist all das hier viel zu gleichförmig, zu sehr auf Nummer sicher und macht nichtsdestotrotz dank guter Songs eine richtig gute Figur.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult Promotion zur Verfügung gestellt.


