Anders Buaas – Tarot

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Anders Buaas – Tarot (Apollon Records, 25.06.2021)

Credit: Verena Waddell

(1:16:40, Vinyl, CD, Apollon Records, 2021)
Anders Buaas ist in der Vergangenheit vor allem als Touring-Gitarrist der Metal-Legenden Paul DiAnno (ex-Iron Maiden) and Tim ‚Ripper‘ Owens (ex-Judas Priest) in Erscheinung getreten. Doch Metal ist nur eine Facette des vielseitigen Gitarrenspiels des norwegischen Musikers. Und so ist sein Solo-Album „Tarot“ eines der abwechslungsreichsten Gitarrenalben des Jahres geworden, denn Buaas Spektrum umfasst eine stilistische Bandbreite, die von Western über akustischen Folk bis hin zu wundervollen Solo-Eskapaden reichen.

Zudem wurde „Tarot“ wie einst einst „Tubular Bells“ in kompletter Eigenregie eingespielt, denn Buaas zeigt sich nicht nur für die gesamte Gitarrenarbeit verantwortlich, sondern auch für Bass, Mandoline, Banjo, Schlagzeug, Perkussion, Glockenspiel, Keyboards und Theremin. Es ist nicht die einzige Parallele zu Mike Oldfields bahnbrechendem Debütalbum, denn der Name „Tubular Bells“ springt einem beim Hören förmlich entgegen. Nicht etwa weil der skandinavische Musiker Anders Buaas auf seinem neuesten Output versucht, das Überwerk Mike Oldfields zu imitieren, sondern vielmehr weil beide Alben eine ähnliche Stimmung vermitteln.

„Tarot“ ist nicht das erste Album des End-Vierzigers aus Larvik, doch es ist seine bisher vielleicht ambitionierteste Platte. So geht Buaas auf „Tarot“ künstlerisch noch einen Schritt weiter als auf seiner „The Witches Of Finnmark“-Trilogy, welche sich mit der Hexenverfolgung des 16. und 17. Jahrhunderts beschäftigte. Denn „Tarot“ ist kein reines Musik-Album, sondern eine Co-Operation mit der bildenden Künstlerin Verena Waddel. So beinhaltet „Tarot“ 22 Einzelstücke, die jeweils eine Karte des Major Arcana, also der Trumpf-Karten eines klassischen 78er Tarot-Decks repräsentieren. Zur Seite gestellt werden diesen 22 Stücken, die die Reise des Narren (engl.: fool) durchs Leben begleiten, genauso viele Kunstwerke Waddels, welche mit Symbolkraft gefüllt sind.

Und so abwechslungsreich sich das Kartendeck Waddels gestaltet, so heterogen sind auch die 22 Interpretationen von Anders Buaas.
Denn der Norweger stellt mittellangen Progressive Rock-Elegien wie ‚The Hierophant‘ gerade mal zweiminütige Stücke wie ‚The Fool‘ gegenüber, die einen leichten Fußes beschwingen. Leuchtende Klangfarben stehen düsteren Stimmungen gegenüber, während melodiereiche Kompositionen wie bei ‚The Lovers‘ auf Bass-betonte Stücke wie ‚The Devil‘ treffen.

Und trotzdem erscheinen die einzelnen Lieder des Songzyklus, von ‚Fool‘ bis ‚The World‘, so verschieden sie auch sind, als homogene Einheit. Gitarrenmusik auf hohem Niveau ohne herausstechende Ausreißer im Positiven wie im Negativen. Ein Album, das Zeit benötigt, um in all seinen Facetten wahrgenommen werden zu können und deswegen auch nach mehrmaligen Rotationen nicht so schnell langweilig wird.
Bewertung: 12/15 Punkte

Anders Buaas – Tarot (Apollon Records, 25.06.2021)
Tracklist:

1. ‚The Fool‘ (2:05)
2. ‚The Magician‘ (3:27)
3. ‚The High Priestess‘ (5:10)
4. ‚The Empress‘ (2:28)
5. ‚The Emperor‘ (1:51)
6. ‚The The Hierophant‘ (7:34)
7. ‚The Lovers‘ (3:38)
8. ‚The Chariot‘ (5:09)
9. ‚Strength‘ (3:52)
10. ‚The Hermit‘ (4:05)
11. ‚Fortune‘ (3:13)
12. ‚Justice‘ (3:16)
13. ‚The Hanged Man‘ (6:28)
14. ‚Death‘ (5:05)
15. ‚Temperance‘ (1:19)
16. ‚The Devil‘ (2:02)
17. ‚The Tower‘ (1:28)
18. ‚The Star‘ (2:19)
19. ‚The Moon‘ (1:29)
20. ‚The Sun‘ (4:16)
21. ‚Judgement‘ (1:25)
22. ‚The World‘ (5:01)

Besetzung:
Anders Buaas (E- & Akustik-Gitarren, Bass, Mandoline, Banjo, Schlagzeug, Perkussion, Glockenspiel, Keyboards & Theremin)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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