Interview mit Simon Gstöhl und Bastian Berchtold von Second Relation

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»Man muss sich ohne Zweifel und Ängste auf die eigene Musik konzentrieren können«

„Abiona“ und „Eno“ wurden bei uns schon heiß gehandelt und hochgelobt. Einen Abend nach dem ebenfalls auf unserer Seite zu findenden Spidergawd-Konzert hat Betreuer Phil (noch ein wenig davon gezeichnet) mit Simon und Bastian von Second Relation ein Skype-Interview geführt. Die Band ist in Österreich wild verteilt: Bastian Berchtold (Bass/Vocals), Daniel Fleps (Keyboard/Backing Vocals) und Simon Gstöhl (Guitar) wohnen in Innsbruck, Julian Nachbauer (Guitar) und Michael Simic (Drums) in Wien. Die Band kommt eigentlich aus Vorarlberg. Über die Verteilung und ihre Konsequenzen, die bisherige Bandgeschichte sowie über die die Dinge, die da folgen, wie zum Beispiel der Auftritt auf dem diesjährigen Night Of The Prog Festival, haben Simon und Bastian uns Auskunft gegeben.

Schön, dass ihr Zeit habt!
Ja, gerne!

Erzählt mir ein wenig zur Bandgeschichte: Wie habt ihr euch zusammengefunden?
Simon: Dieses Jahr gibt es uns zehn Jahre. Wir kommen alle aus der selben Gemeinde, sind alle ungefähr gleich alt, um die 25. Wir kennen uns teilweise seit der Kindheit und später aus der Schule, dann sind wir gemeinsam in die selbe Oberstufe gegangen.
Bastian: Da hat’s gefunkt!
Simon: Und da wir schon immer mit Musik etwas machen wollten, haben wir uns entschlossen: „Jetzt gründen wir eine Band!“ Das hat ganz gut geklappt, nach zwei Jahren war dann das erste Album „Lynette“ schon fertig. Wir wollten direkt ein richtiges Album aufnehmen, keine EP, nichts Halbherziges. Nach der Schule, 2011, haben sich unsere Wege ein wenig getrennt, wegen Studium und Ausbildung. Das heißt, wir haben uns ein bisschen neu organisieren müssen, zwei Mal wöchenlich Probe war nicht mehr, der Schwerpunkt lag bei jedem Einzelnen auf etwas Anderem. Über die Jahre haben wir aber immer mal wieder geprobt und die Band trotzdem weitergeführt.
Bastian: Die Arbeitsweise der Band lässt sich an beispielhaft an der Arbeit zu „Eno“ zusammenfassen: Simon war in Berlin, Julian ist ein Traveller, der war in Taiwan. Der schickt dann einen Gitarrenriff, ich hocke in Innsbruck am Computer und arbeite weiter daran. Das war trotzdem – oder gerade deswegen? – eine sehr produktive Zeit. Die Band funktioniert daher auch nur in der Besetzung, anders würde das gar nicht mehr gehen.

Seid ihr eigentlich studierte Musiker oder Autodidakten?
Simon: Studierte Musiker haben wir zwei in der Band: Bastian und Daniel.
Bastian: Wir haben beide am Mozarteum in Innsbruck angefangen, Schulmusik zu studieren. In Vorarlberg tickt man so: Man geht erst den sicheren Weg, bevor man die Laufbahn als Profimusiker einschlägt. Heutzutage mit der eigenen Band Geld zu verdienen, ist ja nicht so einfach. Später sind wir dann ein wenig von der klassischen Musik weg, und Daniel und ich haben dann angefangen, am Jazzkonservatorium in Innsbruck zu studieren, und die Liebe zu Jazz und Funk entdeckt. Ich bin auch nach München gegangen, um dort Gesang zu studieren. Die anderen sind eigentlich alle den klassischen Weg über die Musikschule gegangen. Simon hat z.B. aber Klavier in der Musikschule gemacht, und ist später zur Gitarre gewechselt.
Simon: Man muss auch dazu sagen: Wir sind in die Oberstufe mit musischem Zweig gegangen, das heißt die musikalische Grundausbildung hat eigentlich jeder von uns. Der Julian ist vielleicht am ehesten noch Autodidakt, der war nicht im musischen Zweig, war aber von Kindheit an mit Musik in Berührung.
Bastian: Seine Eltern sind im Popbusinness tätig. Er hat dann irgendwann die 412er-Box ausgepackt und angefangen, Maiden-Riffs zu spielen (lachen). Ihnen gefällt aber sehr gut, was wir machen.

Ihr habt ja bis jetzt Konzeptalben gemacht.
Bastian: Wir haben es versucht! (lacht)

Ich finde schon! Wo kam die Inspiration für die Alben oder auch die Trilogie her?
Bastian: Also es steckt keine persönliche Geschichte dahinter. Die Idee, unseren Alben Frauennamen zu geben, ist zufällig entstanden. Seitdem wir das erste Album „Lynette“ nannten, haben wir gedacht, das Konzept könnte man weiterspinnen. Nach den drei Alben sind wir jetzt an dem Punkt, dass wir uns von dem Konzept verabschieden werden. Wir wollten, dass der Inhalt des Albums immer auch mit der Frau zu tun hat, und nach drei Alben wird es problematisch, sich da nicht zu wiederholen. Aber die nächsten werden wahrscheinlich nicht drei Männernamen tragen (lachen). Als Progrock-Fans haben uns die frühen Konzeptalben à la Pink Floyd fasziniert und wir wollten auch versuchen, so etwas umzusetzen. Man merkt auch bei unseren drei Alben, wie wir älter und gescheiter geworden sind. Das erste Album ist eigentlich kein wirklich thematisch zusammenhängendes Konzeptalbum. „Abiona“ mit den drei Chapters ist schon besser geworden, aber erst „Eno“ hat komplett funktioniert. Wir haben wirklich zuerst die Musik geschrieben und dann den Text. Wir hatten eine zehnseitige Story, die unterteilten wir in zehn Songs. Bei „Abiona“ haben wir noch vereinzelte Songs und vereinzelte Texte geschrieben, die wir später zusammengefügt haben.
Simon: Vor allem bei den Proben für die frühen Alben hat Bastian immer schon Fantasietexte mitgesungen, die Gesangslinien waren schon da. Bei „Eno“ waren im Gegensatz die ganzen Songs schon aufgenommen und Bastian hat danach erst die Gesangsline gemacht.
Bastian: Wir sind auch recht stolz darauf, dass das Konzept aufgegangen ist. Im ersten Moment war ich schon etwas nervös. Ich dachte: „Oh Gott! Jetzt muss ich es schaffen, für zehn fertige Songs gute Gesangslines mit vorgegebenem Text zu machen!“ Da habe ich mir eine ziemliche Challenge auferlegt, und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich gemerkt habe, dass das funktioniert.
Simon: Was man nicht vergessen darf bei dem Konzept, ist natürlich das Artwork, das von Bastians Schwester Johanna entworfen ist. Die visuelle Darstellung ist ein großer Teil des Konzepts.

Ist das hinterher oder parallel enstanden?
Bastian: Das ist in dem Moment entstanden, als der Text fertig war. Sie hat den Text und ein paar Soundbeispiele bekommen und damit gearbeitet.

Ihr habt eben Pink Floyd genannt und auch eure musikalische Ausbildung. Habt ihr musikalische Einflüsse?
Bastian: In der Oberstufe waren wir alle große Opeth-Fans. bzw. generell große Prog-Fans und haben viel Porcupine Tree, Riverside und halt Opeth gehört. Später auch härteres Zeug wie Between the Buried and me oder The Faceless und technisch schwierigere Geschichten. Dann aber auch Klassiker wie King Crimson oder Pink Floyd. Als Proghörer „muss“ man sich damit beschäftigen bzw. tut es einfach. In den letzten Jahren sind auch durch das Studium neue Sachen dazu gekommen. Was mich persönlich sehr beeinflusst hat, war zum Beispiel die sehr verkopfte Jazz-Band Snarky Puppy. Man merkt, die haben alles gehört: Jazz, Rock, HipHop, Instrumentalmusik, Progressive Rock. Alle Prog-Klischees sind auch bei denen enthalten und es ist alles wahnsinnig virtuos gespielt.

Wie läuft denn bei euch das Songwriting? Jammt ihr manchmal zusammen oder kommt jeder mit eigenen Ideen?
Bastian: Gejammt wird eigentlich nicht, weil wir wie gesagt zu verstreut sind und nicht regelmäßig proben können. Das Songwriting entsteht viel am Computer, wenn mir z.B. etwas einfällt, nehme ich das auf und packe das in meinen „Second Relation“-Ordner. Und so macht jeder das, Julian schickt z.B. einen Riff auf Japan, und irgendwann fügen wir das alles zusammen.

Schöne Arbeitsweise!
Bastian: Ja! Das Bandgefühl ist daher über weite Strecken des Jahres verloren, das ist natürlich etwas schade.
Simon: Der Vorteil an der Methode ist, dass die Songs von von vorne bis hinten richtig durchdacht sind.

Wie habt ihr das dann im Studio gemacht?
Simon: Wir haben die Songs als Midi-Sounds programmiert, dann wurde das Schlagzeug in München aufgenommen.
Bastian: Das Studio gehört der Band Serious Black. Wir haben schon für das „Abiona“-Album die Drums dort aufgenommen. Wir hatten eine Midi-Vorproduktion gemacht und darauf hat Stück für Stück jeder seinen Part eingespielt.
Simon: Den meisten Zeitdruck gab es halt beim Schlagzeug, weil wir das Studio gemietet haben. Ab danach haben wir am Computer daheim alles einzeln aufgenommen, da konnten wir uns mehr Zeit lassen.

Habt ihr hinter auch selbst abgebmischt oder das in andere Hände gegeben?
Bastian: Was wir uns beim Recording an Kohle gespart haben, haben wir beim Mixing rausgehauen. Der Mischer beeinflusst ja alles. Wir waren uns nicht sicher, ob wir einen Metal-Mischer oder einen funkigen Mischer haben wollten. Wir sind dann mehr in die Metal-Richtung gegangen und haben uns an dem Megasound von Katatonia orientiert. Aber auch Riverside haben einen Megasound, allerdings nicht so fett wie der von Katatonia. Wir haben also deren beide Mischer angeschrieben, und beide haben zugesagt! David Castillo (u.a. Katatonia) hat es dann gemacht. Das waren dann erst einmal ganz andere Songs beim ersten Reinhören, aber es war die perfekte Entscheidung.

Wie sieht Zukunft für Second Relation aus?
Simon: Wir freuen uns schon auf die „Night Of The Prog“!
Bastian: Das ist das nächste Große! Ihr müsst früh aufstehen, wir spielen nämlich um 14 Uhr.
Simon: Wir wollen möglichst viel die nächste Zeit live spielen. Uns ist auch gerade bei „Eno“ jetzt wichtig, dass das Ganze auch auf der Bühne funktioniert.

Spielt ihr noch Sachen von „Lynette“?
Bastian: Nein, das ist zu weit weg. Das haben wir mit 16 geschrieben.

Und ist ein neues Album in Aussicht?
Bastian: An das nächste Album denken wir noch gar nicht. Es gibt immer wieder Gitarrenriffs, Keyboardlines, Progressionen, die man aufnimmt, aber mehr gibt es derzeit noch nicht.


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Fotos: Pressefreigaben

 

 

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Über den Autor

Philipp Roettgers

“Journalism is a low trade and a habit worse than heroin, a strange seedy world of misfits and drunkards and failures.” - Hunter S. Thompson. “Art is long and life is short, and success is very far off.” - J. Conrad

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