Dai Kaht – II

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(61:24, CD, Digital, Soleil Zeuhl, 2020)
Von wegen unterkühlte Nordmänner! Nach dem Motto: alles so schön bunt hier, interpretiert die finnische Combo Dai Kaht auf ihre ganz eigene Art das Zeuhl-Genre. Ihr Ansatz ist euphorischer, luftiger, lebendiger als man dies von anderen Bands jenen Stils kennt. Am ehesten erinnern die Nordeuropäer an den etwas überdrehte Zeuhl Ansatz, den ansonsten japanische Bands bevorzugen. Dies kommt nicht von ungefähr, den Bandgründer Atte Kemppainen wurde ursprünglich von der japanischen Avantgarde / Zeuhl Band Ruins inspiriert und entdeckte erst später die Zeuhl-Urväter Magma. Zusammen mit seinen Bandkollegen, die teilweise von der King-Crimson-Coverband Project Crimson King stammen, wurde die Band 2013 aus der Taufe gehoben.

Es ist vieles vorhanden, was man an stilistischen Merkmalen aus diesem Subgenre kennt: der Bass knarzt wunderbar, verspielte, temporeiche Jazz-Rock-Einflüsse dominieren und dazu kommt ein ganz eigener konzeptioneller Mikrokosmos, sowie gutturaler Gesang in der eigenen Kunstsprache Kolöniel, die sehr an Kobaïanisch erinnert. Inhaltlich dreht sich das Album um eine dunkle Zukunftsvision, in der die Menschheit den Weltraum kolonisiert. Das Raumschiff Doover Üouh ist auf seinem Zielplanet Dai Kaht gelandet, jedoch verstrickt sich die Menschheit einmal mehr in Selbstzerstörung und Gewalt, den ewigen Kampf von Gut gegen Böse.

Der Vierer Atte Kemppainen (alias “Alemaahr Kempah”: Gesang, Bass), Ville Sirviö (alias ” Willargh Shirow”: Gitarre), Roope Pelkonen (alias “Kaszpar Gorkeulhzennh”: Keyboards, Gesang) und Osmo Saarinen (alias “Ozamö Sharif”: Schlagzeug, Gesang) ist meist im High-Speed Zeuhl Modus unterwegs, versteht es jedoch gewisse Ruhepole einzuflechten. Weiterhin sind Dai Kaht vom Grundansatz wesentlich rockorientierter, selbst etwas funkige Passagen finden ihren Einzug. Mitunter wird kurz und heftig in den Avant Rock Modus geschaltet (z.B. bei ‘Helvet Sttroi II’), fordert dissonante Überdrehtheit in einer Spielart, die mitunter an Koenjihyakkei erinnert, die eigene Belastungsgrenze heraus.

Dai Kaht setzen weit weniger auf langsame Intensitätssteigerungen, sondern vor allem auf “Zeuhl Volldampf ahoi”! Doch bleibt dennoch genügend Raum für ruhige Momente im stampfenden, dynamischen Jazz Rock, der zwar temporeich, aber trotzdem frisch und leichtfüßig daherkommt. Dai Kaht: eine willkommene, überaus kurzweilige Ergänzung im Zeuhl-Universum.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Abbildungen: Dai Kaht / Soleil Zeuhl

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Dai Kaht – II

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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