Altesia – Paragon Circus

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(56:32, CD / Digital, Eigenproduktion, 2019)
Presseinformationen von Plattenfirmen sind oft euphorisch und vergleichen Bands nicht selten mit namhaften Vorbildern, mit denen sie musikalisch entweder rein gar nichts zu tun haben, oder denen sie, falls doch Ähnlichkeiten bestehen, bei weitem nicht das Wasser reichen können.
Das Press Kit zu “Paragon Circus”, dem im Dezember 2019 erschienenen Debüt-Album der aus dem aquitanischen Bordeaux stammenden Band Altesia, bildet da in Sachen Namedropping keine Ausnahme. So werden nicht nur Porcupine Tree und Opeth als Haupteinflüsse von Bandkopf Clément Darrieu genannt, nein, es werden im nächsten Satz auch noch die Namen praktisch aller angesagten Prog-Metal-Bands sowie jene einiger moderner Klassiker des Progressive Rock genannt: Haken, Leprous, Soen, Riverside, Between The Buried And Me, Native Construct, Gojira, Beardfish, Transatlantic, Neal Morse, Pink Floyd, Unitopia und Southern Empire. Eine Aufzählung, die Großes erhoffen und, noch viel mehr, Schlimmes erahnen lässt.

Dass dann wirklich Großes folgt und Schlimmes nicht einmal mit der Lupe zu finden ist, überrascht nach dem ersten Hören dann doch sehr. Klar, die musikalischen Einflüsse sind an allen Ecken und Enden zu hören. Allerdings werden die oben aufgeführten Bands in so unglaublich guter Art und Weise nachgeahmt, dass man manchmal fast denken könnte, dass hier tatsächlich einige der musikalischen Vorbilder mit im Studio gesessen hätten. In Wirklichkeit ist in Altesia aber nichts anderes als Altesia drin – bzw. Clément Darrieu. Denn eigentlich handelt es sich bei Altesia erst seit dem Ende der Aufnahmen zu “Paragon Circus” um eine echte Band. Wie schon Porcupine Tree für Steven Wilson, so war anfangs auch Altesia für Mastermind Clément Darrieu nichts weiter als ein Soloprojekt, denn “Paragon Circus” ist von ihm zwischen 2017 und 2019 im Alleingang geschrieben worden. Erst für die Stuioaufnahmen umgab sich Darrieu mit Mitmusikern: Alexis Casanova (Leadgitarre), Antoine Pirog (Bass), Yann Ménage (Schlagzeug) und Henri Bordillon von (Keyboards und Piano). Lediglich Gesang, Rhythmus- und Akustikgitarre stammen von Darrieu selbst. Hinzu kommen Gastmusiker, die das Klangbild einzelner Lieder durch Instrumente wie Saxophon, Violine und Growls erweitern.

Thematisch handelt “Paragon Circus” vom Menschen in der modernen Gesellschaft und dessen Hang zur Selbstzerstörungden. In den sechs Liedern werden dabei so verschiedene Aspekte wie ökonomische Missverhältnisse, andauernde Kriege, Entfremdung durch Arbeit, soziale Konformität, das Urteilen über Menschen, die Abwesenheit von Glücklichkeit sowie die Oberflächlichkeit der menschlichen Vernunft beleuchtet.

“Paragon Circus” ist, trotz aller Parallelen und Ähnlichkeiten vor allem zu Opeth, Dream Theater, Haken und Between The Buried And Me, ein in seiner Gesmtheit sehr überzeugendes Werk geworden. Altesia verstehen es nämlich sehr gut, technische Spielereien und emotionale Melodien fast immer songdienlich miteinander zu verweben. So ist bleibt “Paragon Circus” sowohl wegen seiner hymnenhaften Refrains als auch wegen seiner ausgefeilten Instrumentalparts in Erinnerung.

Positiv auswirkend auf den Gesamtsound der Band sind die drei Gastmusiker. Vor allem Violine (Thibault Malon) und Saxofon (Julien Deforges) geben Altesia ein Alleinstellungsmerkmal, dass sie von oben genannten Einflüssen und Vorbildern unterscheidet. Auch Esteban Sainz‘ Growls stehen der Platte sehr gut. Da sie immer nur als begleitende Hintergrundstimme eingesetzt werden, sind sie niemals aufdringlich, sondern verstärken ledigklich die Stimmung des Albums. Es sind Death Metal-Elemente, die eventuell auch für Nicht-Liebhaber des Genres akzeptabel sein könnten. Schade ist allerdings, dass es sich nur um Gastmusiker handelt, denn an anderen Stellen sind Altesia dann doch zu dicht an den Originalen.

“Paragon Circus” ist unterm Strich ein sehr starkes Debüt-Album, welches technisch und musikalisch mit den großen Namen des Modern Prog mithalten kann. Vom ganz großen Wurf ist die Band allerdings noch ein kleines Stück entfernt, da sie sich hierfür noch viel mehr von den Originalen emanzipieren müsste.
Bewertung: 12/15 Punkten

1. Pandora (2:35)
2. Reminiscence (11:41)
3. Amidst the Smoke (7:46)
4. The Prison Child (10:34)
5. Hex Reverse (6:30)
6. Cassandra’s Prophecy (17:46)

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Über den Autor

flohfish

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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