
Techno • EDM
(40:54; Vinyl, CD, MC, Digital; p(doom) records; 14.08.2026)
King Gizzard & The Lizard Wizard sind eine dieser Formationen, an die ich mich bisher nicht herangewagt habe und die auch auf unserer Seite mit bislang nur einer Besprechung eher stiefmütterlich behandelt worden sind. Was eigentlich bemerkenswert ist, zählen die Australier doch zu den abwechslungsreichsten und experimentierfreudigsten Bands unserer Zeit. Bekannt waren mir King Gizzard bisher vor allem aus diversen Radiosendungen, bei denen mir angesichts der schieren Menge an Tonträgern und der unendlichen Vielfalt an musikalischen Stilen, mit denen die Truppe experimentiert und die sie sich zu eigen gemacht hat, immer wieder die Kinnlade herunterklappte. An ganze Alben hatte ich mich allerdings nie herangewagt, weil ich mir irgendwann einmal die Zeit nehmen wollte, mir diese musikalische Wundertüte systematisch zu erarbeiten. Wo ich bis heute natürlich nie die Zeit dafür gefunden habe.
Vor drei Jahren landete dann eine Bemusterung in meinem E-Mail-Fach. "The Silver Chord" hieß das gute Stück und war ausgerechnet das Album, mit dem sich King Gizzard erstmals auf elektronisches Terrain vorwagten. Nach mehrmaligem Hören dieser Synthie-Pop-Platte entschloss ich mich letztendlich gegen eine Rezension. Drei Jahre später flatterte mit "Alien Metal" erneut eine Promo der Aussies in unsere Redaktion. Der Name klang vielversprechend: "Alien Metal"! Das konnte ja eigentlich nur gut werden. Also sagte ich zu.
Einen ersten Hördurchgang später bereute ich meine Entscheidung schon wieder. Denn mit "Alien Metal" gibt es nicht nur einen waschechten Etikettenschwindel, sondern tatsächlich das erste Techno-Album der wahnsinnigen Australier. Himmel, Herrje, was hatte ich mir da nur angetan?
Aber ich nahm mir vor, dieses Mal nicht wieder den Schwanz einzuziehen, und so sitze ich hier – ziemlich ratlos vor einem Album, das von meinem regulären Musikgeschmack ungefähr so weit entfernt ist wie King Gizzard vom Stillstand. Eigentlich bin ich nämlich gar nicht der Richtige für diese Musik. Elektronische Musik hört bei mir ungefähr kurz hinter Ambient und IDM auf, also genau dort, wo der Elektro anfängt, sich größtenteils über Beats zu definieren. Und genau da setzen King Gizzard mit "Alien Metal" an. Aber wer in unserer Redaktion ist das schon?
Also muss ich die Platte mit dem vergleichen, was ich rudimentär aus diesen Gefilden kenne. Und da kann ich zunächst einmal nur feststellen: "Alien Metal" klingt verdammt noch mal nach den Neunzigern. Wirklich Neues vermag ich hier nicht zu entdecken. Vor allem die Beats sind mir über weite Strecken schlicht zu wenig abwechslungsreich. Das Album wirkt dadurch weniger wie acht eigenständige Songs als wie ein einziger, ziemlich ausgedehnter Track, der irgendwann beschlossen hat, sich in acht Kapitel aufzuteilen. Was anfangs noch als hypnotischer Groove funktioniert, wird irgendwann einfach zu einem Beat, der halt weiterläuft, während man sich fragt, ob da noch etwas kommt.
Wobei King Gizzard diesen Eindruck natürlich noch zusätzlich provozieren. Die Stücke gehen allesamt nahtlos ineinander über, sodass man irgendwann ohnehin nicht mehr so genau weiß, wo der eine Track aufhört und der nächste beginnt. Und als wäre das noch nicht konsequent genug, ist "Alien Metal" gleich ein kompletter Loop: Der letzte Song geht beim Abspielen auf Repeat direkt wieder in den ersten über. Ein hübscher Effekt, der wunderbar zu einer Band passt, die offenbar selbst beim Albumformat noch der Meinung ist, die üblichen Spielregeln seien eher unverbindliche Vorschläge.
Interessanter wird die Sache für mich immer dann, wenn King Gizzard die Beats ein wenig zurücknehmen. Die spacigen Einflüsse gefallen mir ausgesprochen gut, ebenso die verfremdeten Stimmen, wie sie etwa im Titelsong auftauchen. Sie schieben "Alien Metal" ein Stück weit in Richtung Space Rock, ohne dass hier auch nur eine einzige nennenswerte Prise Rockmusik vorhanden wäre. Ein ziemlich hübscher Trick: Man nimmt dem Rock alles Rockige und lässt trotzdem ein wenig Weltraumstaub davon übrig. Auch die Verschrobenheit, für die King Gizzard bekannt sind, kann man in diesem elektronischen Kontext durchaus wahrnehmen. Die schrägen Sounds, verfremdeten Stimmen und kleinen Irritationen sorgen zumindest dafür, dass die Platte nicht völlig beliebig klingt.
Auch manche der Ambient-Passagen gefallen mir ausgesprochen gut. Hier entsteht plötzlich diese angenehm entrückte, kosmische Atmosphäre, in der die Platte tatsächlich etwas Eigenes bekommt. Leider sind diese Momente für meinen Geschmack zu selten. Denn kaum habe ich mich in einem solchen Klangnebel eingerichtet, setzt wieder der Beat ein und erinnert mich daran, warum elektronische Musik bislang eher nicht mein bevorzugtes Spielfeld ist.
Und genau da liegt für mich letztlich auch das Problem. "Alien Metal" ist zweifellos ein konsequentes Experiment und ein weiterer Beleg dafür, dass King Gizzard vor keinem musikalischen Genre zurückschrecken. Besser als durchschnittliche elektronische Kost wird das Album dadurch für mich allerdings nicht. Dafür fehlt mir schlicht die Abwechslung, und dafür sind mir weite Teile der Platte zu sehr auf diesen einen monotonen Beatfluss reduziert. Die hypnotische Wirkung, die vermutlich genau so gewollt ist, kippt bei mir immer wieder in gepflegte Langeweile.
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Das macht die Sache insofern etwas frustrierend, als ich durchaus hören kann, was King Gizzard hier versuchen. Ich höre die Konsequenz, die Atmosphäre und die Experimentierfreude. Ich höre auch, dass hier nicht einfach eine Rockband ein paar Synthesizer angeschlossen und anschließend behauptet hat, jetzt Techno zu machen. Die Australier haben sich offenbar ziemlich tief in diese Materie hineingearbeitet. Nur bringt mir das als Hörer herzlich wenig, wenn mich das Ergebnis über weite Strecken nicht wirklich packt.
Was ich der Band trotzdem hoch anrechne, ist die Sicherheit, mit der sie sich durch derart unterschiedliche musikalische Welten bewegt. Ich kenne den Backkatalog noch immer viel zu wenig, um beurteilen zu können, wie "Alien Metal" sich im Gesamtwerk schlägt. Aber allein die musikalische Spannweite dieser Band ist beeindruckend. Psychedelic Rock, Garage, Prog, Jazz, Folk, Thrash Metal, Synth-Pop und nun eben Techno – offenbar reicht die Neugier bei King Gizzard nicht einmal dafür aus, irgendwann einfach einmal mit dem zufrieden zu sein, was funktioniert.
Und genau dafür kann man durchaus den Hut ziehen. Nicht jeder Ausflug muss zum großen Wurf werden. Bei einer Band, die sich derart hemmungslos durch Genres fräst, wäre das ohnehin ein ziemlich absurder Anspruch. King Gizzard zeigen auch auf "Alien Metal", dass sie musikalisch erstaunlich sicher in fremden Territorien herumstolpern können. Nur ist dieses Territorium für mich eben leider nicht besonders wohnlich.
"Alien Metal" ist deshalb ein interessantes Experiment, das ich respektiere, aber keines, das mich nachhaltig begeistern kann. Ein paar spacige Momente, die verschrobenen Sounds und der hübsche Endlos-Loop bleiben hängen. Der Rest ist für mich vor allem ein ziemlich langer Beat, bei dem ich irgendwann wieder auf die Uhr schaue und mich frage, ob da noch etwas kommt.
Nach "The Silver Chord" habe ich also erneut den elektronischen Gizzard-Ausflug überlebt. Diesmal immerhin ohne die Rezension gleich ganz abzulehnen.
Man soll sich ja über die kleinen Fortschritte freuen.
Bewertung: 7/15 Punkten
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Besetzung:
• Stu Mackenzie - vocals/guitar
• Ambrose Kenny-Smith - harmonica/vocals/keyboards
• Cook Craig - guitar/vocals
• Joey Walker - guitar/vocals
• Lucas Harwood - bass
• Michael Cavanagh - drums
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von ADAMS zur Verfügung gestellt.

