Onségen Ensemble – Fear

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Onségen Ensemble - Fear (Svart, 20.11.20)(49:20, CD, Vinyl, Digital, Svart Records, 2020)
Mitunter verliert man eine Band aus den Augen, um so schöner ist es, sie dann quasi wiederzuentdecken. Onségen Ensemble stammen aus Finnland, wurden bereits 2005 gegründet und blieben bereits bei der letzten Begegnung als etwas merkwürdige, vor sich hin stampfende Formation mit erkennbarem Magma-Einschlag hängen.

Nun ja, die Finnen neigen gerne mal zu gewissen Eigenartigkeiten, doch so ganz alleine im Zeuhl-Mikrokosmos ist die Band dann doch nicht, denn erst dieses Jahr bewiesen die Landskollegen von Dai Kaht eindrucksvoll, wie man diesen Stil eigenständig erweitern kann. Gleichfalls setzt das Onségen Ensemble auf  ihrem dritten Werk „Fear“ den sehr eigenen Weg fort, mit einer sehr ausschweifenden cineastischen Note, sowie düster rockenden Ingredienzien und einem Hang zu schwebender Space-Rock-Affinität.

Das Material auf „Fear“ wird von dunklen, mystischen Klangteppichen dominiert. Gelegentlich verwendeter, etwas eigenartiger Gesang, sowie Bläser kreieren eine Art Soundtrack zu einem noch zu schreibenden Film. Überaus originell ist ein deutlich erkennbares Western-Flair zu vernehmen, das von seiner Klanglichkeit an die Streifen von Quentin Tarantino oder die Soundtracks von Ennio Morricone erinnert.

Doch bisweilen wird einfach der Schalter umgelegt – und dann steuern die Mannen aus dem hohen Norden im Zeuhl-Ork-Modus, wie z.B. beim Opener ‚Non-Returner‘ oder dem endzeitlichen ‚Lament Of Man‘, direkt auf den Untergang zu. Doch sollte man Onségen Ensemble keinesfalls nur als musikalische Kuriosität abtuen, denn dafür steckt dann doch zu viel Gehalt in ihrem ganz eigenem Weg. Hier gelingt eine interessante Verschmelzung aus filmischen Ansätzen und schweren Riffs, vermengt mit analogen Keyboardsounds und Blasinstrumenten.

Beim umfangreichen, sich ständig verändernden Musikerkollektiv (aktuell bestehend aus Pasi Anttila, Heikki Häkkilä, Esa Juujärvi, Merja Järvelin, Sami Lehtiniemi, Samuli Lindberg, Joni Mäkelä, Niina Susan Sassali und Mikko Vuorela) kommt zu den düsteren Klängen, eine gehörige Dosis an schleppenden Gitarrenriffs dazu, die eher dem Stoner- bzw. Post-Rock-Genre zuzuordnen sind. Damit bricht der Hörer gemeinsam mit dem Ensemble auf eine Reise in fremde Sphären auf, die in ihrer Intensität und eindringlichen Art einen bleibenden Eindruck hinterlässt.


Sofern man diese Ausrichtung mag, dann wird man bei „Fear“ eine ansprechende Ansammlung an teils Zeuhl-beeinflusster, teils soundtrackartiger, aber immer hypnotisierender Kompositionstechnik der mal finsteren, mal ansatzweise hoffnungsvollen Art erleben.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

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Abbildungen: Onségen Ensemble

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Onségen Ensemble – Fear

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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