Rage – Resurrection Day

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(50:11, CD, Vinyl, Digital, Steamhammer/SPV, 2021)Rage - Resurrection Day (SPV, 17.09.21)
Rage haben schon so ziemlich alles, was man im traditionellen Metal machen kann, ausprobiert. Speed- und Thrash Metal in der frühen Phase, Power Metal im amerikanischen Sinne à la Vicious Rumours, Symphonic Metal, der seinen Namen auch tatsächlich verdiente, verfrickelten Prog-Metal und immer wieder klassischen, Priest-lastigen Heavy Metal. Dass das alles dennoch immer nach Rage klingt, ist der Verdienst von Bandboss und Gründungsmitglied Peavy Wagner, dessen charismatischer Gesang nicht nur über hohen Wiedererkennungswert verfügt, sondern den Songs immer wieder eine angenehme Bodenständigkeit beschert, die auch Experimente und Anspruchsvolles nie verkopft klingen lassen.

Auf dem neuen Album „Resurrection Day“ agiert die Band nun wieder in Quartettstärke. Gitarrist und Sympathiebolzen Marcos Rodriguez hat die Band bekanntlich letztes Jahr aus „persönlichen und privaten“ Gründen verlassen – Rage-untypisch ausnahmsweise einmal ohne Streit und Gossip. Die Neuzugänge Jean Bormann und Stefan Weber machen auf „Resurrection Day“ natürlich rein technisch einen ordentlichen Job – was allerdings noch ausbleibt, ist das Setzen eigener Duftmarken. Man könnte sogar argumentieren, dass die Gitarrenarbeit diesmal für Rage-Verhältnisse relativ unspektakulär ausgefallen ist und nicht selten eher an Grave Digger oder Accept erinnert als an die traditionell immer höchst eigenwilligen Stilistiken der bisherigen Rage-Klampfer wie eben Marcos, Victor Smolski, Jochen Schroeder (R.I.P.) oder gar dem ewig unterbewerteten Manni Schmidt.

Ansonsten hat sich aber im Vergleich zum Vorgänger „Wings Of War“ überraschend wenig verändert. Auch 2021 gibt es eine mit ordentlich Schmackes gespielte Mixtur aus allem, was Rage bislang so getrieben haben – nur die Frickeleien der Terrana/Smolski-Ära bleiben außen vor. Das Gaspedal wird erfreulicherweise immer noch oft genug durchgetreten, auch bei den orchestrierten Symphonic-Metal-Stücken spendiert Drummer Lucky Maniatopoulos regelmäßig großzügige Doppelbass-Arschtritte, die verhindern, dass das alles zu süßlich wird. ‚Black Room‘ ist die „übliche“ Rage-Ballade, ansonsten gibt’s eigentlich durchweg auf die Mütze. Ausfälle gibt es nicht wirklich – auch wenn die Black-Metal-Keifereien im ansonsten ordentlichen ‚Arrogance And Ignorance‘ Peavey genauso wenig zu Gesicht stehen wie die Death-Grunts auf dem „21“-Album. Den Versuch, Neues einzubringen, muss man hingegen ungeachtet des Ergebnisses durchaus loben, denn es fällt bisweilen auf, dass Rage heuer doch ein wenig zur Wiederholung tendieren. So drängt es den Hörer, in der Strophe von ‚Extinction Overkill‘ einfach die Lyrics von ‚Higher Than The Sky‘ zu singen. Und ‚Monetary Gods‘ recycelt für die Strophenmelodie Visages Synthpop-Klassiker ‚Fade To Grey‘, kann aber mit einem ziemlich fetten, hymnischen und ganz eigenständigen Refrain das Ruder wieder weitgehend herumreißen. Beim siebenundzwanzigsten Studioalbum (die als Avenger, Refuge und Lingua Mortis Orchestra veröffentlichten Alben mitgezählt) kann das aber fraglos schon einmal passieren und trübt nicht den guten Gesamteindruck.

„Resurrection Day“ ist also ein erneut überzeugendes Album geworden, dass sich vielleicht nicht mit den Highlights der Bandgeschichte wie „Reign Of Fear“, „Trapped!“, „Black In Mind“ oder „The Devil Strikes Back“ messen, aber problemlos mit der aktuellen Alte-Schule-Metal-Konkurrenz mithalten kann. Ähnlich wie bei Kollegen wie Tankard oder Overkill bekommt man von Peavy respektive Rage eben immer Qualität serviert – ohne Überraschungen, aber auch schon seit Jahren weitgehend ohne Fehltritte.
Bewertung: 11/15

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Abbildung: Rage / SPV / Oktober Promotion

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Rage – Resurrection Day

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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