Michał Łapaj – Are You There

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(62:00, Vinyl, CD, Mystic Production, 2021)
Beinahe unauffällig erreichte uns dieser Tage aus dem Umfeld von Riverside eine weitere Solo-Veröffentlichung. Allerdings diesmal nicht von Mariusz Duda, der mit Lunatic Soul schon seit einigen Jahren recht erfolgreich unterwegs ist, nein. Diesmal wandelt Keyboarder Michał Łapaj auf Solopfaden und präsentiert uns nach einigen Demos und Singles mit “Are You There” einen durchaus interessanten ersten offiziellen Longplayer, gänzlich ohne seine Mitstreiter von Riverside, stattdessen mit illustren Gästen wie Antimatter-Chef Mick Moss und der polnischen Sängerin Bela Komoszyńska.

Mick Moss ist es dann auch, der bereits nach dem instrumentalen Opener, mit dem melancholischen ‘Flying Bird’, dem grandiosen, mit schleppender Elektronik versehenden ‘Shattered Memories’ und seinem typisch anklagenden Vibrato die auf “Are You There” durchgehend herrschende Atmosphäre kennzeichnet.

Sängerin Bela Komoszyńska übernimmt sehr überzeugend mit dem dramatisch schönen ‘Shelter’, das sich kurze Zeit später in einen Klangkosmos auflöst, denn ‘Where Do We Run’ ist ein 10 minütiges Sammelsurium aus Verweisen an die Größen der elektronischen Musik, allen voran Jean-Michel Jarre, und sorgt bei Fans dieser Klänge mit Sicherheit für ein leichtes euphorisches Zucken im Mundwinkel.
Auch Leute, die auf Solo-Gesang-Eskapaden a la Floyds “The Great Gig In The Sky” abfahren kommen tatsächlich auf ihre Kosten. Bei ‘Fleeting Skies’ zaubert erneut die zauberhafte Bela Komoszyńska mit ihrem eindrucksvollen, voluminösen Gesang eine Art Entenpelle auf den buckeligen Rücken des schriftsetzenden Betreuers.

Es folgen im letzten Drittel des ersten Soloalbums von Michał Łapaj (der ohrenscheinlich doch einen größeren Einfluss auf den Riverside-Sound zu haben scheint als man dachte) noch einige starke Instrumentals, darunter das in üppigen elf Minuten schwelgende ‘In Limbo’, das sehr mitreißende, energiegeladene ‘Unspoken’, das für Fans elektronischer Sequenzen prädestinierte ‘Surfacing’ und ein ruhiges, atmosphärisches Outro mit ‘From Within’.

Auch wenn wir Progger es oft bei Soloalben von Keyboardern schwer haben – man erinnert sich unweigerlich an diesen einen, der zusammen mit Phil und Mike in dieser einen Band gespielt hat -, wird man es mit Michał Łapaj deutlich leichter haben. Starke Songs, ausdrucksstarke Gastsänger:innen und mitreißende, spannende Instrumentals halten sich angenehm die Waage und machen “Are You There” zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen, nicht nur für Fans elektronischer Musik, sondern auch für Fans seiner Hauptband. Tolles Debüt!
Bewertung: 12/15 Punkten

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Über den Autor

Geschmacklich bin ich eigentlich schlecht in irgendeine Schublade einzuordnen. Ich mag sehr viele verschieden Arten von Musik, solange sie für mich einen gewissen Anspruch hat, mich interessiert, fesselt und vor allem berührt.

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Michał Łapaj – Are You There

von Michael Büttgen Artikel-Lesezeit: ca. <1 min
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