Russ Ballard – It’s Good To Be Here

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(51:37, CD / LP / Digital, BMG, 2015/2020)
Als Mitglied von Argent, Solokünstler bzw. Songschreiber und Produzent ist Russ Ballard eine Legende im Classic-Rock-Bereich, der vor allem in den späten 70ern und 80ern seine Hochzeit feierte. Doch ging es ihm dabei wie Bruce Springsteen zu Beginn seiner Karriere – auch bei ihm wurden die Coverversionen seiner Stücke oft bekannter als seine eigenen Kompositionen.

Als Solokünstler gelang Russ Ballard zwar nie der ganz große Durchbruch, dafür wurden diverse von ihm geschriebene Titel durch andere Künstler zu veritablen Hits bzw. Rock- und Popklassikern wie z.B. ‘Since You Been Gone’ (Rainbow, 1979), das ursprünglich von Argent stammende ‘God Gave Rock And Roll To You II” (Kiss, 1991), ‘So You Win Again’ (Hot Chocolate, 1977), ‘You Can Do Magic’ (America, 1982) oder ‘New York Groove’ (Hello, 1975), gleichfalls stammen Songperlen wie ‘I Know There’s Something Going On’ (Frida, 1982), ‘I Surrender’ (Rainbow, 1981) oder ‘Winning’ (Santana, 1981) aus seiner Feder.

Doch auch seine Solokarriere kann sich durchaus sehen lassen. Mit ‘On The Rebound‘ (1980) und dem in der TV Serie “Miami Vice” verwendeten ‘Voices‘ (1985) schaffte er es zwar nur auf die hinteren Plätze der Billboard Charts, doch obwohl er nie an die Erfolge der Fremdinterpretationen heranreichte, haben vor allem die beiden Alben “Russ Ballard” (1984) und “The Fire Still Burns” (1985) einen gewissen Klassikerstatus und gehört das Material dieser beiden Alben noch immer zum festen Live-Repertoire des englischen Musikers. Kleines Geständnis am Rande: in der eigenen Plattensammlung befindet sich einiges von ihm bzw. seinen Kompositionen, so dass der Name noch immer für ein gewisses Aufhorchen sorgt.

Nun liegt nach langer Zeit wieder mal ein Album mit eigenem Material vor, wobei es sich dabei um das ursprünglich bereits 2015 lediglich als digitaler Download erschienene und nun in einer überarbeiteten Fassung von BMG wiederveröffentlichte “It’s Good To Be Here” handelt. Wie gewohnt bekommt man auf dem mittlerweile zehnten Soloalbum einen melodischen, souveränen Mix aus Rocktiteln und Balladen geboten. Der klassische Rocksound des Engländers verfügt immer noch über eine gewissen zeitlosen Charme und Eigenständigkeit. Das geht immer noch gut ins Ohr, auch wenn die Klassiker der Vergangenheit nicht erreicht werden und man zuweilen eine prägnante Note, eine griffige Idee vermisst.

Gerade nach dem viel versprechenden Beginn mit den beiden Rockern ‘My Awakening’ und ‘Time Machine’ verliert “It’s Good To Be Here” leider zwischendurch seinen Schwung. Glücklicherweise fängt sich das Album im weiteren Verlauf zeitweilig immer mal wieder (z.B. mit dem melancholischen ‘Colliding’, dem getragenen, leicht bluesigen ‘Proud Man’) und hat dann seine stärksten Momente, wenn Russ Ballard auf gut abgehangenen Rock und kompositorische Raffinesse setzt. Trotzdem gelingt es ihm nicht, auf gesamter Spieldauer an die Qualität seiner eigenen Vergangenheit heranzureichen.

Ergänzt werden die zehn neuen Songs durch überarbeitete Versionen von ‘Since You Been Gone’ (als getragene, spartanisch arrangierte Ballade), ‘You Can Do Magic’ und ‘New York Groove’, die aber gerade durch eine andere Herangehensweise durchaus ihre Berechtigung haben. Im Frühjahr ist der Engländer übrigens auf Europatour, wobei er hier vor allem sicherlich auf seine Klassiker setzen wird.
Bewertung 7/15 Punkten (KR 8, KS 7)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Russ Ballard – It’s Good To Be Here

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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