Sunn O))) – Metta, Benevolence • BBC 6Music : Live On The Invitation of Mary Anne Hobbs

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Sunn O))) – Metta, Benevolence • BBC 6Music : Live On The Invitation of Mary Anne Hobbs (Southern Lord, 26.11.21)(1:01:11, Vinyl/CD/Digital, Southern Lord, 2021)
Sunn O))) sind wohl die populärsten Vertreter eines Genres, das zu den unzugänglichsten der Rock-Musik gehört: Drone Metal, ein Sub-Genre des Doom, das durch seine extrem langgezogenen Töne und seine Langsamkeit gekennzeichnet ist. Musik, die nur noch in Ansätzen etwas mit Musikalität zu tun hat und durch ihre stark verzerrten Gitarren und oft synthetischen Soundcluster vielleicht am besten als abstrakte cineastische Klangverfremdung beschrieben werden kann. Ein Genre, dass definitiv nicht für jedermann geeignet ist, aufgrund seiner Andersartigkeit jedoch die Aufmerksamkeit aufgeschlossener Hörer verdient hat.

Dass Drone im allgemeinen und vor allem Sunn O))) als Speerspitze der Bewegung eine größere Öffentlichkeit verdient hat, das muss sich wohl auch Mary Anne Hobbs gedacht haben, ihres Zeichens Musikjournalistin und DJ bei BBC Radio 6Music. Und so kam es, dass Hobbs das aus Seattle stammende Duo im Jahre 2019 zu einer Live-Session an Samhain zu sich in die Sendung einlud. Die US-Amerikaner folgten dem Ruf der Radio-Moderatorin und betraten die legendären John Peel-Studios, um diese mit Freigeist und Experimentierfreude zu füllen. So entstand ein einzigartiges Live-Dokument, das dem ohnehin schon unvergleichlichen Sound der Washingtoner noch neue Facetten hinzufügt.

So gewinnen die beiden, jeweils ungefähr fünfzehnminütigen Neuinterpretationen des 2019 “Pyroclasts”-Albums deutlich an Tiefgang, da Anna von Hauswollf dafür nicht nur an den Nord C2D Synthesizer als Gastmusikerin gebeten werden konnte, sondern, weil sie die beiden Stücke obendrein mit ihrer Stimme bereichert. Während diese beim Opener ‘Pyroclasts F’ sinister und unheimlich erscheint, bildet sie beim anschließenden ‘Pyroclasts C#’ so etwas wie einen hellen Gegenpol zu den finsteren Drones und Orgelklängen.

Zudem zeigen sich Stephen O’Malley und Greg Anderson und Mitstreiter beim abschließenden, vom 2018er “Life Metal”-Album stammenden, ‘Troubled Air’ so experimentierfreudig wie selten, sodass das ursprünglich elfminütige Stück in dieser Live-Fassung auf über eine halbe Stunde aufgeblasen worden ist. Langweilig wird es dabei trotzdem nicht, da dem Titel durch die von Stephen Moore gespielte Posaune ein Instrument hinzugefügt worden ist, das die ausufernden Soundcapes der Nordamerikaner um organisch klingende Klangfarben zu ergänzen weiß.

Teapot of the Week

“Teapot of the Week” auf Betreutes Proggen in der KW47/2021

Alles in allem natürlich auch weiterhin keine leichte Kost für den Otto-Normalhörer, aber vielleicht ein geeigneter Einstieg für Drone-Neulinge. Und für Fans der Band ein definitives Must-Have. Schön, dass es noch DJs gibt, die sich trauen, so etwas im Radio zu spielen. Auch wenn es so etwas wie ein Helloween-Special war.
Bewertung: 13/15 Punkte (FF 13, KR 12)

Tracklist:
1. ‘Pyroclasts F’ (15:10)
2. ‘Pyroclasts C#’ (14:14)
3. ‘Troubled Air’ (31:47)

Besetzung:
Stephen O’Malley (Electric Guitar, Minimoog Model D synthesizer)
Greg Anderson (Electric Guitar, Sequential Circuits Prophet-5 synthesizer)
Tos Nieuwenhuizen (Moog Rogue synthesizer)
Stephen Moore (Trombone, Roland Junior-106 (mod) & Nord Stage (gaffed black) synthesizers)
Tim Midyett (Electric Bass Guitar, Roland Juno-106 synthesizer)

Gastmusiker
Anna von Hausswolff (Voice & Nord C2D synthesizer – Tracks 1 & 2)

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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