
Alternative Rock • Stoner Rock • Art Rock • Psychedelic Rock
(36:24; Vinyl, CD, Digital; Matador Records/Beggars Group; 30.10.2026)
Die Queens Of The Stone Age haben ihren musikalischen Horizont erweitert. Als jemand, der die Band vornehmlich aus den Neunzigern und von ihren großen Platten der frühen 2000er kennt, hätte ich sie auf "Perfecth" stellenweise beinahe nicht wiedererkannt, wäre da nicht die unverwechselbare Stimme von Josh Homme. Auch ein paar Durchläufe der jüngeren Alben machen deutlich, dass Studioalbum Nummer neun andere Akzente setzt. Der typische QOTSA-Sound, der über all die Jahre das Markenzeichen der Kalifornier war, tritt dabei merklich in den Hintergrund. Schwere Riffs und psychedelische Wüstenatmosphäre sind zwar noch vorhanden, bestimmen aber längst nicht mehr das Gesamtbild. Wer die Band vor allem mit "Songs For The Deaf" verbindet, dürfte sich zunächst auf einige ungewohnte Klänge einstellen. Dabei hatte schon die gemeinsame Arbeit an "Alive In The Catacombs" und die anschließende Tour angedeutet, dass die Queens inzwischen auch andere musikalische Seiten ausloten.
Stattdessen setzt "Perfecth" auf melancholische Intimität und emotionale Offenheit. Orchestrale Arrangements in 'It's Only Love', souliges Flair in 'Insignificant Other', funkige Grooves bei 'Where The Goth Girls At?', psychedelische Schlenker in 'Mono' und eine akustische Ballade wie 'From The Cliff' bilden nur einen Teil des stilistischen Spektrums.
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Iggy Pop-artiger Rock'n'Roll in 'Sunday' findet auf "Perfecth" ebenso seinen Platz wie mit Flamenco-Sounds geschwängerter Americana in 'Easy Street'.
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Dazu gibt es mit 'Phantom Limb' akustischen Grunge wie aus besten MTV-Unplugged-Zeiten. Zum Abschluss verbindet 'Run Away From The Mob' Americana, Blues, Jazz und Alternative Rock'n'Roll, wobei Dave Grohl am Schlagzeug dem Ganzen noch eine markante Kante verpasst.
Auch textlich geht es um Bruchstücke und deren Zusammenfügen. Das japanische Kintsugi, bei dem zerbrochene Keramik mit Gold repariert wird, liefert dafür das Leitmotiv. Die Songs kreisen um Liebe, Verlust, Abhängigkeit und das Loslassen: 'Insignificant Other' handelt vom Umgang mit Verletzungen und emotionaler Distanz, 'Mono' von kaum zu ertragender Abwesenheit, 'Phantom Limb' von Einsamkeit und dem Eingeständnis, Hilfe zu brauchen. Daneben nimmt 'Sunday' alltägliche Selbstoptimierung aufs Korn, während 'Run Away From The Mob' Gruppenzwang und Manipulation thematisiert. Homme lässt gesanglich mehr Verletzlichkeit zu, ohne seine charakteristische Lässigkeit vollständig abzulegen.
Entsprechend häufig muss ich an andere denken: Nirvana in ihren besten Unplugged-Momenten, die Rolling Stones, Iggy Pop, David Bowie, Them Crooked Vultures, Lou Reed, Mark Lanegan und gelegentlich sogar die Beatles. Nur an die Queens selbst denke ich erstaunlich selten. Das ist durchaus bemerkenswert, schließlich hat mich gerade der unverwechselbare Groove der Band bei ihrem Auftritt in Düsseldorf im Sommer noch einmal daran erinnert, wie mühelos sie ihre klassischen Stärken auf die Bühne bringen kann. Auf "Perfecth" zeigt sich diese Vertrautheit mit einer anderen Leichtigkeit: weniger benebelt als die gewohnte Lässigkeit und mit mehr Raum für die einzelnen Songs.
Wer vor allem auf den nächsten Wüstenrock-Dampfhammer gehofft hat, wird auf "Perfecth" vermutlich nicht durchgehend fündig. Wer dagegen keine allzu festen Erwartungen mitbringt, bekommt ein Album, das mit jedem Durchlauf neue Seiten offenbart. Für mich ist diese stilistische Offenheit eine erfreuliche Erfahrung – auch wenn ich nach wie vor gelegentlich überrascht bin, wie selten ich dabei an die Queens Of The Stone Age denken muss.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Besetzung:
• Josh Homme - Gesang, Gitarre
• Troy Van Leeuwen - Gitarre
• Dean Fertita - Gitarre, Keyboard
• Michael Shuman - Bass, Gesang
• Jon Theodore - Schlagzeug
Gastmusiker:
• Nikki Lane - Gastgesang, Handclaps
• The Section Quartet - Streicher
• Richard Dodd - Cello
• Daphne Chen, Eric Gorfain - Violine
• Leah Katz - Viola
Dave Grohl - Schlagzeug (track 9)
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Beggars Group zur Verfügung gestellt.

