
Experimental Rock • Math Rock • Acid Techno • Disco • Microtonal Rock • Psychedelic Rock
(36,55; Vinyl, Digital; Spectacles Bonzaï; 03.04.2026)
Man muss es den Kanadiern lassen: Nach Justin Bieber, Nickelback und Céline Dion war eine Entschuldigung längst überfällig. "Vol. II" von Angine de Poitrine ist genau das: ein nervös zuckender, herrlich überdrehter Wiedergutmachungsversuch – und leider ziemlich gut.
Wiederholung? Klar, ist ja Loop-basierte Musik. Nur hat hier offenbar niemand verstanden, dass man Loops auch wiederholen soll. Stattdessen benehmen sich die Patterns wie hyperaktive Eichhörnchen auf Acid: ständig in Bewegung, ständig kurz davor, sich selbst zu widersprechen. Die Presseinfo nennt das „dynamische Strukturen“ – was ungefähr so euphemistisch ist wie „leichte Unruhe“ bei einem Erdbeben.
Klanglich landet man ziemlich genau dort, wo es weh tut: Wenn Primus plötzlich Disco entdeckt, Daft Punk ihre Maschinen gegen mikrotonale Doppelhalsgitarren tauschen und King Gizzard & The Lizard Wizard beschließen, alles gleichzeitig zu machen – dann ist man bei 'Vol. II".
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Und nein, auf einzelne Songs gehe ich hier bewusst nicht ein. Nicht, weil es nichts zu sagen gäbe – sondern weil mich dieses Album nach wenigen Minuten zuverlässig in einen Zustand versetzt, in dem Trackgrenzen ungefähr so sinnvoll erscheinen wie Genrebezeichnungen. Alles fließt, alles zuckt, alles will gleichzeitig passieren. Wer hier anfängt, Stück für Stück zu sezieren, hat entweder mehr Geduld als ich – oder den Verstand schon an der Garderobe abgegeben.
Diese „Microtonal music for people who have no clue what that is“ funktioniert dabei erschreckend gut. Man versteht nichts, aber es zwingt einen trotzdem zum Mitnicken – vermutlich, weil die Rhythmussektion stoisch durchzieht, während oben drüber alles eskaliert. Acid Techno, Disco, Rock: ja. Aber nicht als Fusion, sondern als kontrollierter Auffahrunfall.
Misikalischer Dadaismus.
Während andere maskierte Acts wie Ghost oder Sleep Token ihre Mythen aufblasen, ziehen sich Angine de Poitrine einfach Papiertüten über den Kopf und sparen sich den Rest. Keine Lore, kein Pathos – nur spielen, eskalieren, fertig.
Unterm Strich ist das hier entweder kompletter Unsinn oder ziemlich genial – vermutlich beides gleichzeitig. Ich schwanke noch, ob ich das ernsthaft gut finde oder einfach nur beeindruckt bin, dass jemand so konsequent an der eigenen Eskalation festhält.
Wenn ich mich allerdings zwischen Poitrine und Poutine entscheiden müsste, nehme ich am Ende doch lieber die Fritten mit Gravy und Cheese Curds.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von See You In L.A. zur Verfügung gestellt.

