We Stood Like Kings – Classical Re:Works

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We Stood Like Kings – Classical Re:Works (Kapitaen Platte/Cargo, 2.10.20)(40:46, digital, CD, LP, Kapitän Platte/Cargo Records, 2020)
Die großen Proto-Progger wie The Nice und ELP haben sich ihre klassischen Lehrmeister und vielleicht auch Vorbilder mit viel Leidenschaft anverwandelt – und willig dafür in Kauf genommen, als verkopfte Bildungsspießer geschmäht zu werden. Heute gehen die Spezialisten für cineastischen Post Rock mit dem ja ohnehin schon blaublütigen Namen We Stood Like Kings vermutlich ebenso gern ein ähnliches Risiko ein. Denn wenn man seinen Sound um Klavier und Keyboards herum aufbaut und ein Faible dafür hat, Stummfilme zu vertonen, dann lebt sich’s künftig eh völlig ungeniert.

Auf dem aktuellen und vierten Longplayer „Classical Re:Works“ fordern die Belgier also ungeniert einige Klassiker zum Post-Rock-Pogo auf. Den Aufmacher Karol Szymanowski (‚9 Preludes, Op. 1, No. 1: Andante ma non troppo‘) hatte der Rezensent nicht mal auf dem Schirm, was Interpretationsvergleiche natürlich erschwert. Dafür ist ‚Concerto for Strings in D minor, RV 127: Allegro‘ von Antonio Vivaldi zum einen recht vertraut und zum anderen als typisches Barock-Werk ohnehin immer schon ausgesprochen schwungvoll. Auffallend bleibt aber das Umarrangement auf das Klavier als führendes Melodieinstrument.

Als nächstes wird es schummrig. Ludwig van Beethovens ‚Piano Sonata No. 14‘ in C#-Dur, Op. 27, No. 2: Andante sostenuto kennen als „Mondscheinsonate“ sogar Menschen, die Klassik verabscheuen. Und es gibt zahllose Bearbeitungen, z.B. diese „Rock“– (superpeinlich) und diese vergleichsweise überzeugende Metal-Version. Wobei letztere ihren Reiz wahrscheinlich u.a. aus den Klangfarben der E-Gitarre und der ein wenig respektlosen Warb-Beschleunigung zieht. Bei WSLK darf das Mondlicht im originalen Tempo tropfen, bis auf das (nur) hier ein wenig laut im Mix erklingende Schlagzeug ist die Fassung vergleichsweise näher am Original als z.B. Jacques Loussiers berühmte jazzige Bach-Bearbeitungen.

Es darf weiter geträumt werden, mit Debussys ‚Rêverie‘, L. 68. Jedenfalls bis 1:30, während es leider ein wenig nach New Age-Sauna-Hintergrundmusik klingt. Ab da aber wird es rhythmisch und von den Arrangements interessanter – das Stück ist teilweise nur noch schwer wieder zu erkennen.

Besonders gelungen erscheint die Interpretation von Leoš Janáčeks ‚Glagolitic Mass‘, JW 3/9: Introduction. Mit dieser hinreissenden Version könnte man möglicherweise Post-Rock-Hörer glauben machen, es handele sich um eine zeitgenössische Komposition!

Schließlich darf darf auch Bach hier natürlich keinesfalls fehlen, wobei das Andante der ‚Orgelsonate No. 4‘ in E Dur (BWV 528) wieder recht werkgetreu auf Klavier überführt wurde – mit einem Hauch Gitarre und Bass .

Wenn alle Originale so verwandelt und dabei verzaubert worden wären, wie ‚Glagolitic Mass‘, stünde hier eine 13, stattdessen gibt es…
Bewertung: 10/15 Punkten

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Abbildungen: WSLK / Kapitän Platte

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"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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We Stood Like Kings – Classical Re:Works

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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