Kaipa Da Capo – Dårskapens Monotoni

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kaipa-da-capo_cd(68:19, CD, Foxtrot Records, 2016)
Kaipa sind zurück – und zwar in Form der Reinkarnation Kaipa Da Capo. Erneut zurück muss man wohl sagen, denn eigentlich sind sie dies ja bereits seit dem 2002er-Album „Notes From The Past“ – nämlich in der Kaipa-Version des Keyboarders und Mitbegründers Hans Lundin, der bekanntlich auch Roine Stolt ursprünglich angehörte.

Da diese Formation noch aktiv ist, musste für dieses Quintett hier also ein neuer Name her, der gleichzeitig aber die Herkunft klarstellen sollte. Kaipa Da Capo also. Da liegt die Frage nahe, wo steckt denn nun mehr „echte“ Kaipa drin, welche Band führt die Tradition der 70er-Kaipa weiter? Die Antwort ist eindeutig: Kaipa Da Capo. Sie machen im Grunde genommen dort weiter, wo sie mit „Solo“ aufgehört haben, und das ist allerfeinster Symphonic Prog.

Und wie schon damals werden die schwedischen Wurzeln gar nicht erst geleugnet, da wird nicht auf den internationalen Markt geschielt, um möglichst höhere Verkaufszahlen zu erreichen. Nein, man verzichtet auf englische Texte und bleibt bei der Muttersprache. Und das funktioniert auf diesem Album unter anderem auch deswegen so gut, weil sie genau den richtigen Sänger dazu gefunden haben. Die Lösung war im wahrsten Sinne naheliegend, sie lag sozusagen in der Familie. Die Schweden waren letztes Jahr bereits beim  Night of the Prog-Festival aufgetreten, hatten dort aber noch keine CD Veröffentlichung im Gepäck. Nun ist es also endlich so weit.

Zum Line-up: Von der Originalbesetzung der ersten beiden Alben fehlt lediglich der oben angesprochene Hans Lundin, an seiner Stelle bearbeitet Max Lorentz sein Arsenal an Tasteninstrumenten, und das sehr eindrucksvoll. Und die höchst geglückte Wahl des Sängers fiel auf Roines Bruder Michael Stolt, der Flower Kings-Fans als Bassist der ersten Alben, inklusive des Klassikers „Stardust We Are“, in Erinnerung ist. Eingespielt wurde das Album also von:

Roine Stolt –  electric & acoustic guitars / lap steel guitar / Yamaha C7 grand piano / synthesizer / keyboards / lead and backing vocals / FX / mellotron
Ingemar Bergman –  drums / percussion
Tomas Eriksson – Rickenbacker bass / Fender bass /Borkum riff & viboes
Michael Stolt –  lead and backing vocals / guitar / moog bass / tubular bells / Keyboards /acoustic guitar
Max Lorentz – Hammond B3 organ / pipe orgen / electric piano / mellotron / vocals / mini moog synthesizer / cembalo / Rhodes piano / flute / percussion / gong / bass / recorder / violin / tuba / lead vocals / Nordlead / Magnus organ / Yamaha C7 grand piano / sitar.

Als Gäste auf vereinzelten Songs sind zu nennen:
Merit Hemmingsson – vocals
Peter Lindberg – steel guitar
Ludde Lorentz – saxophone
Otto Ǻberg – choir

In Kaipa da Capo steckt immens viel Kaipa, und Fans der frühen Alben kommen hier garantiert voll auf ihre Kosten, denn genau in diesem Fahrwasser sind die Schweden wieder unterwegs. Gleich zum Auftakt singt die Gitarre in bester Roine-Manier, es löst sofort Begeisterung aus. Das ist wunderschöner Symphonic Prog, der nicht nur in den instrumentalen Passagen seine Stärken hat. Manche Songs haben Ohrwurmcharakter, die Gesangsarrangements sind perfekt gelungen. Natürlich agiert auch Roine als Sänger, wenn auch der Hauptpart bei seinem Bruder liegt. Und auch der ausgesprochen vielseitige Max Lorentz zeigt sich als guter Sänger, nämlich auf dem von ihm komponierten längsten Song des Albums, dem knapp 18-minütigen ‚Tonerna‘, bei dem auch fleißig improvisiert wird, sei es an den Tasten oder an der E-Gitarre.

Im Zehnminüter ‚Det Tysta Guldet‘ werden Erinnerungen an alte Focus-Zeiten (etwa zu „Moving Waves“) wach. Das Intro zum darauf folgenden ‚Spår Av Vår Tid‘ wiederum klingt wie ein Outtake aus „A Trick Of The Tail“ – ebenfalls eine wunderbare Komposition, die in diesem Falle aus der Feder von Michael Stolt stammt.

Das Album hat keinerlei Durchhänger, es bietet ein Füllhorn toller Melodien und feinsten Retro-Progs, wobei auch Folk- und Fusion-Elemente eingebaut sind. Das ist Kaipa in Bestform! Unter anderem auch durch die beiden „Neuen“, Michael Stolt und Max Lorentz. Hoffentlich kommt da in Zukunft noch mehr. Zumindest ist schon mal für Anfang 2017 eine Tour fixiert (siehe hier).
Bewertung: 13/15 Punkten (WE 12, JM 13, KS 12)

Kaipa Da Capo (Foto: Band)

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3 Kommentare

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Kaipa Da Capo – Dårskapens Monotoni

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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