Moonshot – Worlds Of Yesterday (A Retrospective, 1971 – 1992)

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(64:00; CD, LP, Burning Shed, Plane Groovy, Justforkicks, 2020)
Moonshot – Wie konnte eine Formation von diesem Kaliber so lange Zeit unter dem Radar fliegen und fast völlig in Vergessenheit geraten? Bei der Lektüre der Bandgeschichte auf der Webseite von Moonshot, wird so manchem Progfan die Erinnerung an die Formation und ihren Protagonisten Jeff Harrison zurück kommen. Leider ist Harrison im Januar 2019 in Folge seiner jahrelangen Milchreis-Sucht verstorben.

Tim Bowness, bekennender langjähriger Fan der Band, der auch etliche Moonshot Stücke auf seinen Soloalben coverte, erfüllt jetzt den letzten Wunsch des Künstlers und kuratiert die Retrospektive “Worlds Of Yesterday”. Bowness’ Lieblingsstücke von Moonshot werden von den verbliebenen Bandmitgliedern mit dem neuen Mann am Mikrofon John Wilkinson, auf der Höhe der Zeit interpretiert. Wie man auf der Webseite der Band erfährt, hat Harrison den Sänger selbst als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Alte Fans werden vielleicht Harrisons fast flüsternd sanfte Stimme vermissen, doch John Wilkinson macht seine Sache, neben John Comish, James Cooper, Darren Dean und David Jones mehr als gut und gibt den Songs mit seiner kräftigen Stimme eine ganz neue Kraft. Das Wagnis einen Sänger mit völlig anderer Klangfarbe in die Band zu holen erweist sich als Glücksgriff.

Höhepunkt ist zweifelsohne das Stück ‘The Great Electric Teenage Dream’ aus dem Jahr 1977. Dass Harrison darin schon damals das Ende der Musikindustrie in seiner derzeitigen Form vorhersah, hat fast schon die Züge eines Nostradamus: “Your great electric teenage dream. Once a record, now an unpaid stream“. Man mag fast nicht glauben, dass dieser Satz über 40 Jahre alt ist.

Natürlich fehlen auch nicht die Klassiker aus den frühen Siebzigern ‘Moonshot Manchild’ und ‘The Sweetest Bitter Pill’, die mühelos neben Werken von Zeitgenossen wie Gentle Giant oder King Crimson bestehen können. Um zu erkennen, dass ‘Distant Summers’der Genesis Hymne ‘Afterglow’ Pate gestanden hat, bedarf es nicht viel.

Da die Originalalben weitestgehend lange vergriffen sind und teils zu astronomischen Preisen gehandelt werden, ist “Worlds Of Yesterday” ein lange überfälliger Akt von Denkmalpflege. Das Werk ist als Vinyl-LP oder CD mit zwei Bonusstücken erhältlich. Bleibt zu hoffen, dass der Backkatalog von Moonshot in naher Zukunft ebenfalls restauriert und wiederveröffentlicht wird. Wozu kennt Tim Bowness, als großer Bewunderer der Band, denn sonst Steven Wilson. Ja, Album wie “Sunshine And Storms (1972)” oder “Rosewater (1973)” im SW-Remix in 5.1 Dolby-digital – Das wäre ein Fest.

Jeff Harrison, auf irgendeinem Stern in den Weiten der Milchreisstraße, würde das sicher ein Lächeln auf seiner Lippen zaubern.

Unsere Empfehlung: Unbedingt wieder entdecken.
Bewertung: 12/15 Punkten

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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